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Zurück im Kongo Brazzaville

Zurück im Kongo Brazzaville

01.02.2026 routen >> afrika hautnah

Nach fast vier Wochen ist es so weit und ich bin den multiresistenten Keim losgeworden. Zeit, um nach Afrika zurückzukehren.

 

Ich buche erneut bei Air Ethiopia, dieses Mal über Rom. Dadurch habe ich in Addis Abeba mehr Zeit für das Umsteigen. Würde ich erneut über Mailand fliegen, hätte ich lediglich eine Stunde Zeit, was bei dem grossen Flughafen mit chaotischem Security-Check kaum machbar wäre.
Der Flug nach Rom startet pünktlich und so habe ich drei Stunden Zeit, zum richtigen Terminal zu gelangen und durch die Passkontrolle zu kommen. Danach heisst es warten, bis auch hier der Flug pünktlich um 23.00 Uhr losfliegt.

 

Mit fünfeinhalb Stunden Flugzeit bis nach Addis bleibt nach dem Essensservice nicht mehr viel Zeit, um zu schlafen. Und so bin ich bei der Ankunft am richtigen Gate in Addis für meinen Flug nach Brazzaville und weiter nach Pointe-Noire schon ziemlich müde. Dafür verlässt auch hier das Flugzeug pünktlich den Flughafen und wir landen zur vorgesehenen Zeit in Brazzaville, wo ich und die anderen Fluggäste nach Pointe-Noire eine Stunde im Flugzeug warten können, bis es weitergeht. Als ich dann nach 17 Stunden Reisezeit in Pointe-Noire ankomme, ist mein Schlafmanko doch recht hoch. Ich nehme mir trotzdem Zeit, eine SIM-Karte zu kaufen, was knapp eine Stunde dauert, weil der Prozess recht kompliziert ist. Danach plündere ich noch den einzigen Geldautomaten. Der CFA-Franc ist sowohl in der Republik Kongo als auch in Gabun und Kamerun die offizielle Währung. Es lohnt sich also, genügend Geld zu beziehen, da Kreditkarten auf meiner Route kaum akzeptiert werden.

 

Draussen angekommen, erwartet mich das schwüle Klima der Küstenstadt und es dauert nicht lange, bis mir der Schweiss überall herunterläuft. Willkommen in Kongo Brazzaville.

 

Der Taxifahrer kennt meine Unterkunft nicht. Er ruft aber einfach dort an und bekommt klare Anweisungen, wie er dahin findet. Hier ist es kaum jemand gewohnt, nach Navigation zu fahren. Da es Sonntag ist, hält sich der Verkehr in Grenzen und ich erreiche eine halbe Stunde später mein Guesthouse, wo ich herzlich begrüsst werde. Ich bekomme dieses Mal ein Zimmer im oberen Stock, welches über eine enge Wendeltreppe erreichbar ist. Bevor ich in einen tiefen Schlaf versinke, werfe ich einen kurzen Blick auf die Honda. Sie steht noch so da, wie ich sie hingestellt habe. Das ist schon einmal beruhigend. Für mehr reicht es heute nicht mehr.

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Nach über zehn Stunden Schlaf freue ich mich auf das Frühstück und eine Tasse Kaffee. Danach widme ich mich der Honda.

 

Als ich den Cover wegnehme, fällt mir der grosse Feuchtigkeitsfleck am Boden beim Vorderrad sofort auf. Das kann kaum Wasser sein, weil der Platz überdacht ist. Ich prüfe mit der Hand die Vordergabel auf dieser Seite und muss leider feststellen, dass Gabel Öl heruntergelaufen ist. Da ist wohl der Simmerring undicht geworden und nach der Grösse des Feuchtigkeitsflecks zu schliessen ist recht viel Öl ausgelaufen. Schöner Mist.

 

Bevor ich mich weiter darum kümmere, überprüfe ich die Enduro auf weitere Schäden, welche ich zum Glück keine auf Anhieb finde. Danach tausche ich als Erstes den Vorluftfilter aus, prüfe den Hauptluftfilter, der immer noch sauber aussieht, und schliesse die Batterie an. Nach zwei, drei Versuchen springt der Motor an und ich lasse ihn warmlaufen. Danach prüfe ich noch den Ölstand und die Kettenspannung und öle diese auch gleich nochmals.

 

Das dauert alles zusammen an die zwei Stunden, während denen ich am Schluss klatschnass geschwitzt bin. Zeit für eine Dusche, um danach in Ruhe eine Lösung für die Simmerring Problematik zu finden.

 

So weiterzufahren bis nach Douala in Kamerun, wo es eine Yamaha-Motorradgarage gibt, geht nicht. Das wären knapp 3’000 km mit Strassenverhältnissen, die ich nicht einschätzen kann. Ich muss also hier in Pointe-Noire eine Möglichkeit finden, die Simmerringe auszutauschen. Neue habe ich dabei, aber natürlich kein Gabel Öl.

 

Über einen der vielen Reise-WhatsApp-Chats habe ich von einer grossen Autogarage in Pointe-Noire gelesen, die auch Öl und Reifen für Motorräder anbietet. Jedenfalls haben hier einige Reisende Öl- und Reifenwechsel gemacht. Gemäss den Bildern auf Google sieht die Garage recht modern aus und sie haben sogar erwähnt, dass sie eine Yamaha-Motorradvertretung sind. Auf den Bildern sind aber keine Motorräder erkennbar, lediglich Yamaha-Aussenbordmotoren für Boote. Ich werde da morgen einfach hinfahren und mein Glück versuchen. Eine andere Lösung sehe ich im Moment nicht. Den Rest des Tages verbringe ich mit Relaxen und mich an das Klima zu gewöhnen.

