Start meiner Reise über die afrikanische Westroute nach Europa
20.11.2025 routen >> afrika hautnah
Zum dritten Mal in diesem Jahr reise ich abends zum Flughafen für meinen Nachtflug nach Südafrika. Auch dieses Mal läuft alles reibungslos und der Flug verlässt die Piste nur mit geringer Verspätung. Ich habe mir erneut einen Sitz mit mehr Beinfreiheit geleistet, was sich auszahlt. Vor mir fehlt eine Sitzreihe und ich kann meine Beine vollständig ausstrecken.
Neben mir sitzt eine Frau. Sie ist sichtbar nervös, deshalb beginne ich ein Gespräch mit ihr, damit ich verstehe, was sie belastet. Sie fliegt zum ersten Mal so weit und hat erst am Flughafen die Gruppe kennengelernt, mit der sie die nächsten 14 Tage durch Namibia reist. Da sie in beengten Verhältnissen schnell ein unangenehmes Gefühl bekommt, hat sie ebenfalls einen Sitz mit mehr Raum über das Reisebüro gebucht. Dafür sitzt sie jetzt weit entfernt von der Tourleitung, was sie zusätzlich verunsichert. Da sie sehr gesprächig ist, legt sich ihre Unruhe etwas, weil ich ihr erklären kann, wie ein solcher Flug abläuft.
Kurz nach dem Start bekommen wir das Essen. Danach versinke ich, und zum Glück auch meine Sitznachbarin, im Flugschlaf. Die Nacht vergeht im Flug, keine Wunder im Flugzeug, und schon stehen die Flugmitarbeiterinnen mit dem Frühstück neben unseren Sitzen. Danach landen wir pünktlich, wie eine Schweizer Uhr in Johannesburg. Die Passkontrolle verläuft schnell und unkompliziert und mein Gepäck erscheint wenige Minuten nachdem ich am Band stehe.
Für die Fahrt zu meiner Unterkunft in Pretoria habe ich wie beim letzten Mal eine Uber-Reservierung. Bevor ich zum Abholort gehe, besuche ich den Vodacom-Shop und kaufe für meine noch gültige SIM-Karte ein neues Datenpaket. Danach laufe ich ins Parkhaus, wo im zweiten Stock der Uber-Abholplatz für Fluggäste liegt. Über die App habe ich bereits vor zehn Minuten bestätigt, dass ich unterwegs bin, worauf der Fahrer, wie beim letzten Mal, bereits auf mich wartet.
Mein erster Stopp ist der Motorradshop, in dem meine Honda die letzten fünf Wochen stand und einen vollständigen Service bekommen hat. Es fehlt noch die Montage eines neuen Kettensatzes, den ich kurz vorbeibringe. Kurz darauf hält der Uber vor meiner Unterkunft, die ich von meinen vorherigen Übernachtungen in Pretoria kenne. Die Inhaberin begrüßt mich herzlich und gibt mir die Schlüssel für das Nebenhaus, in dem ich die nächsten drei Tage wohne. Wenig später steht sie vor der Tür und bringt mir einen Willkommensdrink.
Anschliessend ruhe ich mich etwas aus und gehe zum Supermarkt, wo ich Proviant für die nächsten Tage einkaufe. Ein Cappuccino im gegenüberliegenden Café gehört dazu, bevor ich zurückgehe. Für mehr reicht meine Energie heute nicht.
Bereits gestern Abend hat mir der Motorradshop eine Nachricht geschickt, dass die Honda fertig ist. Nach dem Frühstück fahre ich direkt zur Werkstatt, wo die Maschine wie neu bereitsteht. Ich unterhalte mich länger mit dem sympathischen Ladenchef, der mich in den letzten fünf Wochen über alle Arbeiten auf dem Laufenden gehalten hat. Dafür bin ich ihm dankbar.
Er hat zudem zwei Additive für die Reinigung der Einspritzanlage bestellt, die ich zusammen mit einer neuen Dose Kettenspray und Luftfilter Öl kaufe. Alles zusammen kostet mich knapp € 500.00, was angesichts der Arbeiten und der neuen Bereifung günstig ist. Im Preis sind aber alle Austauschteile nicht miteingerechnet, da ich diese selbst mitgebracht habe, ausser dem Öl für den Ölwechsel und die neue Bereifung. Das Ventilspiel ist wie erwartet ok, was dementsprechend keine Teile für eine Korrektur benötigte.
