Von der Küste ins Cederberg-Gebirge
17.01.2025 routen >> afrika hautnah
Heute geht es los und ich starte mit einer Fahrt zum Cape der guten Hoffnung. Die Straße führt größtenteils entlang des Meeres, und wegen des Linksverkehrs entscheide ich mich für eine Route im Uhrzeigersinn, damit ich auf der meerseitigen Spur fahren kann. Ich komme dadurch jedoch wieder zurück nach Kapstadt, was mir aber in Angesichts der schönen Strecke egal ist.
Mein erstes Ziel sind die farbigen Badehäuschen in Muizenberg. Bis dahin nehme ich die Schnellstraße, da die Strecke entlang eines großen, als unsicher geltenden Townships führt. In Muizenberg finde ich einen guten Platz gleich beim Strandabschnitt mit den bunten Häuschen, um die Honda kurz abzustellen.
Die Fahrt entlang der Küste in Richtung Cape der guten Hoffnung gestaltet sich zäh. Es ist Samstag und viele Stadtbewohner kommen am Wochenende in die fotogenen Küstendörfern entlang meiner Strecke. So bilden sich immer wieder Staus. Mit meiner schmalen Honda kann ich die Kolonnen jedoch problemlos überholen. Bei Boulders Beach, wo die berühmten Pinguine zu sehen sind, entscheide ich mich gegen einen Stopp. Der Besucherandrang ist riesig, und die Verkehr Situation rund um diesen Punkt ist chaotisch.
Danach übernimmt die wilde Landschaft des Kaps die Überhand, die viel weniger Besucher anzieht. Bald erreiche ich den Eingang des Cape Point Nationalparks. Für den Eintritt zahle ich knapp 20 CHF. Im Park hat es wenig Verkehr und ich genieße die Fahrt auf den genehmigten Straßen, bis ich am Kap der guten Hoffnung ankomme. Obwohl es hier nicht überfüllt ist, ist es schwierig, ein Foto von der berühmten Tafel zu machen. In der heutigen Selfie Welt reichen 10 Personen, um einen fotogenen Punkt für lange Zeit in Beschlag zu nehmen. Mit etwas Geduld erwische ich jedoch einen Moment, in dem niemand die Sicht auf die Beschriftungstafel versperrt. Danach setze ich mich auf einen Stein und geniesse etwas die rauhe Meereslandschaft. Dabe entdecke ich auf den Felsen im Meer eine kleine Seehunde Kolonie. Alle paar Minuten werden sie auf ihrem steinernen Sitz von einer Welle geduscht.
Auf dem Rückweg laufen mir die ersten Baboons (Pavian Affen) über den Weg. Zwei sitzen wie Statuen auf einem Stein, während andere über die Straße rennen. Von anderen Motorradreisenden habe ich gelesen, dass sie auf Distanz bleiben, solange sie kein Essen wittern – zum Glück, denn einige von ihnen sind beeindruckend groß, weshalb ich auf ein Foto verzichte. Es werden nicht die Letzten sein, die mir über den Weg rennen. Ich fahre noch zum Leuchtturm am Cape Point hinauf. Dort führt eine kleine Zahnradbahn die Besucher die letzten steilen Meter hinauf zum Turm. Ich begnüge mich mit der Aussicht von der unteren Plattform. Ich verlasse den Nationalpark und rolle entlang des Meeres weiter nach Kommetjie. Der Wind treibt die Wellen heran, und die Gischt spritzt hoch und erfüllt die Luft mit Wassernebel. Komplettes Gegenteil von der gegenüberliegenden Seite mit den schönen Stränden und schicken Dörfern.
Anschliessend verläuft die Strasse kurz ins Landesinnere, bevor sie an die Küste zurückkommt und entlang der Felsen verläuft. Dieser Abschnitt ist bekannt als der Chapman’s Peak Drive. Da die Strasse öfters von Stein- und Felsrutschen blockiert wird und deswegen die Unterhaltsarbeiten hoch sind, ist der Abschnitt mautpflichtig. Das trübt die einmalige Aussicht auf die Hout Bay jedoch in keiner Weise.
In Hout Bay halte ich bei einer kleinen Bäckerei und esse einen Happen. Dabei spricht mich die Mutter des Besitzers an, die mein Motorrad bemerkt hat. Sie erzählt, dass sie früher selbst Motorrad gefahren ist und immer noch ein Fan von Zweirädern ist. Die letzten zehn Jahre hat sie in Südspanien gelebt, ist aber zurückgekehrt, um ihrem Sohn zu helfen, der hier eine Bäckerei eröffnet hat. Der Laden läuft inzwischen so gut, dass sie regelmäßig von Kunden überrannt werden.