 

Nachdem ich gefrühstückt habe, verlängere ich meinen Aufenthalt um eine weitere Nacht und brause kurz danach los zur Garage. Es sind acht Kilometer bis dahin, was auf den schlechten Strassen mit dem vielen Verkehr kein Vergnügen ist. Nur schon bis ich vom Guesthouse auf der Hauptstrasse bin, muss ich mich durch ein Sandfeld kämpfen und durch Wasserpfützen pflügen.

 

Bei der Garage angekommen, staune ich nicht schlecht, dass diese in der Realität noch besser aussieht als auf den Bildern. Als ich eintrete, stehe ich in einem grossen, modernen und schön heruntergekühlten Ausstellungsraum. Etwas weiter vorne sitzen einige Mitarbeitende an modern eingerichteten Bürotischen. Der vorderste, ein älterer weisser Mann, begrüsst mich und kommt sofort auf mich zu. Ich erwidere den Gruss und frage, ob er eventuell Englisch spreche. Mein Französisch ist für die Erklärung des Simmerring Problems zu wenig gut. Er nickt und kommt gleich mit mir nach draussen zur Enduro. Ich zeige ihm den Schaden und sage, dass ich Ersatzsimmerringe hätte, aber kein Öl. Er nickt und meint, dass eine Reparatur möglich sein sollte, und geht gleich darauf wieder hinein, um einen Mechaniker zu rufen.

 

Danach geht alles wie von selbst. Ich gebe dem Mechaniker meine Simmerringe und werde anschliessend vom Mitarbeitenden zu seinem Pult gebracht, wo ich eine Flasche Wasser bekomme und auf ihn warten kann, bis er Gabel Öl auftrieben hat. Das dauert zu meiner Überraschung kaum eine halbe Stunde und er steht mit Motul Gabel Öl vor mir und meint, jetzt sei alles geregelt. Danach kann ich ihn in die Garage begleiten, wo der Mechaniker bereits eine Gabel ausgebaut hat. Der Mitarbeitende meint, ich könne problemlos hierbleiben und zuschauen. Er gehe wieder zurück an die Arbeit. Ich bedanke mich herzlich und widme mich dem Mechaniker. Wir schwatzen ein wenig und ich erfahre, dass er ein zertifizierter Yamaha-Motorradmechaniker ist und bereits seit zehn Jahren hier arbeitet. Man sieht, dass er ausgebildet wurde. Er arbeitet exakt und ohne gehämmere, obwohl er kein richtiges Werkzeug für wenn Wechsel hat.

 

Zwei Stunden später sind beide Simmerringe gewechselt, die Gabeln eingebaut und die Honda wieder fahrtüchtig. Der Ölstand wurde nicht wie bei uns anhand der Luftkammergrösse bestimmt, sondern einfach nach der Menge Öl, die herausgekommen ist. Das ist zwar nicht optimal, weil die Honda ja nur auf einer Seite eine Feder hat und somit die Ölstände in den beiden Gabeln unterschiedlich sind, plus ist bei der einen Gabel ja einiges an Öl ausgelaufen, aber allemal besser, als mit einem undichten Simmerring weiterzufahren.

 

Ich bedanke mich beim Mechaniker für seine sorgfältige Arbeit mit einem guten Trinkgeld und begebe mich zurück zum Mitarbeitenden im Ausstellungsraum. Während ich auf die Rechnung warte, plaudern wir ein wenig. Dabei erfahre ich, dass er aus Belgien ist und schon lange im Kongo lebt. Der Inhaber der Garage ist ein Schweizer, der daneben auch als Konsul in Pointe-Noire tätig ist. Leider sei er zurzeit in Brazzaville. Ansonsten, meint er, hätte er sich sicherlich gefreut, mich kennenzulernen, da hier nicht viele Schweizer vorbeikämen. Als dann die Rechnung fertig ist, bekomme ich fast ein schlechtes Gewissen. Es kostet inklusive dem Gabel Öl knapp 20 Euro. Ich bedanke mich bei ihm mit dem Hinweis, dass ihr Service wirklich super sei und ich dankbar sei, dass sie mir so schnell und unkompliziert geholfen haben. Danach verabschiede ich mich und kämpfe mich durch den Verkehr und die üblen Strassenverhältnisse zurück zu meiner Unterkunft. Die Honda ist somit startklar und ich kann morgen weiterreisen. Darauf freue ich mich.

Ziemlich froh darüber, das schwüle Klima in Pointe-Noire verlassen zu können, verabschiede ich mich in meiner Unterkunft von den Mitarbeitenden. Zu meiner Überraschung tauchte gestern Abend noch der Inhaber des Guesthouses auf. Er stellte sich auf Deutsch vor und meinte, dass er seit über 20 Jahren in der Schweiz wohne, und zwar in Bülach, was nicht weit von Zürich entfernt liegt. Etwa vier Mal im Jahr komme er für einen Monat zurück in den Kongo, wo er ursprünglich aus Brazzaville stamme. Zufälle gibt es, die man manchmal kaum glauben kann.

