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Lamu Town - die älteste Swahili-Siedlung Ostafrikas

Lamu Town - die älteste Swahili-Siedlung Ostafrikas

23.08.2025 routen >> afrika hautnah

Wegen des anhaltend schlechten Wetters entscheide ich mich, schneller nach Nairobi zu fahren als ursprünglich geplant. Es macht keinen Sinn, in die Teeplantagen-Region zu fahren, wenn das Wetter über mehrere Tage nicht mitspielt. Ab Nairobi in Richtung Küste oder in Richtung Süden nach Tansania ändert sich die Wetterzone und es regnet deutlich weniger.

 

Ein erster Blick aus dem Fenster lässt meine Morgenstimmung aufhellen. Ich sehe zwar Wolken, aber auch viel blauen Himmel. Beim Frühstück bin ich heute ganz alleine. Die kleine Laufgemeinschaft ist vermutlich am Trainieren. Etwas später räume ich mein Zimmer, bepacke die Enduro und brause los zur nächsten Tankstelle, wo es Flüssiges für den Honda-Motor gibt.

 

Iten liegt oberhalb des Kerio Valley, das Teil des afrikanischen Grabenbruchs ist. Gleich beim Ortsausgang erreiche ich die Abbruchkante hinunter ins 1.100 Meter tiefer gelegene Tal. Leider versperren mir beim obersten Aussichtspunkt unzählige Restaurants und extra erbaute Aussichtsterrassen die freie Sicht. Auf der Fahrt hinunter bekomme ich dann doch noch einige Weitblicke. Gewaltig.

 

Unten im Tal angekommen, überquere ich den Kerio-Fluss und fahre danach am anderen Ende des Tals durch die Tugen-Hügel erneut hinauf auf über 2’000 Meter über Merr. Die Fahrt ist eindrucksvoll, wird jedoch von aufziehenden grauen Regenwolken getrübt. Diese Region wurde durch Fossilienfunde bekannt, die für die Erforschung der menschlichen Abstammung von Bedeutung sind. Eine Stunde später erreiche ich die über 1.000 Meter tiefer gelegene Ortschaft Marigat und lege bei einem kleinen Kaffee an der örtlichen Tankstelle eine Pause ein. Wieder im Sattel der Enduro überquere etliche Kilometer ein letztes Mal in Ostafrika den Äquator und zwar in Richtung Süden. Als ich ankomme, ist gerade eine größere Touristengruppe aus Asien eingetroffen und nimmt alles in Beschlag. Da solche Gruppen meistens nicht viel Zeit haben, stelle ich mich zur Seite und warte. Dabei werde ich von etlichen Souvenirverkäuferinnen angesprochen. Sie merken schnell, dass ich nichts kaufen will, und widmen sich wieder der Touristengruppe.

 

Als die ersten der Gruppe zu ihren Autos gehen, fragen mich zwei davon mit starkem amerikanischem Englisch-Slang, woher ich komme. Ich erzähle etwas von meiner Reise und frage zurück, woher sie sind. Sie erwidern: aus Kanada und den USA. So kann man sich schnell einmal irren, wenn man nur auf das Aussehen der Menschen schaut. Es gesellen sich immer mehr aus der Gruppe dazu, auch einer der Tourguides, der, wie sich herausstellt, einige Bekannte in der Schweiz hat. Als dann der Chef der Tourguides zum Aufbruch ruft, ist der Platz im Nu leergefegt. Ich kann nun in Ruhe die Honda zwischen die beiden Äquator-Tafeln stellen und ein Foto schießen. Dabei winken mir einige der Souvenirverkäuferinnen zu und rufen: „Dein Warten hat sich gelohnt.“ Ich winke zurück und freue mich über die Freundlichkeit der Verkäuferinnen.

 

Wieder auf der Honda gelange ich eine halbe Stunde danach zu meiner Unterkunft, die außerhalb der größeren Stadt Nakuru liegt, wo gleich daneben der gleichnamige Nationalpark mit See beginnt. Nachdem ich mich einquartiert habe, bestelle ich ein frühes Nachtessen. Kaum bin ich fertig, trifft eine größere Reisegruppe aus Indien ein und nimmt sowohl das kleine Guesthouse als auch das Restaurant in Beschlag. Gut, dass ich schon bestellt und gegessen habe. So kann ich mich entspannt zurückziehen, während das Personal kaum mehr nachkommt, um die Gruppe zu versorgen.