Nach einem netten Gespräch verabschiede ich mich und fahre weiter in Richtung Kapstadt. Bei der Auffahrt zum Signal Hill gerate ich erneut in einen Stau. Ich überhole die Kolonne und entdecke nach einer Kurve zahlreiche Polizeiautos und uniformierte Beamte. Ein Essen-Uber-Motorrad liegt zerdrückt auf der Strasse und daneben unter einer weissen Decke eine Person. Vermutlich der Motorradfahrer. Es ist ein trauriger Anblick auch in Bezug darauf, dass kein Krankenwagen weit und breit ist und die Beamten aller nur herumstehen und ein Verkehrschaos veranstalten, anstatt sich dem Unfall zu widmen. Oben auf dem Signal Hill angekommen, hellt die schöne Aussicht auf die Stadt, den Tafelberg und den Lion’s Head meine Stimmung wieder auf.
Anschliessend verlasse ich Kapstadt erneut auf einer Schnellstrasse, über die ich sicher durch die drei grössten Townships der Stadt hindurch komme. Mein Ziel für heute ist Gordons’Bay. Das kleine Städtchen liegt idyllisch am Meer, direkt zu Beginn der bekannten Küstenstraße Clarence Drive. Meine Unterkunft, ein charmantes Guesthouse mit einem freundlichen Besitzerpaar, gefällt mir so gut, dass ich spontan zwei Nächte buche.
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Beim Frühstück setzt sich der Guesthouse-Inhaber zu mir und fragt unter anderem, wie meine Reise aussieht. Als ich erwähne, dass ich eventuell auf der Westroute nach Europa zurückfahren möchte, erzählt er, wie wenn das eine normale Reise wäre, von anderen Motorradfahrenden, die zu Gast waren. Zwei Franzosen und ein Deutscher, die unabhängig voneinander diese Route umgekehrt gefahren sind.
Im Gespräch erfahre ich auch, dass in Südafrika viele Menschen Englisch oder Afrikaans in der Schule lernen, je nach Region und Herkunft der Eltern. Interessanterweise lernen diese Gruppen jedoch selten die jeweils andere Sprache in der Schule. Darüber hinaus gibt es im Land noch zehn weitere offizielle Sprachen.
Für meine heutige Runde hatte ich ursprünglich geplant, ins Landesinnere zu fahren und dann an der Küste zurückzukehren. Der Besitzer rät mir jedoch, die Inlandroute zu streichen und stattdessen die Küstenstrasse, bekannt unter dem Namen Clarence Drive, bis Kleinmond hin und zurückzufahren. Diese Küstenstraße sei spektakulär und zähle zu den schönsten der Welt. Ich erinnere mich vage daran, sie bei meiner letzten Reise durch Südafrika vor über 30 Jahren befahren zu haben.
Während unseres Gesprächs hören wir immer wieder dröhnende Motorradmotoren. Der Besitzer meint, dass die Strecke besonders sonntags bei einheimischen Bikern sehr beliebt sei.
Etwa eine Stunde später breche ich auf und folge der Empfehlung des Besitzers der Küstenstrasse. Der Verkehr ist viel geringer, als ich erwartet hatte, und ich genieße die Fahrt in vollen Zügen. Von den angedeuteten vielen Motorradfahrenden begegnen mir gerade einmal fünf Stück auf der gesamten Hinstrecke. Das lustige dabei ist, dass man wegen dem Linksverkehr nicht mit der Hand Grüssen kann, weil dies die Gas Hand wäre. Also bewegen hier die Biker zum Gruss ihren Kopf kurz leicht nach rechts. Amüsant.
Der Wind ist seit heute Morgen ebenfalls auf Trab und bläst immer stärker. Etwa auf der halben Strecke ab dem Örtchen Rooi-Els bläst er dichte Wolken daher, die sogar etwas Wasser herunterlassen. Ich fahre trotzdem weiter bis Betty’s Bay und kehre dort in einem kleinen Café ein. Die dunklen Wolken hängen weiterhin am Himmel, doch der Wind hat den Regen bereits wieder vertrieben.