 

Ein letztes Mal holpere ich durch die Quartierpisten zur Hauptstrasse und biege alsbald nach Osten zur Stadt hinaus ab. Bis ich jedoch die Stadtgrenze erreiche, warten noch einige üble Strassenabschnitte auf mich plus eine kurzfristige Strassensperrung, die mich dazu zwingt, eine Umfahrung über teils sandige Quartierstrassen zu nehmen. Zum Glück kann ich einem Moto-Taxi folgen, das ebenfalls bei der Strassensperrung gleich vor mir gestoppt wurde und mir ein Zeichen gibt, ihm nachzufahren. Ein paar Kilometer später bin ich zurück auf der manchmal kaum vorhandenen Hauptstrasse hinaus aus Pointe-Noire.

Normalerweise ist es in den afrikanischen Grossstädten so, dass die Strassen im Zentrum ziemlich gut sind und je weiter man in die Quartiere kommt, die Verhältnisse schlecht werden. Hier in Pointe-Noire ist es gerade umgekehrt. Je weiter ich aus der Stadt komme, desto besser wird die Strasse, und als ich das letzte Viertel verlassen habe, rolle ich auf einer perfekt geteerten Strasse in die grüne Hügelwelt hinein.

Ich habe davon gelesen, dass die Verkehrsachse zwischen Pointe-Noire bis nach Brazzaville und von dort hinauf bis nach Ouesso an der Grenze zu Kamerun in einem super Zustand sei. Gebaut wurde sie von den Chinesen, vermutlich gegen den Zugriff auf Bodenschätze im Land. Und was soll ich sagen, die Strasse ist wirklich einwandfrei, ohne jegliche Schlaglöcher oder andere Hindernisse. Ein richtiger Genuss bei der kurvenreichen Streckenführung durch den hügeligen Nationalpark Dimonika bis nach Dolisie, von wo die Strasse sogar zweispurig weitergeführt wird. Ausser einigen Lastwagen ist auch kaum Verkehr unterwegs. Ein Ausdruck dessen, dass die Menschen nur wenig besitzen. Das Verkehrsaufkommen in den Städten wird massgeblich von tausenden Taxis und Minibussen geprägt, die auf dem Land jedoch kaum vorhanden sind.

 

Die Stadt Dolisie umfahre ich, halte jedoch bei der Total-Tankstelle für Benzinnachschub an. Zwischen Pointe-Noire und Brazzaville sollte die Benzinversorgung gut sein. Je weiter nach Norden es geht, umso kritischer soll es jedoch werden. Ich fülle also besser nach, wann immer es geht. Zudem haben die Total-Tankstellen auch hier im Kongo jeweils einen kleinen Shop angehängt, wo ich Wassernachschub und ein paar Lebensmittel kaufen kann. Ja, es gibt sogar Joghurts und guten Kaffee. Kaum zu glauben.

 

Weitere hundert Kilometer später halte ich an der von mir herausgesuchten Unterkunft an und buche ein angenehm grosses und sauberes Zimmer für umgerechnet 20 Euro. Im angeschlossenen Restaurant kann ich gleich danach ein Nachtessen bestellen und drei Stunden später gibt es zwei leckere zubereite Fische mit Reis.

 

Nach dem Essen chatte ich ein wenig mit Martin, der mit einem Kollegen von Deutschland nach Kapstadt unterwegs ist. Martin und seine Frau, die jetzt auf der Afrikareise nicht mit dabei ist, habe ich bereits vor drei Jahren in Lima getroffen und danach nochmals in Quito in Ecuador. Als er mir letztes Jahr geschrieben hat, dass er diese Reise plant, haben wir natürlich gehofft, dass wir uns unterwegs treffen können, was jetzt der Fall sein wird. Sie sind heute von Kamerun her in den Kongo Brazzaville eingereist und fahren die gleiche Route wie ich in umgekehrter Richtung. Wo wir uns in den nächsten Tagen treffen werden, ist noch nicht klar, weil das Wetter, es ist ja Regenzeit, sehr unbeständig ist und sie schon zwei Mal von heftigen Gewittern überrascht wurden. Wir schreiben uns deshalb jeweils am Abend, wo wir sind und wie es mit der Weiterfahrt am Folgetag in etwa aussehen könnte.

 

Irgendwann in der Nacht weckt mich heftiger Regen, der auf das Dach plätschert. Aufkommender Donner verstärkt die Lärmkulisse. Lieber jetzt als tagsüber, wenn ich am Fahren bin, denke ich mir, und schlafe bald darauf wieder ein.

 

Am Morgen sieht es keinen Deut besser aus. Es regnet in Strömen, nur ohne das nächtliche Donnergrollen. Ich checke das Wetterradar, das gestern Abend noch keinen Regen angezeigt hat, und muss leider feststellen, dass eine riesige Regenfront über der Region hängt, die sich nur langsam verschiebt. Zudem reicht sie bis ins 300 Kilometer entfernte Brazzaville, wo ich eigentlich heute hinwollte. Ich entscheide, bis 10 Uhr zu warten und dann zu entscheiden, ob ich weiterfahre oder einen Pausentag einlege. Die Zeit bis dahin verbringe ich mit frühstücken aus meinem Proviant und etwas Lesen.

 

Als es dann 10 Uhr wird, sieht draussen alles noch unverändert aus, weshalb ich meine Weiterfahrt für heute aufgebe. Stattdessen gehe ich hinüber ins Gebäude des Inhabers und bezahle für eine weitere Nacht, was ihn natürlich freut. Zugleich bestelle ich gleich ein weiteres Nachtessen auf 17.00 Uhr. Heute gibt es, oh Wunder, Huhn mit Reis. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich dieses Gericht auf meiner Afrikareise bisher gegessen habe. Wer in Afrika reist und kein Huhn mag, wird des Öfteren hungern müssen. Mir geht es glücklicherweise nicht so.