Zurück in der Unterkunft kontrolliere ich den Ölstand und stelle fest, dass zu viel Öl eingefüllt wurde. Das übliche Problem mit der Honda. Sie benötigt nur 1,5 Liter Öl, während viele Motorräder in diesem Segment 1,8 Liter haben. Ich fahre zurück zum Shop, der nicht weit entfernt ist, und sie korrigieren den Ölstand ohne Diskussion.
Wieder in der Unterkunft tausche ich die beiden Luftfilter aus. Ersatz habe ich von zu Hause mitgebracht. Den Rest des Tages packe ich mein Gepäck und belade die Honda. Außerdem verabrede ich mich mit Franswa für morgen. Bei ihm stand die Honda während meiner ersten Reisepause in Pretoria im Frühjahr zwei Monate lang in der Stube.
Und natürlich kontaktiere ich Bernhard, der mich auf meiner Reise nach Europa begleiten wird. Seit er sein Motorrad vor ein paar Tagen in Kapstadt abholen konnte, habe ich nichts mehr von ihm gehört. Auf meine Nachricht hin, meldet er sich zurück und schreibt mir seinen Standort. Provisorisch haben wir bereits vor einiger Zeit einen Treffpunkt für in zwei Tagen vereinbart. Er ist dahin unterwegs und kann diesen bis am Montagabend erreichen.
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Morgen Sonntag wollte ich meine Reise starten. Das Wetter durchkreuzt jedoch meinen Plan. Bereits heute ist es regnerisch und kühl und für morgen sind starke Regenschauer und heftige Winde angesagt. Ich beschliesse deshalb, einen Tag länger in der Unterkunft zu bleiben, die zum Glück noch frei ist.
Fahre ich erst am Montag los, verpasse ich den vereinbarten Treffpunkt mit Bernhard. Ich kontaktiere ihn deshalb nochmals und wir finden einen neuen Ort, den wir beide am Montagabend erreichen können.
Mittags holt mich Franswa mit seinem Auto ab und wir fahren in ein nahegelegenes Restaurant. Wir haben uns viel zu erzählen. Er berichtet über seine neuen Projekte rund um Motorräder und ich über meine Ostafrikareise. Nach mehr als drei Stunden fahren wir zurück zur Unterkunft. Da ich morgen noch hierbleibe, lädt er mich zum Essen zu sich nach Hause ein. Trotz Regen will er braaien, weil das bei ihnen jeden Sonntag Tradition hat.
Abends laden mich meine Gastgeberin und ihr Mann spontan zu sich ins Haus ein. Zwei Stunden später liege ich müde im Bett. Außer Lesen mache ich heute nichts mehr.
Starkes Regenprasseln auf dem Dach und Windgeräusche wecken mich. Es ist kalt geworden. Ich schaue aus dem Fenster und sehe nur dunkle Wolken und heftig schwankende Äste. Also verkrieche ich mich wieder unter die warme Decke.
Irgendwann summt mein Handy. Meine Gastgeberin schreibt, dass sie gestern vergessen hat, fürs Frühstück einzukaufen, und sie mich deshalb ins nahe Einkaufszentrum einlädt. Ich soll ihr mitteilen, wann es passt. Ich stehe auf und schreibe zurück, dass ich in einer halben Stunde bereit bin.
Ein T-Shirt reicht heute nicht. Ich ziehe meinen Sweater und die Regenjacke an, damit ich halbwegs warm habe. Wo bleiben die angenehmen sommerlichen Temperaturen in Südafrika?
Der Hund kommt ebenfalls mit ins Shoppingcenter, obwohl Hunde im Restaurant nicht erlaubt sind. Wir bekommen deshalb einen Platz auf der überdachten Terrasse. Die schützt vor dem Regen, aber nicht vor dem Wind. So essen wir ein stürmisches Frühstück, während der Hund alle vorbeilaufenden Leute anbellt. Niemand reagiert darauf. Weder Personal noch Gäste noch die angebellten Passanten. Einige sprechen sogar mit ihm, was das Bellen lediglich noch verstärkt.
Auf der Rückfahrt schüttet es in Strömen. Die wenigen Meter vom Auto bis zur Tür meiner Unterkunft reichen aus, um nass zu werden. Da hilft nur ein Kaffee dagegen. In Gedanken bin ich froh, heute nicht losgefahren zu sein.
Zwischendurch hat sich Franswa gemeldet. Er schreibt, heute sei wirklich kein Tag für ein Braai, weshalb sie ein Pastagericht kochen und er mich um 15 Uhr abholt. Bis dahin widme ich mich der morgigen Route und dem weiteren Verlauf Richtung Botswana.
