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Weihnachten in der angolanischen Enklave Cabinda

Weihnachten in der angolanischen Enklave Cabinda

26.12.2025 routen >> afrika hautnah

Während des Frühstücks zeigt mein Handy den Eingang einer WhatsApp-Nachricht an. Es ist Miguel mit der Info, dass mein Flug bereits morgen Sonntag ist und nicht erst am Montag. Als Beilage schickt er auch gleich die Boardingkarte und die Information, dass er mich morgen um 13.00 Uhr im Guesthouse abholt und zum Flughafen fährt. Schon fast etwas unheimlich, wie problemlos und zuverlässig das alles läuft.

 

Tags darauf checke ich frühzeitig aus dem Guesthouse aus und warte ab 13.00 Uhr im Schatten vor dem Guesthouse auf Miguel. Irgendwann trudelt eine Nachricht von ihm ein, dass er sich verspätet, aber genügend Zeit für den Transfer vorhanden sei. Ich quittiere das mit einem Danke und schaue auf der Karte nach, wo der Flughafen liegt. Das sind lediglich sieben Kilometer dahin. Also alles im grünen Bereich. Mein Flug geht erst um 16.30 Uhr.

 

Dreiviertelstunden später höre ich den kraftvollen Motor des F450 von weitem und kurz darauf biegt Miguel auf den Parkplatz ein. Wir begrüssen uns und brausen gleich los. Wir reden ein wenig und dabei erwähnt er, dass wir etwas spät dran sind, weil der Flughafen 50 km weit weg liegt. Ich schaue ihn etwas ungläubig an und erwähne, dass gemäss der Karte es lediglich ein paar Kilometer seien. Er lacht und meint, das sei der alte Flughafen. Vor ein paar Monaten ist der neue in Betrieb gegangen und der liegt weit draussen. Zeitgleich drückt er immer dann aufs Gaspedal, wenn es eine Möglichkeit gibt, schnell zu fahren.

 

Gegen 14.45 Uhr erreichen wir den nagelneuen Flughafen. Parkplätze hat es in Hülle und Fülle und wir können direkt beim Eingang parkieren. Er begleitet mich bis zum Check-in, wo ebenfalls kaum Leute sind. Kaum dort angekommen, bricht eine Hektik aus, die ich nicht nachvollziehen kann. Die Check-in-Mitarbeiterin schaut gestresst auf meinen Pass und gibt mir die Boardingkarte. Danach verschwindet mein eingechecktes Gepäckstück auf dem Band zur Verladestation. Miguel ist ebenfalls gestresst und meint, ich müsse mich beeilen. Dabei nimmt er meine Boardingkarte und öffnet damit die Schranke zu den Gates. Ich muss deshalb schnell hindurch und habe gar keine Zeit, mich richtig von ihm zu verabschieden, weil er ruft, ich müsse mich beeilen.

 

Auf dem Weg zum Gate schaue ich die Boardingkarte genauer an. Eventuell bin ich jetzt auf einem früheren Flug, weshalb plötzlich diese Eile ausgebrochen ist. Davon ist auf der Boardingkarte jedoch nichts zu erkennen. Abflugzeit ist weiterhin 16.30 Uhr und jetzt ist es 15.00 Uhr. Ich beeile mich trotzdem weiter, um am Gate herauszufinden, was Sache ist. Bei der Sicherheitskontrolle ist zum Glück auch nichts los. Jedoch verweigert mir der Mitarbeiter den Helm und meint, der gehöre ins Check-in-Gepäck. Ich erwidere, dass dies nicht mehr möglich sei, da dieses bereits eingecheckt sei. Er nickt und meint, er müsse seinen Chef anrufen und nachfragen. Das dauert einige Minuten. Danach bekomme ich das OK und kann den Helm durch die Sicherheitskontrolle mitnehmen.

 

Der Flughafen ist riesig und ich brauche über zehn Minuten, bis ich das Abfluggate erreiche. Am Schalter hängen drei Mitarbeitende herum, die ich anspreche und frage, ob mein Flug schon an der Reihe sei. Alle verneinen und meinen, ich solle mich weiter hinten in der Halle hinsetzen. Es werde noch länger gehen, weil der vorherige Flug nach Cabinda immer noch hier sei und es Verspätungen geben werde. So kommt es dann auch und mein Flug hat eineinhalb Stunden Verspätung. Die Hektik beim Check-in war also völlig überflüssig. Wie auch immer, ich bin froh, im Flugzeug zu sitzen und nach Cabinda zu kommen. Der Flieger ist gleiche Typ, wie den ich in Kenia von Nairobi nach Lamu Island genommen habe. Ich hoffe natürlich, dass er wie der andere Flieger den Flug gut übersteht.