 

Abends entscheide ich mich, meinen Besuch in Brazzaville zu streichen. Mein Hauptziel war es, dort mit meinem eVisa in der Botschaft von Kamerun mein im Pass geklebtes Visum abzuholen. Man kann zwar an etlichen Grenzen nur mit dem eVisa ein- und ausreisen, jedoch nicht an dem Grenzposten, den ich vermutlich für die Weiterreise nach Nigeria nutzen werde. Da morgen Freitag ist und ich nicht rechtzeitig in Brazzaville ankommen würde, um noch in die Botschaft gehen zu können, müsste ich mindestens bis Montag in der Stadt bleiben, was mir zu lange ist. Ich werde deshalb mein Glück im Konsulat in Ouesso versuchen und morgen gleich weiter in Richtung Norden fahren. Mit Martin verbleibe ich so, dass wir uns morgen in der von uns herausgesuchten Unterkunft treffen, mit dem Wissen, dass uns jederzeit das Wetter einen Strich durch die Fahrt dahin machen kann.

Die Strecke zur ausgemachten Unterkunft beläuft sich auf knapp 400 km. Bei den guten Straßenverhältnissen und wenig Verkehr ist das eigentlich kein Problem. Nur eben, ich bin in Afrika, und da weiß man nie, was nach der nächsten Kurve los ist.

 

Ich starte früh, damit ich bei der nächsten Total-Tankstelle nach etwa 100 km eine Frühstückspause einlegen kann. Das funktioniert bestens, und ich erreiche sie nach 1 ½ Stunden. Auch hier gibt es gekühlte Joghurts, Biskuits, feinen Kaffee und sogar einen kleinen Platz, wo ich draußen sitzen kann. Beim letzten Stopp war dies auch so, was dazu führte, dass ich innerhalb von Minuten von Bananenverkäuferinnen und Jugendlichen umringt war, die alle entweder Geld oder etwas zu essen wollten. Jetzt ist das nicht der Fall, vermutlich wegen der frühen Uhrzeit.

 

Frisch gestärkt fahre ich weiter. Die Strecke führt abwechslungsreich durch eine grüne Hügel- und Berglandschaft. Zeitweise befinde ich mich auf fast 1 000 Meter Höhe, was den Fahrtwind merklich abkühlt und eine Wohltat ist. Das Wetter bleibt hingegen unbeständig. Grau dominiert, und es ist nie klar, ob es gleich anfängt zu regnen.

 

Nach dreiviertel der Strecke gelange ich auf die Nord-Süd-Route durch das Land. In Richtung Süden liegt am Ende der Strasse die Hauptstadt Brazzaville, 50 km von hier, in Richtung Norden geht es bis nach Quesso, etwa 800 km entfernt. Zur ausgemachten Unterkunft sind es noch etwas mehr als 100 km und ich bin guter Dinge, dass ich es ohne Regen schaffe. Die Straßenbeschaffenheit ist ab hier nicht mehr so perfekt wie zuvor, aber ich kann trotzdem mit angenehmem Tempo weiterfahren.

 

Kurz vor dem Ziel holt mich die Regenzeit dann doch noch ein und es beginnt innerhalb von Minuten heftig zu regnen, begleitet von unzähligen Blitzen und Donnern. Gleich mehrere Gewitter ziehen umher. Und wie könnte es anders sein, ich bin mitten im Niemandsland. Trotzdem entscheide ich mich, stehenzubleiben, und stelle mich unter einen grossen Busch am Straßenrand. Kürzlich habe ich gelesen, dass ein Motorradfahrer auf einer Fernreise durch Blitzschlag getötet wurde. Der Baum ist zwar keine gute Lösung, aber immer noch besser, als den Gewittern im offenen Gelände ausgesetzt zu sein. Zum Glück dauert der Spuk nicht allzu lange und nach ungefähr 30 Minuten hat sich alles verzogen, sodass ich weiterfahren kann.

 

Die kleine Ortschaft mit der Unterkunft liegt in einem Tal neben einem Fluss. Das heißt für mich, es geht einige Höhenmeter hinunter, was nach dem heftigen Regen schwierig ist, weil hier eine Baustelle liegt und der Regen viel Dreck und Schlamm auf die Fahrbahn gespült hat. An manchen Stellen rutsche ich mehr hinunter, als dass ich rolle, was alles andere als angenehm ist. Unten angekommen bin ich froh, dass ich das ohne Sturz überstanden habe.

 

Die Unterkunft erweist sich so, wie ich darüber gelesen habe, nämlich als ziemlich neu und sauber. Die Matratze ist jedoch von der billigsten Sorte. Als ich mich daraufsetze, drückt sie gleich durch, und ich sitze gefühlt auf dem Bettrost.

Martin hat mir zwischenzeitlich geschrieben, dass sie es nicht schaffen werden. Die Gewitterfront hat sie in einer Ortschaft etwa 140 km von hier stranden lassen. Nach ein paar Nachrichten hin und her vereinbaren wir, dass ich morgen zu ihnen komme, weil es hier weder in meiner Unterkunft noch im kleinen Dorf ein Restaurant gibt. Sie sind dort besser versorgt und schicken mir ein Foto von einem Teller Spaghetti. Na super. Ich muss mich mit ein paar Keksen und Babybrei aus Weizen aus dem kleinen Laden im Dorf begnügen, der von zwei Mauretaniern geführt wird. Sie freuen sich sichtlich über meinen Besuch und fangen sofort an, mit mir zu reden. Sie sprechen sogar etwas Englisch. Auf meine Frage, warum sie von Mauretanien in den fernen Kongo umgesiedelt sind, bekomme ich lediglich ein Achselzucken als Antwort, als ob sie es selbst nicht mehr wüssten.