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Als ich im Restaurant zum Frühstück erscheine, hat die Touristengruppe das Buffet weitgehend geplündert und das Personal ist wie gestern Abend mit den vielen Gästen überfordert. Schlussendlich bekomme ich dann doch noch ein paar Toastbrote, zwei hartgekochte Eier und einen Kaffee.

 

Beim Bepacken der Honda steht plötzlich ein älterer Mann aus der indischen Gruppe vor mir und sagt, dass er mein Motorrad super findet. Dann fragt er, was für eine Reise ich mache. Ich erzähle in kurzen Zügen, wie meine Route aussieht. Daraufhin wiederholt er, dass er mein Motorrad super findet, verabschiedet sich im gleichen Atemzug und geht hinüber zum Reisebus. Ich höre, wie er dort drinnen alleine redet, während fast alle zu mir hinüberschauen. Vermutlich ist er der Einzige, der Englisch spricht, und kam deshalb zu mir, um jetzt der Gruppe kurz zu erzählen, was ich mache.

 

Kurz darauf brausen sie los – und ich ebenfalls. Heute am frühen Nachmittag erreiche ich Nairobi, wo ich mich in der bekannten Jungle Junction, einer bei Overlandern beliebten Unterkunft mit Werkstatt und Langzeitparking, für zwei Nächte einquartiere.

 

Die ersten 80 Kilometer verlaufen normal, auch wenn der Verkehr ziemlich stark ist, da es zwischen Nakuru und Nairobi nur eine Hauptverkehrsachse gibt. Dann setzt leichter Regen ein, dem ich mit einer Kaffeepause zu entfliehen hoffe. Doch daraus wird nichts, und als ich weiterfahre, beginnt es kurz darauf richtig zu regnen. Zudem steigt die Straße auf 2.500 Meter an, was neben Regen auch leichten Nebel und recht kühle Temperaturen mit sich bringt. Zusammen mit dem dichten Verkehr wird die Fahrt von Minute zu Minute anstrengender und gefährlicher. In Kenia wird zwar nicht ganz so wild und skrupellos überholt wie in Uganda, doch es gibt immer noch genügend Autofahrer, die mich bei ihren Überholmanövern von der Gegenspur fast von der Fahrbahn drängen.

 

Als ich endlich die Außenbezirke von Nairobi erreiche, wird der Verkehr vor einem Kreisverkehr von der Polizei gestoppt. Passiert ist nichts, das kann ich sehen. Vermutlich ist die Sperrung für den Konvoi einer politischen Persönlichkeit. Ganze 30 Minuten später rauscht dieser Konvoi durch den Kreisel und endlich ist die Fahrbahn wieder frei. Während der gesamten Zeit hat es wie aus Kübeln geregnet. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich auf einer Motorradfahrt schon einmal derart nasse Motorradkleider hatte wie heute bei der Ankunft in der Jungle Junction.

 

Der Regenschutz meiner Motorradjacke ist so konzipiert, dass die wasserdichte Schicht unter der Jacke getragen wird. Deshalb läuft jetzt beim Absteigen das Wasser wie ein kleiner Bach aus beiden Ärmeln. Als ich meine Kleidung im Schrank des Zimmers aufhänge, muss ich während einer Stunde alle zehn Minuten die Wasserpfütze am Boden aufwischen. Unglaublich. Und was ebenfalls unglaublich ist: Es ist der erste Fahrtag seit sechs Jahren, an dem ich wegen der widrigen Umstände kein einziges Foto gemacht habe.

 

Nach dem Frühstück setze ich mich vor meinen Laptop und schaue mir auf der Karte meine Optionen an, wie meine Reise weitergehen könnte. Von Regen und verkehrsreichen Hauptverkehrsadern habe ich definitiv genug. Somit fällt Mombasa – und damit auch die Küste in dieser Region – weg, weil von Nairobi nur eine Straße nach Mombasa führt. Diese ist bedingt durch den Hafen in Mombasa die meistbefahrene Straße des Landes.

