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Pointe Noire - kurzfristiger Reiseunterbruch

Pointe Noire - kurzfristiger Reiseunterbruch

02.01.2026 routen >> afrika hautnah

Beim gestrigen Nachtessen treffe ich erneut Thomas und Linda aus Tschechien, die ihr Auto von Soyo nach Cabinda mit der Autofähre verschifft haben. Ich dachte, sie seien schon lange weitergereist, weil ich sie nicht mehr gesehen habe. Ihr Auto konnten sie aber erst heute aus dem Hafengelände holen und haben nun einen Schaden an der Elektronik. Der ist zum Glück weniger gross als angenommen und das Auto läuft zumindest noch. Auch sie wollen morgen weiter nach Pointe-Noire reisen und wir vereinbaren, dass wir zusammen fahren, weil es unterwegs einige Checkpoints gibt, an denen es korrupte Polizisten geben soll. Zu zweit lässt es sich einfacher mit ihnen umgehen, sollten wir irgendwo damit konfrontiert werden.

 

Nach dem Frühstück treffe ich sie auf dem Parkplatz, wo sie noch etwas Zeit für ihre Vorbereitungen für die Weiterfahrt benötigen. Ich nutze den Spielraum, um zur nächsten Tankstelle für Nachschub zu fahren, im Wissen, dass dies eventuell schwierig sein könnte. Und so ist es dann auch. Es gibt zwei Tankstellen, wovon die eine geschlossen ist und bei der anderen ein riesiger Tumult herrscht, weil gerade Benzin angeliefert wird und alle die Ersten sein wollen, die etwas davon abbekommen. Das würde wohl Stunden dauern, bis ich hier Benzin ergattern könnte, wenn überhaupt. Zum Glück ist die Strecke nach Pointe-Noire mit 140 km gerade noch im Bereich meiner Benzinreserven. Das sollte hoffentlich klappen.

 

Wieder zurück auf dem Parkplatz sind Thomas und Linda bereit und wir fahren los. Weil ich mich mit dem Motorrad viel agiler durch den Verkehr bewegen kann, fahren sie vor mir. Wir kommen gut durch die Stadt und passieren die ersten beiden Checkpoints ohne Zwischenfälle. Im ersten Teil der Strecke zur Grenze verläuft die Strasse in der Nähe des Meeres entlang. Bei Lândana durchqueren wir ein kurzes Stück durch ein Feuchtgebiet mit Mangroven und schöner Sicht auf die Bucht. Danach biegt die Strasse ins Landesinnere ab, wo sie mitten durch den Dschungel führt. Einige Kilometer vor der Grenze tauchen die Checkpoints erneut auf und wir müssen zweimal anhalten. Ausser einem freundlichen Hallo und der Frage, wohin wir wollen, möchten die Beamten nichts weiter von uns.

 

Die Grenze kündigt sich mit regem Treiben neben und auf der Strasse an und wir müssen im Schritttempo die letzten paar hundert Meter bis zum angolanischen Grenzposten fahren. Kaum abgestiegen, steht schon ein Helfer neben mir und redet mir die Ohren voll. Ich bremse ihn mit einer Handbewegung etwas aus und gebe ihm zu verstehen, dass wir keine Hilfe brauchen. Wie üblich nützt das nicht viel und er folgt uns ab hier auf Schritt und Tritt.

 

Zuerst geht es zur Immigration, wo wir eine Kopie unserer Pässe und der Gelbfieberimpfung abgeben müssen. Wieso dies notwendig ist, fragen wir lieber nicht, weil es darauf keine Antwort gibt. Es ist einfach so. Danach stempelt uns die Beamtin zu unserer Überraschung bereits aus und gibt uns die Pässe zurück. Wir drehen uns ab und wollen den Schalter verlassen, als hinter uns eine andere Beamtin ruft, dass wir zuerst noch ein Formular ausfüllen müssen. Ich interveniere ein wenig, da wir ja bereits ausgestempelt sind, was leider nichts nützt. Es dauert eine weitere Viertelstunde, bis wir das Formular mit unzähligen Fragen ausgefüllt haben und der Beamtin, die neben uns wartet, abgeben. Danach verweist sie uns an einen anderen Schalter, wo eine Beamtin mit ihrem Handy mit uns mitkommt und Fotos von uns und unseren Fahrzeugen macht.