 

Wieder draußen suche ich nach einem Stand, der Bananen verkauft, was es hier jedoch nicht gibt. Dabei komme ich an einem Grill vorbei, an dem der Verkäufer etliche Fleischspieße zubereitet. Ich frage ihn, welches Fleisch es sei, worauf er antwortet: Buschfleisch. Darauf verzichte ich dann doch lieber.

Beim Packen beginnt es bereits wieder heftig zu regnen. Ich warte einmal mehr geduldig, bis der Regen nachlässt. Kaum ist das Gepäck auf der Honda verstaut, kommt erneut Feuchtigkeit vom Himmel. Auf dem Wetterradar der App ist davon nichts zu sehen, was die Natur jedoch nicht davon abhält, weiter zu regnen.

 

Nach einer weiteren Stunde lichtet sich der verhangene Himmel endlich und ich kann losfahren. Mein erster Stopp ist die Total-Tankstelle auf halber Strecke bis zur Unterkunft von Martin und Kersten. Als ich in die Einfahrt einbiege, komme ich sofort ins Staunen. Da stehen an die zehn Motorräder mit deutschen Kennzeichen um die Zapfsäule herum. Auch sie werden auf mich aufmerksam und wir kommen sofort ins Gespräch. Das dauert jedoch nicht lange, weil sie gleich weiter müssen. Sie sind auf einer geführten Reise von Deutschland nach Kapstadt, die lediglich zwei Monate dauert, was bedeutet, dass sie in drei Wochen in Kapstadt sein müssen. Das wirkt eher wie ein Wettbewerb als wie eine Reise. Trotzdem war es schön, ein paar andere Motorradfahrende zu treffen.

 

Nach dem Tanken genehmige ich mir erneut ein kleines Frühstück im Tankstellenshop. Als ich mich draußen in den Schatten setze, fährt ein Auto vor, und ein jüngerer weißer Mann steigt aus. Als er mich sieht, kommt er herüber und stellt sich als Massimo aus Italien vor. Er erzählt mir, dass er für eine Telekomfirma arbeitet und für vier Monate hier im Kongo im Einsatz ist. Nachdem er im Shop ein paar Flaschen Wasser gekauft hat, verabschiedet er sich und fährt weiter. Kurz darauf bekomme ich erneut Gesellschaft, diesmal von einem Mitarbeiter der Total-Tankstelle. Er spricht gut Englisch und fragt mich, was mich hierher bringt. Ich erzähle ihm von meiner Reise und frage ihn nach seiner Aufgabe. Es stellt sich heraus, dass er als Vertreter der Firma regelmäßig alle Total-Tankstellen im Land besucht und kontrolliert, ob alles richtig läuft. Das kommt mir gelegen, und ich frage ihn, ob es weiter im Norden an ihren Tankstellen Benzin gibt, was er bejaht. Ich hoffe, dass das auch stimmt. Jedenfalls heute habe ich hier Nachschub bekommen.

 

Wieder auf der Honda verläuft die Fahrt bis zu ihrer Unterkunft problemlos und trocken. Als ich auf den Innenhof des Guesthouses fahre, treffe ich gleich auf Martin. Es ist schön, ihn nach so langer Zeit wiederzusehen. Kersten ist ebenfalls nicht weit und kommt kurz darauf zu uns. Danach tauschen wir uns den ganzen Nachmittag aus und geben uns gegenseitig Tipps für die kommenden Streckenabschnitte.

 

Gegen Abend entscheiden wir uns, in ein etwas außerhalb gelegenes Luxusresort zu fahren, um zu sehen, ob wir dort im Restaurant etwas Gutes zu essen bekommen. Die beiden hatten gestern bereits hier gegessen und gehen davon aus, dass wir wohl wieder das gleiche Menü bekommen würden.

 

Auf der iOverlander-App ist das Resort aufgeführt, mit dem Hinweis, dass das Essen sehr gut und nicht besonders teuer sei. Der frühere Inhaber sei zudem ein Deutscher, der hier seit langem lebt. Wir bestellen drei Moto-Taxis, die uns in hohem Tempo zur etwa fünf Kilometer entfernten Lodge direkt am N’Keni-Fluss bringen. Wir sind froh, heil angekommen zu sein, und werden sofort von einer Mitarbeiterin begrüßt und ins Restaurant geführt. Als wir die Menükarte erhalten, sind wir positiv von den Preisen überrascht. Sie liegen nur etwa ein Drittel über dem, was ich bisher im Durchschnitt für eine Mahlzeit bezahlt habe.

 

Wir bestellen unser Essen und fragen, ob der Inhaber wirklich aus Deutschland kommt und ob er hier ist. Der Mitarbeiter schüttelt den Kopf und erwidert in gutem Englisch, dass der frühere Besitzer die Lodge vor einiger Zeit verkauft und verlassen habe. Der jetzige Inhaber komme aus Mauritius. Kurz darauf steht dieser vor uns, begrüßt uns freundlich und wünscht uns einen guten Appetit. Das Essen schmeckt ausgezeichnet, und wir sind froh, den Weg hierher unternommen zu haben.