Als ich in sein Auto steige, läuft die Heizung. Ich muss lachen und sage ihm, dass solche Wetterumschwünge typisch für die Schweiz seien, ich in Südafrika das aber nicht erwartet hätte. Er lacht ebenfalls und meint, dieses Wetter sei untypisch für ihre Region. Es komme von der Kap Region und sei unerwünscht, nur interessiere das die Natur wenig. Er sagt auch, dass es viel brauche, bis sie kein Sonntagsbraai machen, aber heute sei es einfach zu kalt.
Bei ihm zu Hause begrüßt mich seine Frau. Sie kann wieder gut laufen und ist von ihren doppelten Fußgelenkbrüchen weitgehend genesen. Nach und nach treffen die anderen Familienmitglieder ein und als das Essen fertig ist, sitzen alle außer der mittleren Tochter am Tisch. Sie ist zurzeit in den USA und besucht die Familie, bei der sie in den letzten Jahren mehrmals als Au-pair gearbeitet hat. Auch die jüngste Tochter wird in einigen Wochen für zwei Jahre in die Staaten gehen. Sie erzählen mir, dass dies bei jungen Leuten in Südafrika sehr beliebt ist. Sie verdienen dort als Au-pair mehr als in ihren Berufen im eigenen Land. Der Wertverlust des Rand trägt dazu erheblich bei, da sie mit US$ zurückkehren.
Nach dem Essen zeigt mir Franswa einige Ausschnitte aus ihrer Fernsehserie, die immer montags für 30 Minuten ausgestrahlt wird. Er bereist darin mit zwei Freunden verschiedene Regionen in Südafrika und zeigt, was es für Motorradreisende zu entdecken gibt. Sie sind meist auf Schotterpisten unterwegs. Die Serie hat Erfolg und mittlerweile schauen rund 20000 Menschen zu, was einem vollen Rugbystadion entspricht. Eine gängiger Grössenvergleich in Südafrika, um den eigenen Erfolg zu messen.
Als wir zurück zu meiner Unterkunft fahren, ist es bereits dunkel und es regnet weiterhin in Strömen. Franswa fragt mich ernst, ob ich wirklich morgen losfahren will. Er meint, dass es auf meiner Route zu Überschwemmungen kommen könnte, die schwer zu passieren sind. Ich sage ihm, dass mir das bewusst ist, ich aber trotzdem starten möchte, da ich das Treffen mit Bernhard nicht erneut verschieben will. Danach verabschieden wir uns und hoffen, uns irgendwann wiederzusehen.
Das Wetter hat sich beruhigt und laut Vorhersage sollte ich auf der heutigen Strecke nicht allzu nass werden.
Nach dem Frühstück, für das meine Gastgeberin gestern Abend noch im Einkaufszentrum eingekauft hat, belade ich die Honda und verabschiede mich vom Inhaberehepaar. Ob ich bei einer Rückkehr nach Pretoria wieder hier wohnen würde, weiß ich nicht. Die letzten Tage waren anstrengend, weil die beiden in einer Trennungsphase sind und vor allem sie stark darunter leidet. Der Umgang mit beiden war nicht immer einfach.
Als der Motor der Honda läuft, rückt das sofort in den Hintergrund und ich widme mich dem Start meiner Reise über die afrikanische Westroute bis nach Hause, worauf ich sehr gespannt bin.
Pretoria verlasse ich über eine Route, die ich gestern mit Franswa kurz besprochen habe, damit ich keine gefährlichen Viertel durchfahre. Anfangs bleibt der Regen zurückhaltend, kehrt aber in Nieselform immer wieder zurück. Die kühlen Temperaturen bleiben ebenfalls den ganzen Tag.
Am Hartbeespoort-Stausee gönne ich mir einen Cappuccino in einem der vielen Cafés. Die Region ist ein beliebtes Wochenendziel, entsprechend groß ist das Angebot an Restaurants, Läden und Cafés. Wieder auf der Enduro überquere ich die Staumauer. In ihrer Mitte steht eine Nachbildung des Arc de Triomphe im Kleinformat. Der Verkehr wird auf dem schmalen Damm als Einbahn geführt. Anhalten ist verboten. Schade, denn von dort oben hätte man einen guten Blick auf die weiter unten herabstürzenden Wassermassen.
Die weiteren Kilometer bis zu unserem Treffpunkt in Lichtenburg werden vom Wetter bestimmt. Nieselregen, starker Wind oder beides zusammen und kaum zu glauben sogar etwas Sonne mit einem Hauch Wärme. Überschwemmte Straßen muss ich keine durchqueren. Viele Felder stehen jedoch unter Wasser und die Pisten, die links und rechts von der Teerstraße wegführen, sind oft von Wasser und Schlamm überzogen.