 

Eine Stunde später landen wir sicher in Cabinda. In der Ankunftshalle müssen sich alle bei der Polizei registrieren lassen. Die Behörden wollen wissen, wer in die Enklave ein- und ausreist. Danach kommt schon bald mein Gepäckstück und ich gehe zum Ausgang, um mir ein Taxi ins nahe Hotel zu nehmen. Daraus wird jedoch nichts, weil es keine Taxis gibt. Als ich mittels der Yango-App, ähnlich wie Uber, die in Luanda gut funktioniert hat, ein Taxi bestellen will, bekomme ich die Meldung, dass dieser Dienst in Cabinda nicht angeboten wird. Na super, wie komme ich jetzt ins Hotel?

 

Ich gehe zurück in die Ankunftshalle und frage einen herumstehenden Mitarbeiter, wo ich ein Taxi bekommen kann. Er schüttelt den Kopf und meint, das wisse er nicht. Manchmal kämen ein paar zum Flughafen, manchmal nicht. Eine komische Sache, ein Flughafen ohne Taxiservice. Das zeigt wohl klar, dass Tourismus in dieser Enklave inexistent ist. Alle anderen Passagiere meines Fluges werden abgeholt, nur eben ich nicht.

 

Ich schaue mich etwas um und sehe auf einer Bank einen asiatisch aussehenden Mann. In der Hoffnung, dass er vielleicht auch ein Tourist ist, spreche ich ihn an. Er spricht gut Englisch und meint, dass er eigentlich hätte abfliegen sollen, sein Flug aber storniert wurde. Er zeigt zudem auf einen Mann in der Nähe und meint, das sei sein Agent, der für ihn alles organisiert. Ich solle ihn wegen eines Taxis fragen. Das mache ich auch und zum Glück spricht der Agent ganz gut Englisch. Viel bringt es mir jedoch nicht, weil auch er meint, dass es kaum Taxis gebe und diese, wenn überhaupt, per Telefon bestellt würden. Er habe im Moment jedoch keine Telefonnummer eines Taxidienstes. Schöner Mist.

 

Ich setze mich zu meinem Gesprächspartner aus Asien und frage ihn, ob er jetzt wieder zurück in die Stadt fahre. Bevor er antworten kann, steht sein Agent vor uns und fragt mich, in welches Hotel ich möchte. Ich zeige es ihm auf Google Maps, worauf er meint, dort müssten sie ebenfalls hin, weil es heute Abend keine Flüge mehr geben werde, und ich könne mitfahren. Ich bedanke mich und bin froh, vom Flughafen wegzukommen, zumal es bereits dunkel ist.

 

Die Fahrt ins Hotel dauert etwa eine Viertelstunde, der Flughafen liegt mitten in der kleinen Stadt. Mein per WhatsApp reserviertes Zimmer bekomme ich anstandslos, mit der Information, dass das Restaurant nur noch eine Stunde geöffnet sei, falls ich etwas essen möchte. Ich stelle deshalb mein Gepäck kurz im Zimmer ab und gehe gleich hinüber ins Restaurant, wo auch schon der Mann sitzt, dem ich die Fahrt zum Hotel zu verdanken habe. Er heisst Ed und kommt aus den Philippinen. Er arbeitet draussen auf den riesigen Ölfeldern auf einem Schiff, das die Ölpipelines im Wasser nach Lecks absucht. Er ist bereits seit 2023 in den Gewässern von Cabinda tätig, jeweils für drei bis vier Monate. Interessant zu hören, was es für Berufe gibt, von denen wir in der Schweiz kaum etwas wissen, weil wir keinen Meerzugang haben. Er erzählt mir auch, dass sein Flug heute Morgen um 11.00 Uhr hätte starten sollen, aber wegen technischer Probleme storniert wurde. Danach seien sie zurück ins Hotel gefahren, um dann um 15.00 Uhr erneut zum Flughafen zu gehen, um den Flug um 17.00 Uhr zu erreichen. Doch auch dieser sei verspätet gewesen und er habe keinen Sitzplatz mehr bekommen. Nun hofft er, dass er morgen hier wegkommt, da sein Flug von Luanda zurück auf die Philippinen übermorgen ist. Wenn ich das höre, dann kann ich ja von Glück reden, dass mein Flug lediglich Verspätung hatte und ich aus Luanda weggekommen bin.

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Mein Motorrad sollte gemäss Miguel am 24.12.2025 in Cabinda ankommen, was in drei Tagen ist. Ich verlängere deshalb meinen Aufenthalt im Hotel bis zum 26.12.2025. Am 25.12. wird in Angola, und vermutlich auch im kleinen Kongo, Weihnachten gefeiert, was ein schlechter Tag wäre, um über die Grenze nach Pointe-Noire im Kongo Brazzaville zu reisen.

 

Beim Frühstück treffe ich erneut auf Ed, der guter Hoffnung ist, dass er gegen Mittag in das Flugzeug nach Luanda steigt. Den Rest des Morgens relaxe ich. Gegen Mittag mache ich mich auf eine kleine Tour durch die Stadt auf. Die heissen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent halten mich jedoch davon ab, einen allzu grossen Spaziergang zu machen.