 

Endlich fertig, gehen wir zum Zollschalter für die Fahrzeuge. Mir graut es schon, was für ein bürokratischer Aufwand hier auf uns wartet. Ich gebe meine vom Zoll erstellten Papiere ab und staune nicht schlecht, als der Beamte mir eines der Formulare zurückgibt und meint, das gehöre mir und ich könne gehen. Ungläubig frage ich nach, ob das alles war und ich weiterfahren kann, worauf er nickt. Das Gleiche passiert beim tschechischen Paar und keine fünf Minuten später stehen wir erneut bei den Fahrzeugen. Der Helfer ist uns die ganze Zeit gefolgt und wittert nun seine Chance und fragt, ob wir Geld wechseln wollen. Wir nicken, da es von Vorteil ist, etwas Bargeld dabei zu haben, wenn man in ein neues Land einreist.

 

Anschliessend verlassen wir das angolanische Grenzgelände und fahren durch zwei Schranken in die Republik Kongo. Ich halte an und schaue mich nach dem Immigrationsgebäude um. Leider sieht nichts danach aus, weshalb ich einen Polizisten in schicker Uniform, die ziemlich französisch aussieht, frage, wo die Immigration ist. Er zeigt auf ein Haus etwa 20 Meter entfernt. Rund um das Haus bewegen sich viele Menschen. Hinein geht jedoch niemand. Es sieht so aus, als ob die lokale Bevölkerung beider Länder ohne Ausweiskontrolle über die Grenze kann. Jedenfalls sehe ich niemanden, der den fortlaufenden Strom an Menschen kontrolliert.

 

Zwischenzeitlich haben es Thomas und Linda mit ihrem Auto ebenfalls durch die Schranken und die Menschenmenge geschafft und wir gehen zu dritt ins Gebäude hinein, wo tatsächlich ein kleiner Schalter der Immigration ist. Wir werden freundlich auf Französisch begrüsst und erhalten den Einreisestempel ohne weitere Fragen. Vermutlich reisen die wenigen Touristen über diese Grenze alle mit einem Visum von der kongolesischen Botschaft in Luanda ein, weshalb der Beamte keine Fragen stellt. Auf unsere Frage, wo das Zollbüro ist, verweist er uns auf das Gebäude auf der anderen Strassenseite, das wie ein Wohnblock aussieht. Dort erwartet uns ein Polizist, der darauf besteht, dass wir mit ihm Französisch sprechen, was ich gerade noch einigermassen schaffe und für uns drei rede. Das stimmt den Beamten freundlich und wir bekommen unsere Carnet de Passage innert Minuten abgestempelt und können gehen. Super, das waren keine 30 Minuten Zeitaufwand für die Einreise in die Republik Kongo.

 

Bevor wir weiterfahren, verabschiede ich mich von Thomas und Linda. Obwohl wir bis Pointe-Noire zusammen fahren werden, trennen sich danach unsere Wege. Sie haben sich in der Nähe des Strandes ein Apartment für einige Tage gemietet, bevor sie danach weiter nach Gabun fahren.

 

Die Fahrt in die Stadt wird anstrengender als gedacht. Die Strasse ist in einem schlechten Zustand und der Verkehr wird, je näher wir Pointe-Noire kommen, dichter und chaotischer. Meine Benzinanzeige leuchtet mittlerweile auch schon auf. Leider sind die ersten auftauchenden Tankstellen alle geschlossen. Erst in einem der Vororte finde ich eine offene Tankstelle mit Benzin. Danach steuere ich eine Bank mit sicherem Parkplatz an, wo ich gemäss der Reise-App iOverlander mit meiner VISA-Debitkarte Geld beziehen kann. Leider ist diese heute Samstag ab 12.00 Uhr geschlossen, wie mir der Security Guard am Tor mitteilt. Das gleiche Bild treffe ich beim MTN-Telecom-Shop an, wo ich eine SIM-Karte kaufen möchte. Auch sie haben am Samstag ab Mittag geschlossen. Schöner Mist. Da muss ich am Montagmorgen, bevor ich weiterfahre, zuerst hierher zurück mitten in die Stadt fahren, um Geld und eine SIM-Karte zu bekommen.