 

Dann wäre da die Insel Lamu mit der gleichnamigen Ortschaft, der ältesten Swahili-Siedlung in Ostafrika. Bedingt durch die nahe Lage zu Somalia gilt die Region jedoch als unsicher. Das Gleiche trifft auf den Lake Turkana zu, der an die Grenzen von Äthiopien und Südsudan stößt.

 

Während ich noch am Abwägen bin, taucht der Inhaber der Jungle Junction auf. Ich unterhalte mich ein wenig mit ihm und nutze die Gelegenheit, ihn nach seiner Einschätzung zu fragen. Auch für ihn ist Mombasa wegen des Verkehrs die schlechteste Wahl. Auf Lamu war er längere Zeit und findet es großartig. Er würde allerdings einfach dorthin fliegen und nicht fahren. Nicht einmal unbedingt wegen der Sicherheitsbedenken, sondern auch, weil die Fahrt hunderte Kilometer durch ödes Buschland führt. Am meisten hat ihm jedoch der Lake Turkana gefallen, landschaftlich sei er einzigartig. Aber: die Anfahrt ist weit, die Straßenverhältnisse sind teilweise schwierig – und auch die Sicherheitslage ist nicht die beste.

 

Als er weitermuss, gehe ich nochmals alle Optionen durch – unter anderem auch die, Kenia bereits wieder zu verlassen und weiter nach Süden zum Kilimanjaro in Tansania zu fahren. Nach einem weiteren Kaffee entscheidet sich mein Bauchgefühl für die Insel Lamu. Einerseits möchte ich noch etwas mehr von Kenia sehen, andererseits interessiert mich Lamu Town, das sehr arabisch geprägt sein soll, reich an Geschichte ist und durch seine Insellage ohne Brücke zum Festland bis heute autofrei geblieben ist. Vieles soll hier noch so sein wie früher.

 

Da ich die Honda ohnehin nicht mit auf die Insel nehmen könnte und sie in der Ortschaft abstellen müsste, von wo die Fähre ablegt, entscheide ich mich fürs Fliegen. Im Internet finde ich auf Anhieb eine günstige Flugverbindung für morgen – und drei Tage später wieder zurück. Die Buchung dauert nicht lange, und auch die Suche nach einer Unterkunft geht schnell. Ich finde ein günstiges Zimmer in einem Guesthouse, das mitten im historischen Teil von Lamu Town liegt.

 

Den Rest des Tages versuche ich, meine Sachen trocken zu bekommen. Zudem bekommt die Enduro in der Abstellgarage für Motorräder in der Jungle Junction einen Parkplatz bis Samstag. Viel mehr läuft an diesem Tag nicht mehr.

Mein Flug verlässt den Flughafen Nairobi um 09.00 Uhr. Wegen des hohen Morgenverkehrs empfiehlt mir der Inhaber der Jungle Junction, bereits um 06.00 Uhr loszufahren. Uber ist in Nairobi gang und gäbe, jedoch sind wir hier außerhalb der Stadt, und so früh am Morgen ist es nicht garantiert, dass ein Fahrzeug verfügbar ist. Ich buche deshalb eine Fahrt mit dem Taxi, das für die Unterkunft arbeitet. Das kostet zwar etwas mehr, dafür ist er um 06.00 Uhr hier und bringt mich auf dem schnellsten Weg zum Flughafen.

 

Die Fahrt klappt besser als gedacht und ich bin kurz vor 07.00 Uhr am Domestik Terminal. Auch in Nairobi muss man durch eine Sicherheitskontrolle, bevor man überhaupt auf den Parkplatz des Flughafens fahren darf. Dann gibt es eine weitere Kontrolle, um ins Terminal zu gelangen, und zu guter Letzt die übliche Sicherheitskontrolle vor dem Gate. Die Handhabung ist jedoch lasch, ich muss nirgends mein Handgepäck öffnen – obwohl Laptop und Flüssigkeiten darin sind. Es wirkt eher wie eine Alibiübung.