 

Einen abkühlenden Zwischenstopp lege ich in einer mit Aircondition ausgestatteten Bäckerei ein, die neben feinen Natas auch guten Cappuccino serviert. Das lasse ich mir nicht entgehen. Anschliessend laufe ich zum Supermarkt, um etwas Proviant für zwischendurch zu kaufen. Der Laden ist riesig und gut gefüllt mit Besuchern. Die Preise in Luanda waren in den Supermärkten schon hoch. Hier sind sie fast auf dem Niveau von zu Hause, weil alles aus Luanda angeliefert werden muss. Trotzdem kaufen die Leute viel ein, was an den Kassen zu langen Schlangen führt.

 

Cabinda ist die erste Stadt in Angola, die einigermassen aufgeräumt aussieht. Es liegt nur wenig Müll auf den Strassen, es gibt keine Menschen, die auf der Strasse übernachten, jedenfalls nicht in dem Quartier, wo ich mich bewege und ich werde von niemandem angebettelt. Hinzu kommen die vielen Einheimischen, die im Supermarkt trotz hoher Preise viel einkaufen. Es scheint so, als ob die Bevölkerung von Cabinda grundsätzlich vom vielen Geld aus dem Ölgeschäft mitprofitiert, respektive dass dadurch viele Jobs entstehen, durch die gutes Geld verdient werden kann. Das überrascht mich positiv, habe ich doch eher damit gerechnet, dass Cabinda ähnlich wie Luanda nur für einige wenige erschwinglich ist und der Hauptteil der Bevölkerung kaum über die Runden kommt.

 

Beim Abendessen treffe ich erneut auf Ed, der etwas konsterniert dreinschaut. Sein Flug sei zwar mit Verspätung abgeflogen, jedoch habe es Probleme mit der Reservierung seines Sitzplatzes gegeben. Der Agent der Firma, für die Ed arbeitet, hat wohl einen Fehler gemacht. Ausbaden darf es nun Ed, der immer noch hier in Cabinda ist.

Die nächsten Tage verbringe ich mit Relaxen. Viel mehr kann man in Cabinda nicht unternehmen. Bei einem der Frühstücke lerne ich ein Paar aus Tschechien kennen. Sie kommen ebenfalls aus Luanda und sind nach Soyo gefahren, wo sie mit viel Glück einen Platz auf einer der seltenen Autofähren ergattern konnten. Passagiere transportiert diese Fähre jedoch nicht, weshalb sie mit der Passagierfähre gekommen sind. Da dies gestern war, funktioniert die Passagierfähre demnach wieder. Wann sie ihr Auto bekommen, wissen sie auch nicht. Anscheinend steht die Autofähre immer noch in Soyo.

 

Am 24.12.2025 frage ich nachmittags bei Miguel nach, ob mein Motorrad angekommen ist. Leider verneint er das und meint, zurzeit sei es schwierig im grossen Kongo und die Lastwagen kämen erst morgen Nacht an. Es sei jedoch alles unter Kontrolle. Luftsprünge mache ich deshalb natürlich nicht. Ausser Abwarten kann ich aber nichts weiter tun.

 

Am Nachmittag gehe ich erneut in den Supermarkt, weil morgen, am 25.12., alles geschlossen hat. Der Laden ist pumpenvoll und ich brauche über eine Stunde, bis ich wieder draussen bin, weil die Schlange an den Kassen ellenlang ist. Tags darauf frage ich am späten Nachmittag erneut bei Miguel nach, wie die Situation ist. Er schreibt, dass die Lastwagen angekommen seien, der Zoll jedoch heute wegen Weihnachten nicht arbeite, da alle Waren von den Behörden geprüft werden müssen. Das Motorrad würde ich morgen bekommen und könne dann weiterfahren. Meine Geduld wird also weiterhin auf die Probe gestellt und die Zeit, bis ich aus Angola ausreisen muss, wird immer knapper. Wenn das mal gut geht.

Ein weiterer Gedulstag bricht an und endet spätem Nachmittag mit der Botschaft, dass mein Motorrad soeben neben dem Hotel auf einem Parkplatz abgeladen wurde und mich der Fahrer abholen wird. Kaum ist die Nachricht eingetroffen, klopft es an meiner Türe und die Empfangsmitarbeiterin teil mir mit, dass jemand auf mich wartet. Also nix wie runter. Ein paar Minuten stehe ich vor der Honda, die in einem Stück vor mir steht. Es sind keine Schäden ersichtlich und mein Gepäck ist ebenfalls vollständig. Schon fast ein kleines Wunder oder einfach ein schönes Weihnachtsgeschenk. Morgen geht es somit endlich weiter nach Pointe Noire im kleinen Kongo.

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Weihnachten in der angolanischen Enklave Cabinda“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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