 

Bevor wir für die Rückfahrt wieder auf die Motorräder von drei anderen Moto-Taxi-Fahrer steigen, sage ich ihnen, sie sollen langsamer fahren als gewohnt. Wir wollen schliesslich nicht wegen ihrer Fahrweise auf der Straße landen. Zurück im Guesthouse vereinbaren wir, am nächsten Morgen noch gemeinsam zu frühstücken, bevor sich unsere Wege wieder trennen.

Martin bereitet mit seinem Kocher heisses Wasser auf und wir können Kaffee zum Frühstück trinken. Dazu knabbern wir Snacks aus unseren Essensvorräten. Natürlich sitzen wir länger am Morgentisch als üblich und tauschen uns weiter aus. Danach bepacken wir unsere Motorräder und brausen gegen 10.00 Uhr zusammen bis zur Hauptstrasse los, wo wir unsere Reise in die entgegengesetzte Richtung fortsetzen. Es hat Spass gemacht, die beiden zu treffen, und ich wünsche ihnen alles Gute für ihre weitere Fahrt durch Afrika. Bis bald irgendwo anders auf dieser Welt.

 

Mein Ziel von heute ist einmal mehr, den Äquator zu überqueren. Das ist dann zusammen mit den drei Überquerungen in Uganda und einer in Kenia meine fünfte und jetzt letzte Überquerung in Afrika.

 

Etwa 100 km vor dem Ziel sollte es eine Total-Tankstelle geben, wo ich meine Reserven auffüllen muss, damit ich Quesso, die nördlichste Stadt des Kongo-Brazzaville an der Grenze zu Kamerun, erreichen kann. Ich hoffe, das funktioniert.

 

Je nördlicher ich komme, desto weniger Verkehr hat es. Personenwagen waren schon im Süden kaum vorhanden und jetzt sehe ich vielleicht alle Stunde einmal einen. LKW werden ebenfalls rarer, was meine Fahrt sehr entspannt gestaltet, zumal die Strasse weiterhin in einem super Zustand ist.

 

Als ich so dahingleite, überholt mich eines der wenigen Personenautos. Als es vorbei ist, winken sowohl der Fahrer als auch der Beifahrer aus dem Fenster und geben mir Zeichen anzuhalten. Ich blinke mit dem Aufblendlicht zurück und reduziere mein Tempo, bis ich neben dem Beifahrer anhalten kann. Den Motor lasse ich aus Sicherheitsgründen laufen und der erste Gang bleibt eingelegt. Ein arabisch aussehender Mann schaut mich aus dem Beifahrerfenster an und begrüsst mich freundlich. Er reicht mir zwei Baguettes rüber und meint, die seien für mich als Begrüssung im Kongo. Danach fragt er mich, woher ich komme und wohin ich fahre. Es stellt sich heraus, dass er wie die Shop Besitzer vor ein paar Tagen ursprünglich aus Mauretanien kommt. Irgendwie scheint es zwischen diesen beiden Ländern eine Verbindung zu geben, die dazu führt, dass Menschen aus Mauretanien hierherkommen. Ich bin gespannt, ob ich in Mauretanien auch Leute aus dem Kongo treffe. Die nette Geste der beiden Autofahrer weiss ich zu schätzen und bedanke mich herzlich. Kurz darauf brausen sie schon wieder davon. Ich muss dagegen einen Platz in meinem Gepäck suchen, wo ich die zwei langen Baguettes verstauen kann.

Ja und dann kommt die Stadt Oyo, die so gar nicht ins Bild des Kongo Brazzavilles passt. Es wimmelt von modernen Gebäuden, Villen und teuren Hotels. Dies, weil der Präsident des Landes hier oft in seiner Residenz wohnt. Surreal inmitten des Kongos, wo die Mehrheit der Menschen in sehr einfachen Verhältnissen leben.

 

Einige Zeit später gelange ich zur Total-Tankstelle, die heute leider kein Benzin hat. Auf meine Frage hin, wann sie Nachschub bekommen, zuckt der Mitarbeiter nur mit den Schultern. Er verweist mich auf den Strassenladen auf der gegenüberliegenden Seite, wo Benzin aus der Flasche angeboten wird. Diese Art zu tanken, möchte ich, wenn immer möglich vermeiden. Ich entscheide mich deshalb weiterzufahren und dann in der Unterkunft nachzufragen, ob es in deren Ortschaft irgendwo Benzin gibt. Bis dahin reicht mein Tankinhalt noch locker.

 

Am späteren Nachmittag erreiche ich mein Ziel, die Kleinstadt Makoua, durch die der Äquator verläuft. Auch hier gibt es ein Monument dafür, welches verlassen abseits der Hauptstrasse steht. Man merkt sofort, dass dies überhaupt nicht touristisch genutzt wird. Niemand ist hier und ich kann in Ruhe ein paar Fotos machen. Kaum zu glauben.

 

Anschliessend suche ich die von Martin und Kersten empfohlene Unterkunft und bekomme ein Zimmer. Zwar ohne Aircondition, diese Zimmer sind alle belegt, dafür mit einem Ventilator, der mich fast aus dem Bett bläst.