Ich setze mich an einen langen Tisch, an dem bereits ein Paar Platz genommen hat. Die Menschen hier sind sehr gesprächig und so kommen wir schnell ins Plaudern. Sie kommen aus Johannesburg und machen jedes Jahr in dieser Region für drei Wochen Urlaub.
Das Paar zeigt auf zwei Personen mit gelben Westen und langen Stäben. Sie erklären mir, dass diese Personen unterwegs sind, um Paviane zu vertreiben. Die Stäbe seien Elektroschocker, mit denen besonders aggressive Tiere vertrieben werden. Paviane seien hier ein großes Problem, erzählen sie weiter. Ein Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite hält seine Eingangstür stets mit einem Gittertor verschlossen, um sich vor den Affen zu schützen. Ein Plakat weist darauf hin, dass die Tür immer geschlossen bleiben muss, da die Tiere sonst den Laden plündern – selbst wenn Menschen darin sind. Mit diesen Pavianen ist also nicht zu spaßen.
Als ich zum Motorrad zurückkehre, spricht mich ein Mädchen an. Sie fragt auf Englisch, ob ich tatsächlich schon in all den Ländern gewesen sei, deren Sticker an meinem Motorrad kleben. Ich antworte mit einem Ja. Daraufhin zeigt sie auf ihren Bruder, der an einem der Tische sitzt, und meint, er sei ein riesiger Motorradfan. Als ich zu ihm hinüberschaue, stehen er und sein Vater auf und kommen zu uns. Der Vater erzählt mir, dass sein Sohn schon seit seiner Kindheit von Motorrädern begeistert ist und eines Tages selbst auf große Reise gehen möchte. Gute Voraussetzungen, um eines Tage Motorradweltenbummler zu werden.
Auf dem Rückweg lege ich an mehreren Aussichtspunkten entlang der Strecke Stopps ein, um die atemberaubende Küstenlandschaft zu bewundern. Auch für mich zählt dieser Abschnitt zu den schönsten Küstenstraßen der Welt.
Kurz vor Gordon’s Bay entdecke ich eine Straße, die zu einem Aussichtspunkt hinaufführt. Leider ist sie gesperrt. Schade, denn der Blick von dort oben wäre sicher fantastisch gewesen.
Zurück in der Unterkunft beschließe ich, noch einen Spaziergang zum Strand zu machen. Der Wind hat mittlerweile stark zugenommen und wirbelt Sand durch die Luft. Mein anschließendes Mittag-Abendessen muss ich drinnen einnehmen, da draußen die Sonnenstoren und Schirme vom Wind weggefegt würden.
Am Abend zeigt mir der Besitzer stolz seine BMW 1000. Trotz des salzhaltigen Küstenklimas ist sie makellos – kein Fleckchen Rost. Es ist offensichtlich, wie gut er sie pflegt und hegt.
Ab jetzt verläuft meine Route ins Landesinnere, in Richtung Norden, mit dem Endziel Fish River Canyon im Süden von Namibia. Anstelle von Küstenstraßen stehen deshalb nun Pässe auf dem Programm.
Gleich hinter Gordon’s Bay führt meine Strecke über den Sir Lowry’s Pass. Ich halte auf der Passhöhe an, um ein Foto zu machen. Dabei werde ich von einem Autofahrer angesprochen, ob wir nicht Fahrzeuge tauschen wollen. Ich lehne lachend und dankend ab, worauf er meint, schade.
Auf Google Maps habe ich einem der umliegenden Berggipfel eine Funkstation gefunden, die über eine steile Stichstraße erreichbar ist. Das Problem ist allerdings, den Zugang zu dieser Stichstraße zu finden. Selbst meine detaillierte OSM-Karten liefern keine klare Antwort.
Ich fahre weiter und stoppe nach ein paar Hundert Metern an einer Abzweigung, die meine Navigation vorschlägt. Die Schotterstraße sieht nicht schlecht aus, ist jedoch von einem dicken Balken gesperrt, der die Durchfahrt unmöglich macht. Die nächste Abzweigung liegt zwei Kilometer weiter, führt jedoch direkt in ein Township hinein, das sich bereits seit einigen Hundert Metern entlang der Straße erstreckt. Keine gute Idee und so streiche ich den Aussichtspunkt.
Die Landschaft verwöhnt mich trotzdem und ich erreiche bereits den nächsten Pass, den Viljoens Pass. Zwar sind die Passhöhen hier nicht so hoch, doch die zahlreichen Kurven erinnern an unsere heimischen Bergstraßen. Bei der Talfahrt bietet sich ein schöner Blick auf den Theewaterskloof-Stausee, an dessen Ufer ich wenig später vorbeifahre.