 

Meine Unterkunft liegt etwa fünf Kilometer vom Zentrum entfernt. Wäre nicht weit, wenn der Verkehr und die hundsmiserable Strasse nicht wären. Als ich dann endlich auf die Quartierstrasse zur Unterkunft abbiegen kann, erwartet mich gleich eine riesige Wasserpfütze, die ich knapp am Rand umfahren kann. Kurz dahinter wartet schon die nächste auf mich. Auch hier schaffe ich es knapp am Rand vorbei. Hindurchfahren ist bei dem sandigen Untergrund und der Tiefe der Wasserpfützen eine schlechte Idee. Jedenfalls drehen die Taxis, die mir entgegenkommen, alle wieder um, weil sie wissen, dass hier kein Durchkommen möglich ist.

 

Durchgeschwitzt klingele ich kurz danach am Tor meiner Unterkunft und bekomme Einlass. Mein Zimmer ist gemütlich und durch die von der Mitarbeitenden eingeschaltete Klimaanlage schön kühl. Gerade richtig, um den Rest des Tages ausklingen zu lassen.

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Bei der Morgentoilette verspüre ich erneut ein leichtes Brennen. Das fühlt sich nicht gut an. Beim Frühstück fülle ich als Erstes meine Wasserspeicher und gehe anschliessend auf die Dachterrasse. Dort oben weht hin und wieder etwas Wind, was die hohe Luftfeuchtigkeit von 90 % und die 30 Grad Wärme etwas erträglicher macht. Dabei kann ich einige Fotos der Umgebung machen, die nicht darauf schliessen lassen, dass ich mich in der zweitgrössten Stadt der Republik Kongo mit 1,4 Mio. Einwohnern befinde.

 

Leider verstärkt sich das Brennen bei den nächsten Toilettengängen, was darauf hindeutet, dass die Entzündung nicht richtig ausgeheilt war und nun zurückkommt. Nach einigen Überlegungen entschliesse ich mich, nach Hause zu fliegen, bevor die Entzündung ein gefährliches Ausmass annimmt. Die medizinische Versorgung vor Ort ist deutlich schlechter als in Angola, weshalb ich davon ausgehen muss, keine ausreichende Behandlung zu erhalten.

 

Aufgrund der Badestrände verfügt Pointe-Noire über einen internationalen Flughafen mit Verbindungen nach Europa. Bevor ich einen Flug buche, kläre ich mit der Unterkunft, ob ich meine Honda hierlassen kann. Nachdem die Mitarbeitenden das Okay vom Inhaber erhalten haben, der in Brazzaville wohnt, zeigen sie mir einen Platz unter einer Pergola, wo ich die Honda abstellen kann. Ich bedanke mich und buche danach gleich meinen Flug mit Air Ethiopien, mit der ich bereits morgen Mittag abfliegen und am darauffolgenden Morgen in Zürich ankommen kann. So kann ich nach einem Kleiderwechsel zu Hause direkt zum Arzt gehen.

 

Es ist keine einfache Entscheidung, meine Reise zu unterbrechen und nach Hause zu fliegen. Meine Beschwerden nehmen jedoch gegen Abend weiter zu, was mir zeigt, dass meine Entscheidung richtig ist. Meine Gesundheit geht vor, unabhängig von den Konsequenzen.

 

Als ich ins Bett gehe, ist mein Material auf der Honda verstaut und die Enduro mit der Blache abgedeckt. Mein Reisegepäck ist ebenfalls gepackt. Ich bin bereit für meine Reise nach Hause.

 

Die Nacht verläuft besser als gedacht und beim Frühstück fühle ich mich fit genug für die Kommende 17-stündige Reise. Im Wissen, dass die Fahrt zum Flughafen herausfordernder sein kann, als sie aussieht, bestelle ich früh genug über die Mitarbeiterin ein Taxi. Danach beginnt das Warten. Als nach drei Viertelstunden noch kein Taxi vor der Türe steht, bitte ich die Mitarbeiterin, nochmals anzurufen, was sie etwas widerwillig tut. Für sie sind lange Wartezeiten normal. Als sie auflegt, meint sie, dass das Taxi nicht kommen wird, weil es bei den grossen Wasserpfützen nicht durchkommt. Die Mitarbeiterin ruft einen Kollegen und erklärt ihm die Situation. Anschliessend teilt sie mir mit, dass er mich bis zur Hauptstrasse begleiten wird, um dort ein Taxi anzuhalten, das mich zum Flughafen bringt.