 

Als Erstes frage ich den Inhaber, ob er wisse, wo ich Benzin kaufen kann. Er schaut mich etwas ungläubig an und meint, er wisse das nicht. Als ich dann frage, wo sie im Dorf Benzin für ihre Motorräder und Autos kaufen, meint er, entweder über die Tankstelle, die aber seit Längerem geschlossen sei, oder bei den Strassenständen. Nun gut, ich merke, dass ich von ihm keine grosse Hilfe zu erwarten habe, und entschliesse mich, wohl oder übel sechs Liter von einem der Strassenstände zu kaufen. Dazu nehme ich meine Benzinblase mit und gehe zum erstbesten Shop, der über abgefüllte Ein-Liter-Flaschen Benzin anbietet. Der Liter ist mit CFA 1’000 fast ein Drittel teurer als an der Tankstelle, aber wenigstens sieht es so aus, als ob sie kein Wasser beigemischt haben. Einerseits würde ich das in der Flasche sehen, Wasser sondert sich vom Benzin ab, wenn die Flasche herumsteht, plus verdunstet das Benzin schnell, als ich den Finger etwas damit befeuchte. Keine Garantie, aber wählen kann ich ja nicht. Nach dem Einfüllen in den Tank sehe ich dann aber, dass ziemlich viel Dreck im Benzin ist. Zum Glück hat bereits der Einfüllstutzen der Benzinblase ein feines Sieb und hält dadurch einiges zurück. Zudem ist der von mir installierte Benzinfilter beim Einfüllstutzen ebenfalls so fein, dass er alles andere herausfiltert, als ich ihn herausziehe. Nun hoffe ich, dass nicht mehr allzu viel im Tank gelandet ist und wenn doch, dass der Benzinfilter bei der Benzinpumpe den Rest auffängt.

 

Beim Reinfahren in die Unterkunft habe ich einen grossen Jeep mit Kennzeichen aus Namibia gesehen. Als ich jetzt den Tank auffülle, kommt ein jüngerer Mann zu mir rüber. Es sieht so aus, als ob er gerade vom Joggen zurückgekommen ist. Er stellt sich auf Deutsch vor, da er mein Kennzeichen gesehen hat. Er ist Zimmermann, kommt aus Deutschland und ist auf Wanderschaft. Die letzten paar Monate hat er in Namibia bei einem deutschen Bauhandwerksbetrieb gearbeitet. Dabei hat er einen deutschen Bauingenieur kennengelernt, mit dem er jetzt etwas herumreist. Die Freundin des Bauingenieurs kommt zudem aus der Schweiz. Es dauert nicht lange und wir sind alle zusammen im Gespräch und vereinbaren, zusammen im nahegelegenen Restaurant Abend zu essen. Dazu trägt der sich auf Wanderschaft befindende Zimmermann seine Tracht. Schön, dass er sogar im tiefen Afrika darauf achtet, der Tradition gerecht zu werden, auch wenn das hier in Afrika niemanden interessiert.

Zum Frühstück gibt es heute wieder Weizenbrei, den ich gestern im Shop auf der anderen Strassenseite gekauft habe. Im Kongo wird man seitens der Guesthouses nicht überall mit Essen versorgt, was besonders das Frühstücken manchmal schwierig gestaltet.

 

Kurz vor acht Uhr starte ich den Motor und hoffe, dass mich das Flaschenbenzin ohne Probleme bis in die 250 km entfernte Stadt Quesso bringt, die sich am Sangha-Fluss befindet, wo gegenüber bereits Kamerun liegt.

 

Der Honda-Motor brummt auch nach etlichen Kilometern ruhig dahin, was mich etwas beruhigt. Ausser dem Dreck scheint das Flaschenbenzin nicht gepanscht zu sein.

 

Nach einer Stunde Fahrt erreiche ich die Grenze zum Odzala-Kokoua-Nationalpark. In diesem leben unter anderem Gorillas und Waldelefanten. Der Zutritt zum Park erfolgt über eine Lodge, die sieben Kilometer von der Hauptstrasse entfernt im Nationalpark liegt. Leider ist der Preis für eine Übernachtung mit USD 400.00 masslos übertrieben. Zumal dies nur die Unterkunft und Mahlzeiten beinhaltet. Wenn man mit einem Ranger auf die Pirsch gehen will, kostet das nochmals zusätzlich. Die drei von gestern waren für zwei Tage in der Lodge und meinten, dass der Service alles andere als gut sei und der horrende Betrag in keiner Weise gerechtfertigt ist. Ich hoffe jetzt, dass ich auf der etwa 50 km langen Strecke entlang des Nationalparks vielleicht auch so einige Tiere zu Gesicht bekomme.

 

Ich drossle mein Tempo und tuckere langsam dahin. Ohne Verkehr ist dies problemlos machbar. Beim Gate zum Nationalpark halte ich kurz an. Das sieht ziemlich verlottert aus und wüsste ich nicht, dass es hier zur Lodge gehen würde, wäre ich überzeugt, dass dieses Gate ausgedient hat. Tiere zeigen sich mir heute überhaupt keine, obwohl ich teilweise an frischem Elefanten-Dung vorbeifahre. In diesem dichten Dschungel ist es jedoch unmöglich, einen der Dickhäuter zu erspähen, ausser er befindet sich auf der Strasse. Wenigstens sehe ich bei einem meiner Stopps einige schöne Blumen.