Nach einer Umrundung des Sees steht der nächste Pass an: der bekannte Franschhoek Pass. Kurz nach der Passhöhe befindet sich ein Aussichtspunkt, der den Blick auf die Weinortschaft Franschhoek und ihre umliegenden Rebberge freigibt. Ich halte an und steige vom Motorrad. Ich habe noch nicht einmal meinen Helm abgezogen, als ein Mann hinter mir ruft: „Ein Zürcher, so ein Zufall!“ Wir unterhalten uns kurz, und er erzählt mir, dass er seit über 40 Jahren regelmäßig ins südliche Afrika reist. Danach verabschiedet er sich. Kurz darauf hält ein weiteres Auto und das aussteigend Paar spricht mich ebenfalls auf Schweizerdeutsch an. Ich wusste ja, dass Südafrika bei meinen Landsleuten beliebt ist. Aber gleich so.
Etwas später rolle ich weiter und gönne mir im Dorfkern von Franschhoek einen Kaffee.
Auf den nächsten 30 Kilometern begegnen mir zahlreiche Baustellen. Immer wieder muss ich in der prallen Sonne warten, bis die Strecke frei wird. Oft ist nicht klar, was genau gebaut wird – nur, dass eine Spur gesperrt ist.
Oberhalb der grösseren Ortschaft Paarl mache ich halt am Taal Monument, das zu Ehren der Afrikaans-Sprache errichtet wurde. Eine Beschreibung vor Ort erklärt, welche Sprachen im Afrikaans enthalten sind und wie diese im Monument abgebildet sind. Auf dem fast leeren Parkplatz spricht mich eine deutsche Reisegruppe an. Einer der Männer fragt mich direkt, ob ich auf der Westroute nach Europa fahren möchte. Ich antworte, dass ich vermutlich diese Route nehmen werde, vorher aber noch eine längere Zeit im südlichen Afrika bleibe. Die Frage als solches irritierte mich dann aber doch etwas. Wenn mich Mitglieder aus einer Busreisegruppe direkt darauf ansprechen, ob ich auf der Westroute nach Europa fahre, ist das definit ein Zeichen dafür, dass diese Route zu den ausgetrappelten Pfaden zählen muss.
Später umfahre ich die Stadt Paarl über eine Schotterpiste, die mir schöne Ausblicke auf die Stadt und die umliegenden Berge bietet. Zurück auf der Teerstraße steht der letzte Pass des Tages an: der Bain’s Kloof Pass. Dieser bringt mich in die Region von Ceres.
Da Ceres recht touristisch ist und die Unterkunftspreise entsprechend hoch sind, finde ich ein Zimmer in einer Nachbargemeinde, das gut in mein Budget passt. Nach einem kurzen Besuch im Supermarkt ist nur noch relaxen angesagt.Formularbeginn
Nach meinem selbstgemachten Frühstück beginne ich, die Honda zu beladen. Währenddessen beobachtet mich die Tochter der Angestellten, die in der Unterkunft für Ordnung sorg. Ich frage sie, ob sie Englisch spricht. Sie nickt. Anfangs wirkt sie etwas zurückhaltend, fasst dann aber Mut und sagt, dass sie mein Motorrad großartig findet. Ich lache und erkläre ihr, dass es ganz einfach zu fahren ist und sie später, wenn sie älter ist auch einmal ein Motorrad fahren kann.
Dann fragt sie mich, ob ich Neymar kenne, weil ich eine brasilianische Flagge auf meinem Motorrad aufgeklebt habe. Und Ronaldo aus Portugal. Und Messi aus Argentinien. Ich muss lachen. Sie kennt die Flaggen der Länder wegen ihrer Fußballidole. Cool.
Ich plaudere noch ein wenig mit ihr und zeige ihr ein paar Bilder von der Schweiz mit Schnee und Skifahrenden, was sie mega lustig findet. Bald darauf verabschiede ich mich von ihr und ihrer Mutter und starte in Richtung Wüste. Hinter Ceres wird die Landschaft zunehmend trockener, und bald bin ich auf einer Schotterpiste unterwegs, die mich hinaus in eine scheinbar endlose Wüstenlandschaft führt.