 

Wie auch immer: Ich bestelle mir im kleinen Café beim Gate einen Cappuccino und warte, bis das Boarding beginnt. Da ich bereits gestern Abend online eingecheckt habe, brauche ich keine Bordkarte mehr. Als ich dann anstehe, verweist mich die Angestellte ohne Erklärung zu einem anderen Terminal. Gleichzeitig höre ich, wie mein Name ausgerufen wird, mit der Information, dass ich mich umgehend bei dem von ihrem genannten Terminal einfinden soll. Das mache ich sofort, und nach nur wenigen Schritten um eine Mauer herum erreiche ich das richtige Gate. Die Mitarbeiterin weist mich direkt über das Rollfeld zum Flugzeug. Wieso ich nun hier einchecken musste, finde ich nicht heraus. Vermutlich hat sich das Gate geändert, ohne dass es auf der Anzeigetafel angezeigt wurde. Da ich nicht am Schalter eingecheckt habe, habe ich die Information verpasst. Macht alles nichts: Ich sitze im vollbesetzten Propellerflugzeug, die Türen schließen, und schon geht es los. Der Flug verläuft für ein Propellerflugzeug erstaunlich ruhig, und wir landen nach nur einer Stunde – 20 Minuten früher als geplant – auf der Nebeninsel Manda.

 

Meine Unterkunft in Lamu Town hat mir angeboten, mich am Flughafen abzuholen, was ich gerne annehme. Einerseits muss ich mit einem Boot von Manda Island nach Lamu Island übersetzen, andererseits ist es einfacher, im Gassenwirrwarr die Unterkunft zu finden. Der Flughafen ist winzig. Wir steigen mitten auf der Rollbahn aus und laufen zu Fuß zum kleinen Gebäude, wo ein älterer Herr mit einem Zettel mit meinem Namen drauf auf mich wartet. Neben ihm stehen viele Einheimische, die mir trotz des Begleiters versuchen, eine Fährfahrt zu verkaufen oder mein Handgepäck die 300 Meter bis zum Steg zu tragen. Am Steg gibt es unzählige Boote, in die die Fluggäste einsteigen. Mein Begleiter weist mich auf ein Boot gleich am Anfang. Dort sitzen bereits mehrere Passagiere mit Schwimmwesten. Ich nehme ganz hinten neben dem Captain Platz und bin froh, nur Handgepäck dabei zu haben. Mit mir ist das Boot voll, und die Fahrt beginnt. Der Wind ist stark, was zu Wellen führt, die das kleine Boot ordentlich schwanken lassen. Der Captain nimmt das locker und lacht, als er meinen Blick bemerkt. Vermutlich amüsiert er sich über uns Gäste, die solche Bootsfahrt-Schaukelei nicht gewohnt sind.

 

In Lamu Town angekommen, führt mich mein Abholer durch die engen Gassen direkt zu meinem Guesthouse, wo ich von Albert, dem Inhaber, freundlich empfangen werde. Er kommt aus Deutschland und lebt seit über 15 Jahren auf Lamu Island. Früher war er selbst mit dem Motorrad unterwegs und ist schließlich hier hängen geblieben. Er zeigt mir mein Zimmer, das einfach, aber komfortabel eingerichtet ist. Anschließend serviert er mir einen frisch gepressten Fruchtsaft auf der Dachterrasse und erklärt mir anhand einer kleinen Karte, was ich in Lamu Town alles finden kann. Außerdem erzählt er, welche Touren ich über ihn buchen kann. Danach brauche ich erst einmal eine Pause, trinke einen Kaffee auf der Dachterrasse und entspanne anschließend im Zimmer.

 

Als sich die ersten Hungergefühle melden, verlasse ich das Guesthouse. Zuerst setze ich jedoch in der Organic Maps App einen Marker für die Unterkunft, um im Gassenwirrwarr sicher zurückzufinden. Keine zehn Minuten später sitze ich im ersten Stock eines einfachen Lokals beim Bootssteg und bestelle gegrillten Fisch. Mit der Aussicht schmeckt er doppelt so gut. Als ich bezahle, staune ich über den günstigen Preis von nur € 3,50 für Fisch und Getränk. Albert hatte mir schon erzählt, dass die Preise auf der Insel noch immer sehr niedrig sind – so billig hätte ich es aber nicht erwartet.