Gegen vier Uhr erreiche ich die Unterkunft in Lichtenburg. Bernhard ist nur wenige Minuten früher angekommen. Er steht vor dem Tor und versucht den per WhatsApp erhaltenen Code einzugeben. Da es nicht funktioniert, überprüfen wir die Adresse und stellen fest, dass er auf der anderen Seite des großen Areals durch das Tor fahren muss und mein Bungalow zwar hier liegt, aber ein Tor weiter rechts.
Nachdem wir uns frisch gemacht haben, treffen wir uns zum Nachtessen, das bereits um 17 Uhr serviert wird. Den Rest des Abends plaudern wir über die bisherigen Erlebnisse und wie wir morgen nach Botswana weiterfahren.
Um halb neun fahren wir in Richtung Grenze nach Botswana los. Ich fahre vorne und habe ab jetzt eine rote Honda im Rückspiegel. Bernhard fährt die gleiche Maschine wie ich.
Wir haben uns für einen kleinen Grenzposten entschieden, der etwas weiter nördlich liegt. So können wir Gaborone, die Hauptstadt von Botswana, besser umfahren und hoffen auf weniger Lastwagenverkehr. Die zweihundert Kilometer bis dorthin vergehen schnell, weil nur wenige Ortschaften auf unserer Route liegen. In einer davon legen wir einen kurzen Tankstopp ein.
An der Grenze treffen wir auf keine weiteren GrenzgängerInnen. Die Immigration stempelt uns ohne Fragen aus. Der Zollbeamte zeigt sich jedoch uninformiert, da er nicht weiß, was ein Carnet de Passage ist und ob er dieses austempeln muss oder ob dies durch den letzten Staat der SACU-Gemeinschaft erledigt wird, wenn wir dort ausreisen. Das wäre bei uns Namibia. Betroffen ist nur das Carnet von Bernhard, das der südafrikanische Zoll im Hafen von Kapstadt eingestempelt hat. Mein Carnet ist von Botswana gestempelt. Bei meiner Einreise nach Südafrika konnte ich verhindern, dass sie es ebenfalls abstempeln. Schlussendlich stempelt der Zollbeamte Bernhards Carnet aus und wir fahren weiter zum Grenzposten von Botswana.
Auch hier ist kaum etwas los. Wir füllen das Einreiseformular aus und bekommen ohne Wartezeit den Einreisestempel für dreißig Tage. Das reicht uns völlig. Danach gehen wir weiter zum Zoll, wo wir direkt die Straßensteuer und Versicherung bezahlen können. Einen Teil davon muss ich nicht mehr entrichten, weil er noch von meiner Einreise vor fünf Wochen gültig ist.
Beim Abstempeln von Bernhards Carnet beginnen die Diskussionen erneut. Die botswanische Beamtin ist gut informiert und erklärt Bernhard, dass er innerhalb der SACU-Staaten das Carnet nicht abstempeln lassen muss. Sie weigert sich deshalb, sein Carnet zu stempeln, und meint, der südafrikanische Zoll hätte es nicht austempeln dürfen. Nach etwas Hin und Her und freundlichen Bitten erklärt sie sich dann doch noch bereit, den Einreisestempel zu machen, mit dem Hinweis, dass wir unsere Carnets erst wieder zeigen sollen, wenn wir von Namibia nach Angola reisen. Wir nicken, bedanken uns und sind froh, dass wir das klären konnten.
Beim Rausfahren aus dem Grenzposten werden wir von der Lebensmittelpolizei gestoppt und müssen mit unseren Stiefeln in ein Desinfektionsbecken treten. Die Räder der Motorräder werden im Gegensatz zu meiner letzten Einreise von Zimbabwe her nicht desinfiziert. Danach sind wir fertig und können nach Botswana einreisen.
Mittlerweile hat die Sonne das Wetter wieder übernommen, was das Fahren angenehmer macht. Gerade richtig, denn auf den kommenden zweihundert Kilometern gibt es nicht viel zu sehen, außer unserem Stopp beim Tropic of Capricorn Monument. Der heutige Höchststand der Sonne ist bereits vorbei, daher können wir nicht prüfen, ob wir genau auf dem Breitengrad keinen Schatten werfen und wenige Meter weiter südlich wieder schon.