 

Zwanzig schwitzige Laufminuten später stehen wir an der Hauptstrasse, wo jedes zweite Auto ein Taxi ist, aber alle besetzt sind. Es dauert weitere zehn Minuten, bis der Mitarbeiter ein Taxi anhalten kann, das bereit ist, mich zum zehn Kilometer entfernten Flughafen zu fahren. Vor dem Einsteigen handeln wir den Preis aus, der mit 2.50 € im normalen Rahmen liegt.

Für die kurze Distanz benötigen wir anschliessend eine weitere Stunde. Die Strassen sind in einem derart schlechten Zustand, dass wir meist nur im Schritttempo fahren können. Läuft es etwas besser, bremst uns der dichte Verkehr. Dazwischen muss der Taxifahrer zweimal anhalten, weil seine vordere Stossstange durch die vielen Schlaglöcher locker ist und er sie mit Draht befestigen muss. Schliesslich hält er vor dem Flughafen. Es zeigt sich, dass es richtig war, die Fahrt frühzeitig zu organisieren. Ich habe jetzt immer noch genügend Zeit zum Einchecken. Der Flughafen ist zum Glück klein und übersichtlich, und da nur sechs Flüge pro Tag abfliegen, ist das Passagieraufkommen gering.

 

Dafür sind die Sicherheitskontrollen überdimensioniert. Ich muss insgesamt fünf Kontrollen passieren, bevor ich vor dem Abflugterminal stehe, wo ich und mein Handgepäck erneut gründlich überprüft werden, bevor ich am Gate auf den Abflug warten darf. Zwei Stunden später fliegen wir pünktlich nach Addis Abeba ab. Trotzdem kommen wir eine Stunde verspätet an, weil der Pilot zahlreiche Warteschleifen fliegen muss, bevor er landen darf. Mein Weiterflug nach Mailand und Zürich geht erst drei Stunden später, weshalb mich die Verspätung nicht stresst.

 

Der Flughafen in Addis Abeba ist riesig. Bevor wir in die Transithalle dürfen, müssen alle Passagiere erneut durch eine Sicherheitskontrolle, was über eine halbe Stunde dauert, da das Passagieraufkommen enorm ist. Danach ist Laufen angesagt, denn mein Terminal liegt ziemlich weit entfernt.

 

Einige Zeit später sitze ich erneut im Flugzeug und fühle mich schlecht. Ich entscheide mich deshalb, eine Ibuprofen-Tablette einzunehmen, obwohl dies fürs Fliegen nicht empfohlen wird. Nachdem das Boarding abgeschlossen ist, bleiben die beiden Sitze neben mir leer. Eine angenehme Überraschung. So kann ich mich nach dem Start hinlegen und bis kurz vor Mailand durchschlafen. Danach geht es mir deutlich besser. In Mailand müssen die Passagiere nach Zürich das Flugzeug nicht verlassen, da es nach einer Stunde weitergeht. In Zürich angekommen, geht alles schnell und ich bin innerhalb von 30 Minuten zu Hause. Eine Stunde später sitze ich bereits in der Arztpraxis und schildere meine Geschichte.

 

Wegen der Festtage dauert die Auswertung der Tests etwas länger und ich erhalte die genauen Resultate erst am darauffolgenden Montag. Es handelt sich um eine Blasenentzündung, ausgelöst durch E.-coli-Bakterien, die leider gegen mehrere Antibiotika resistent sind, weshalb die erste Behandlung in Luanda vermutlich nicht gewirkt hat und auch mein jetziges Medikament nicht das richtige ist. Der Arzt empfiehlt, auf ein Antibiotikum umzustellen, das täglich per Infusion verabreicht wird. Dieses wirke deutlich intensiver. Das sei notwendig, damit sich der Keim nicht in der Prostata einnistet, wo er später kaum mehr zu beseitigen wäre. Das leuchtet mir ein. Somit muss ich bis Sonntag, den 18.01.2026, täglich in die Arztpraxis für die Infusion. Verläuft alles normal, kann ich danach meine Reise fortsetzen. Eine hundertprozentige Garantie, den Keim vollständig loszuwerden, gibt es jedoch nicht. Deshalb erhalte ich vom Arzt ein Notfallmedikament, das ich einnehmen kann, falls die Entzündung erneut ausbricht. Das würde mir Zeit geben, innerhalb einer Woche wieder nach Hause zu reisen. Dieses Szenario würde jedoch den definitiven Abbruch meiner aktuellen Reise bedeuten, was ich natürlich nicht hoffe.

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Pointe-Noire – kurzfristiger Reiseunterbruch“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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