Es gibt einen direkteren Weg in die Cederberg-Region, aber ich wähle bewusst eine Route, die mich über einen weiteren Gebirgszug führt, der landschaftlich reizvoll sein soll. Doch zunächst stehen 70 Kilometer geradeaus auf der Schotterpiste an, und in dieser Zeit begegne ich lediglich einem einzigen Fahrzeug.
Bevor ich die geplante Abzweigung Richtung Bergkette nehme, fahre ich noch ein Stück weiter zur Tankwa Padstal Desert Raststätte. Auch in dieser lebensfeindlichen Umgebung gibt es auf den offiziellen Schotterstraßen ein paar Verpflegungsstationen. Ich bin der einzige Gast und bestelle ein kaltes Wasser.
Kurz darauf kommen drei weitere Reisende herein. Es sind Amerikaner, die auf Vogelbeobachtungstour sind. Sie erzählen, dass diese Region bei Ornithologen bekannt ist. Was man nicht alles an den entlegensten Orten der Welt erfährt!
Ich habe noch über 100 Kilometer Schotterpiste vor mir und verabschiede mich daher bald. Zurück an der Kreuzung führt die Straße direkt auf die Bergkette zu und schlängelt sich steil den Berg hinauf. Die steilsten Passagen sind asphaltiert, aber der Belag ist von Löchern übersät. Das stört mich als Motorradfahrer jedoch nicht – ich kann den Schlaglöchern gut ausweichen.
Oben angekommen, genieße ich die Weitblicke über die Wüstenebenen. Auf der Abfahrt überquere ich einige kleine Brücken. Auf einer dieser Brücken sehe ich plötzlich eine Bewegung auf dem Boden. Erst im letzten Moment erkenne ich, dass sich eine Schlange mit gespreiztem Kragen aufgestellt hat eine afrikanische Kobra! Ich bin zu schnell für sie, weshalb sie wohl in den Angriffsmodus gewechselt hat. Ob sie mich versucht hat zu beissen, weiss ich jedoch nicht. Dafür ging alles viel zu schnell. Ich bin jedoch für einmal mehr froh, dass ich mit meinen hohen, dicken Enduro-Stiefeln unterwegs bin.
Ich sehe schon, ich muss mich in Afrika umstellen. Hier sind es keine bissigen Straßenhunde, sondern Affen, Schlangen und andere wilde Tiere, die ich im Straßenverkehr antreffe.
Wenig später erreiche ich die Abzweigung in die Cederberg-Region. Die Piste führt mich über zwei weitere Bergpässe mit toller Landschaft zu meiner Unterkunft – einer privaten Lodge mit Bungalows, fixen Zeltapartments und einem Zeltplatz. Die letzten sieben Kilometer nehme ich eine Abkürzung, die sich als Holperpiste mit sandigen Abschnitten entpuppt. Am Empfang erfahre ich, dass das eigentlich die Serviceroute der Lodge ist – nicht die offizielle Zufahrt.
Für die Nacht sind starke Winde und etwas Regen vorhergesagt. Ich gönne mir daher ein festes Zeltzimmer und buche gleich zwei Nächte. Es ist zwar etwas teurer als mein Budget es erlaubt. Aber was solls. Meine Unterkunft liegt hunderte Meter vom Hauptgebäude entfernt, und außer dem Wind ist nichts zu hören.
Das Restaurant schließt in einer Stunde, also ziehe ich mich schnell um und laufe zurück zum Hauptgebäude mit dem Restaurant. Außer mir ist noch ein belgisches Paar mit einem Jeep da. Sie erzählen, dass sie über den Oman nach Kenia gereist sind und nun die letzten Tage ihrer Reise in Südafrika verbringen. Den Rest des Abends verbringe ich auf der Windgeschützen Veranda meines Zeltapartements, bis mich die aufziehende Kälte hineintreibt. Diese breitet sich in der Nacht noch mehr aus und ich muss alle vorhandenen Decken über mich legen, damit ich nicht friere. Formularende
Bereits gestern beim Einchecken erklärten mir die Angestellten, was ich alles auf der Lodge unternehmen kann. Ich entscheide mich für eine Wanderung zu einem kleinen Wasserfall mit Naturpool. Die Wanderung soll moderat sein, jedoch sind es hin und zurück an die 17 km. Die ersten vier Kilometer könnte ich mit dem Motorrad fahren, was ich aber nicht will.