Gegen fünf Uhr erreichen wir unsere Unterkunft in Mahalapye, die sich als großes neues Hotel entpuppt. Gleich daneben befindet sich eine Shoppingmall, wo wir kurz darauf eine SIM-Karte und etwas Proviant kaufen. Danach besprechen wir die morgige Route und ob Bernhard das auf der Strecke liegende Khama-Nashornschutzgebiet besuchen möchte, das vor über dreißig Jahren zum Schutz der Tiere gegründet wurde. Mich interessiert das weniger, da ich in den letzten Monaten schon viele Nashörner in verschiedenen Nationalparks gesehen habe. Da wir nicht wissen, ob eine Tour morgen oder übermorgen möglich ist, wollen wir morgen früh das Infocenter anrufen. Danach entscheiden wir spontan, wie wir weiterfahren.
Nach dem Frühstück ruft Bernhard mehrfach beim Infocenter an, bis endlich jemand den Anruf annimmt. Die Auskunft bleibt knapp, denn er soll seine Fragen per WhatsApp stellen. Er schreibt die Nachricht sofort, doch danach meldet sich niemand mehr. Wir entscheiden uns für die Weiterfahrt nach Serowe, wo wir zwei Nächte bleiben. Das Nashornschutzgebiet liegt nah, sodass Bernhard vor Ort klären kann, wann eine Tour möglich ist.
Diese Variante stand bereits gestern zur Diskussion. Jetzt reservieren wir die Zimmer im ausgesuchten Hotel auf einem Hügel. Die Unterkunft soll einen weiten Blick über die Umgebung bieten. Die Strecke nach Serowe umfasst etwas mehr als hundert Kilometer, wodurch wir ohne Eile unterwegs sind.
Auf halber Strecke erreichen wir Palapye. Vor fünf Wochen kam ich hier auf dem Weg nach Südafrika durch und fand damals ein gutes Café. Wir stehen wieder davor, müssen aber feststellen, dass es erst um zwölf öffnet. Eine Stunde warten ergibt für uns keinen Sinn, darum fahren wir weiter zu einer Shopping Mall mit Tankstelle.
Während wir die Motorräder betanken, spricht uns ein Angestellter an. Er zeigt uns eine Ein-Pfund-Münze und erzählt, dass er Geld aus verschiedenen Ländern sammelt und bereits viele Münzen und Noten von Reisenden erhalten hat. Auf meine Nachfrage, ob er Euro besitzt, antwortet er mit nein. Ich habe eine Fünf-Euro-Note dabei, die sich zum Geldwechseln nicht eignet, und sage ihm, dass wir gegenüber einem Kaffee trinken und ich ihm danach die Note bringe. Als ich zurückkomme und sie ihm gebe, ist seine Freude deutlich sichtbar. Natürlich hätte ich im lieber Schweizer Franken gegeben, aber leider habe ich keine Dabei. Anschliessend holt Bernhard am ATM botswanisches Bargeld, das er gestern zu besorgen vergessen hat.
Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir unser Hotel in Serowe. Die Gastgeber sind eine weisse botswanische Familie, die seit Generationen auf diesem Hügel lebt. Beide Eltern gehen an Stöcken, da sie sich unabhängig voneinander am Fuss verletzt haben. Ihr Sohn wohnt ebenfalls hier und übernimmt die notwendigen Wege für die Familie. Unsere gebuchten Bungalows bieten keine Aussicht, für die das Anwesen bekannt ist. Das ist für uns in Ordnung, denn wir haben uns aus Preisgründen für diese Kategorie entschieden. Die Besitzer bieten uns einen Wechsel gegen Aufpreis an, doch wir lehnen ab, da wir für die Aussicht nur wenige Meter zu Fuss gehen müssen.
Bevor Bernhard zum Schutzgebiet startet, bestellen wir unser Abendessen und das Frühstück. Danach fährt er los. Ich bleibe zurück, setze mich auf die Veranda meines Bungalows, lese und beschäftige mich mit der Planung der kommenden Etappen bis Kasane. Zwischendurch erscheint eine Nachricht von Bernhard. Er schreibt, dass er bereits jetzt an einer geführten Tour teilnehmen kann. Das kommt ihm entgegen und so muss er nicht morgen früh um 06.00 Uhr vor Ort sein, wie es auf der Webseite erwähnt ist. Kurz vor sechs kehrt er zurück, gerade richtig für das Abendessen.
Den folgenden fahrfreien Tag nutzen wir für den Online-Visaantrag für Namibia, das Schreiben des Reiseberichts und die Vorbereitung möglicher Aktivitäten im Chobe Nationalpark von Kasane aus.
Route und Downloads
Track & POI meiner Route
Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Start meiner Reise über die afrikanische Westroute nach Europa“
Autor und Inhaber der Marke Motoglobe