 

Quesso erreiche ich am frühen Nachmittag und steuere als Erstes die Total-Tankstelle an. Schon von weitem sehe ich, dass keine Autos oder Motorräder dort stehen, was ein klares Signal ist, dass es wohl kein Benzin gibt. Das bewahrheitet sich kurz darauf, als ich bei der Zapfsäule halte und aus dem Schatten einer der Mitarbeiter auf mich zukommt und ruft, dass sie kein Benzin haben. Auf meine Frage hin, ob es morgen eventuell welches hat, meint er, dass sie heute Abend eine Lieferung bekommen. Nun gut, dann werde ich morgen nochmals mein Glück versuchen, Ich plane sowieso für zwei Tage im Ort zu bleiben. Ohne Benzin kann ich sowieso nicht weiterfahren, weil es zur Grenze nach Kamerun an die 350 km sind und es auf der kamerunischen Seite auch nicht garantiert ist, dass die dortige Tankstelle Flüssiges für den Motor hat. Wenn ich Pech habe, muss ich von dort nochmals an die 200 km fahren, bis die erste grössere Ortschaft in Kamerun kommt, wo dann der Benzinnachschub wieder klappt.

 

Ich steuere die von mir herausgesuchte Unterkunft an und bekomme ohne Probleme einen Bungalow mit angenehm grossem Zimmer. Die Anlage liegt am Ortsrand etwas abseits der Strasse und soll bei NGO beliebt sein, weshalb sie öfters ausgebucht ist.  Ich buche für zwei Nächte und begebe mich nach einer längeren Pause ins angegliederte Restaurant, wo ich Huhn mit Reis bestellen kann. Danach entfliehe ich der drückenden hohen Luftfeuchtigkeit und verkrieche mich in den von der Klimaanlage angenehm heruntergekühlten Bungalow.

Tags darauf bestelle ich mir als Erstes ein Frühstück und beginne, diesen Reisebericht zu schreiben. Nachmittags unterbreche ich und fahre zur Total-Tankstelle, wo ich mehr Glück als gestern habe. Ich kann den Tank füllen und bekomme noch weitere vier Liter, die ich in meine Benzinblase fliessen lasse. Jetzt bin ich gut versorgt, um über die Grenze nach Kamerun und dort in die nächste Stadt zu fahren.

 

Danach rolle ich zum Sangha-Fluss, wo es gemäss iOverlander ein Restaurant mit gutem Essen gäbe. Dieses finde ich auf Anhieb und bestelle mir zur Abwechslung einen Teller Spaghetti mit Tomatensauce. Und da auf der Theke eine echte Nespresso-Kapselmaschine steht, bekomme ich zum Dessert einen leckeren doppelten Espresso. Wieder zurück in der Anlage buche ich eine weitere Nacht und widme mich danach wieder diesem Reisebericht.

 

Den heutigen letzten Tag im Kongo nutze ich für die Routenplanung der nächsten Tage durch Kamerun. Zudem muss ich die vorderen Bremsbeläge wechseln. Das auslaufende Gabel Öl hat diesen stark zugesetzt, weshalb die Bremsleistung markant schlechter ist. Ich habe zwar gehofft, dass sie nach ein paar Tagen im Gebrauch wieder mehr Biss bekommen, was leider nicht der Fall ist.

 

Des Weiteren benötige ich immer noch den Visa-Sticker für Kamerun in meinem Pass. Hier in Quesso gibt es ein Konsulat von Kamerun, das nicht weit von meiner Unterkunft entfernt ist. Nach dem Frühstück laufe ich als Erstes dorthin und freue mich, als ich sehe, dass das Konsulat immer noch existiert. Die Türe ist jedoch verschlossen. Gerade als ich es bei dem zweiten Tor versuchen will, kommt eine modern gekleidete junge Frau auf extrem hohen Absatzschuhen um die Ecke. Zusammen mit ihren wehenden langen Lockenhaaren und dem stark geschminkten Gesicht passt sie so gar nicht in diese Umgebung, die geprägt ist von Lehmstrassen, die zwischen Wellblechhäuschen hindurchführen. Als sie mich sieht, fragt sie, ob ich ins Konsulat wolle, was ich bejahe. Daraufhin gibt sie mir ein Handzeichen, dass ich ihr folgen soll. Wir gehen durch das von mir angesteuerte Tor, wo dahinter ein Sicherheitsbeamter steht. Er fragt, was ich will, und lässt mich ohne Weiteres durch, als ich ihm erklärt habe, dass ich meinen Visa-Sticker abholen möchte.

 

Drinnen im Konsulat ist niemand. Die junge Frau ruft mir aber zu, ich solle Platz nehmen, es werde jemand kommen, was nach einigen Minuten auch der Fall ist. Auch dieser Person erkläre ich, was ich möchte. Er will dann meinen Pass und das eVisa und erwidert, dass ich hier warten soll. Eine Viertelstunde später kommt er zurück und fordert mich auf, ihm zu folgen. Wir gehen in den oberen Stock, wo er ein Foto von mir macht und ich meine Fingerabdrücke elektronisch erfassen lassen muss. Danach druckt ein moderner Drucker den Visa-Sticker aus mit exakt den gleichen Angaben, die auf meinem eVisa stehen. Diesen klebt der Mann in meinen Pass und nach ein paar Unterschriften auf seinem Papierkram bekomme ich meinen Pass zurück mit dem Visa-Sticker darin. Wieder eine dieser angenehmen Überraschungen, wie manche Dinge in Afrika unkompliziert ablaufen, trotz der für unser Verständnis allgemein chaotischen Zustände.

 

Den Rest des Tages verbringe ich damit, mir eine Route durch Nigeria zu suchen, mit der ich das Land in einigen Tagen durchqueren kann. Die Sicherheitslage im Land animiert mich nicht dazu, allzu lange zu bleiben. Ich konzentriere mich lieber auf die danach kommenden Länder.

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Zurück im Kongo Brazzaville“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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