Ich frühstücke ausgiebige und fülle meinen Trinkrucksack mit drei Liter Wasser. Danach trage ich mich in die Liste am Empfang ein, über welche die Angestellten den Überblick bewahren, wer wohin unterwegs ist. Bin ich zurück, muss ich unterschreiben, dass ich wieder hier bin. So sollte niemand verloren gehen.
Vor mir hat sich ebenfalls jemand mit einer Schweizer Telefonnummer eingetragen. Ich lache und sage zur Angestellten, dass hier noch weitere Besucher aus der Schweiz auf derselben Wanderung unterwegs sind. Sie nickte und erwähnte, dass diese soeben hier waren. Vermutlich war es das älter Paar, welche gestern ebenfalls im Restaurant waren. Ich werde ihnen heute sicher begegnen, da der Weg hin und zurück der Gleiche ist.
Nach etwas mehr als eine Stunde gelange ich zum Parkplatz, wo ein grauer Jeep steht. Gehört vermutlich dem Schweizer Paar. Ab hier wird der Weg zu einem schmalen Wanderweg der über Stock, Stein, Gebüsche und teilweise auch über kleine Bäche führt. Als der Weg eine Passage mit vielen grossen Steinen durchquert, tauchen vor mir plötzlich vier Tiere auf, die wie Rehe aussehen. Nur gibt es meines Wissens keine Rehe in Südafrika. Ich tippe deshalb auf Springböcke oder etwas ähnliches. Sie lassen mich nahe heran, was kein Wunder ist. Huschen sie nämlich davon, entpuppen sie sich als flicke Kletterer, die kaum einzuholen wären.
Weiter Tiere sehe ich keine ausser diesen riesigen Ameisen, die locker zwischen 3 – 4 cm gross sind und jeweils allein auf dem Weg herumkrabbeln. Hoffentlich bauen die keine Ameisenhaufen wie bei uns, sonst wäre das ein Riesenbau bei der Grösse der Tiere.
Durch das ewige Auf und Ab und über Stock und Stein zieht sich der Weg länger bis zum Wasserfall, als ich gedacht habe. Oben angekommen, setze ich mich oberhalb des Wasserfalls und Naturpool hin und esse zuerst einen Apfel. Unten beim Pool sitzt ein Paar, dass mich freundlich grüsst. Sie sind zu weit weg, als dass ich sie genau erkennen würde. Jedoch sehe ich, dass es nicht das ältere Paar von der Lodge ist. Da ist anscheinend noch jemand anderer unterwegs.
Ich stehe auf und mache ein paar Fotos bei Herumgehen. Zwischenzeitlich räumt das Paar unten beim Naturpool ihre Sachen zusammen und kommen über einen schmalen Weg hoch. ich beachte sie nicht weiter, bis der Mann zu mir rüberkommt und seine Hand als Begrüssung hinhält. Ich grüsse zurück und merke gleichzeitig, dass ich ihn kenne, es aber kaum möglich sein kann, dass ich ihn hier treffe. Er lacht und sagt genau das, was ich denke. Unmöglich das wir uns hier treffen.
Wir sind ehemalige Arbeitskollegen und haben über 10 Jahre zusammengearbeitet. Wir haben sogar drei Motorradtouren durch Italien und die USA unternommen. Leider brach unser Kontakt nach meinem Weggang von der Firma ab, weil er urplötzlich keine Antworten mehr auf meine Nachrichten schickte. Irgendwann gab ich es dann auf ohne den Grund für seinen abrupten Kontaktabbruch zu wissen. Und nun steht er vor mir. Über 10’000 Km von zu Hause entfernt am Ende einer 10km langen Einwegwanderung in der abgelegenen Cederberg Region. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Seine Partnerin kenne ich ebenfalls von damals. Somit gibt es viel zu Quatschen, bis wir ein paar Stunden später wieder bei der Lodge angekommen sind. Sie wohnen jedoch nicht auf der Farm, sondern etwa 100 km weit entfernt. Sie sind extra heute für die Wanderung hierhergefahren. Wir verabschieden uns und können es weiterhin nicht glauben, dass wir uns hier begegnet sind. Wieso er damals den Kontakt abgebrochen hat, weiss er selbst nicht oder will auch jetzt nicht damit rausrücken. Wie auch immer. Es hat Spass gemacht, die beiden zu treffen.
Beim Abendessen sehe ich das ältere Paar, welches ich vermutet habe, dass sie aus der Schweiz kommen und sich auf der Wanderliste eingetragen haben. Ich muss lachen und hätte nie gedacht, dass ich so falsch liegen könnte.
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