 

Den Rest des späten Nachmittags spaziere ich etwas durch die Gassen. Wieder zurück im Guesthouse buche ich bei Albert für morgen eine zweistündige Tour durch Lamu Town mit einem lokalen Guide. So erfahre ich hoffentlich einiges über diesen geschichtsträchtigen Ort.

Beim Frühstück lerne ich zwei andere Gäste kennen. Sie kommt aus dem Baskenland in Spanien und war drei Wochen mit einer Reisegruppe durch Kenia unterwegs. Lamu Town stand damals nur für einen Tag auf dem Programm, aber es gefiel ihr so gut, dass sie spontan für eine ganze Woche zurückgekehrt ist. Er kommt aus Deutschland und arbeitet seit einem Jahr in Nairobi bei der UNO im Bereich Abfallentsorgung. Mit so unterschiedlichen Gesprächspartnern entstehen spannende Gespräche, und da niemand es eilig hat, dehnt sich das Frühstück über zwei Stunden.

 

Danach organisiert Albert den Tourguide für meinen Rundgang durch Lamu Town. Hier läuft alles unkompliziert: Albert ruft den Guide an, und wenn er Zeit hat, steht er eine halbe Stunde später vor der Tür. Bei mir klappt es perfekt.

 

Der Guide heißt Hassan und lebt seit über 40 Jahren in Lamu Town. Während wir durch die engen Gassen streifen, erzählt er mir von der früheren Organisation des alten Stadtteils. Es gab drei Kommunen mit je rund 25 Häusern. Diese Häuser waren über kleine Durchgänge miteinander verbunden, in denen sich vor allem Frauen und Kinder bewegten. Die Männer arbeiteten draußen und Besucher wurden in kleinen Innenhöfen empfangen – in die Häuser selbst durften sie nicht.

 

Der alte Teil von Lamu Town besteht seit über 700 Jahren und gilt als die älteste Siedlung Kenias. Er entstand durch den regen Schiffshandel zwischen der arabischen Halbinsel und der ostafrikanischen Küste bis nach Mosambik. Deshalb ist Lamu stark von der arabischen Kultur geprägt und der muslimische Glaube prägt das Leben bis heute. Viele Frauen sind vollverschleiert und die engen Gassen wirken, als sei die Zeit stehengeblieben. Hassan erklärt mir auch die Bauweise: von außen sehen die Häuser oft schlicht und ähnlich aus, innen jedoch verbergen sich teilweise kleine Paläste. Immer mehr Ausländer kaufen solche Häuser und renovieren sie – allerdings unter strengen Auflagen, da die Altstadt 2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

 

Auch der neue Teil von Lamu ist spannend. Dort steht die große Moschee, die jedes Jahr während einer dreitägigen Feier im Mittelpunkt steht. Neben Gebeten gibt es sportliche und soziale Veranstaltungen: Schwimmwettkämpfe, Eselrennen, Seilziehen, Esswettbewerbe. Hassan meint, der Anlass sei so bekannt, dass Gläubige aus allen Nachbarländern anreisen.

 

Nach zwei Stunden verabschiede ich mich von Hassan und genieße die Ruhe auf der Dachterrasse des Guesthouses. Später bestelle ich mir ein Mittagessen in einem kleinen Restaurant und besuche anschließend das Museum von Lamu. Dort erfahre ich noch mehr über die Geschichte und den Alltag der Stadt – wieder mit starkem arabischem Einfluss.

 

Mehr geht heute nicht in meinen Kopf. Zurück im Guesthouse sitze ich mit Albert und den beiden anderen Gästen auf der Veranda, und wir lassen den Tag in gemütlichen Gesprächen ausklingen.

Heute möchte ich von Lamu Town in die Nachbarortschaft Shela laufen. Es sind rund vier Kilometer und je nach Flut oder Ebbe führt der Weg ganz am Meer entlang – oder ich muss zwischendurch ins Landesinnere ausweichen. Shela ist viel jünger als Lamu, entstanden mit dem aufkommenden Tourismus. Entsprechend soll es moderner sein, mit vielen Unterkünften, teils auch sehr luxuriös.

 

Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg. Etwa auf halber Strecke komme ich am Spital vorbei, das vor einigen Jahren von Saudi-Arabien gestiftet wurde – als Anerkennung für die historische Bedeutung, die Lamu seit jeher für die arabische Halbinsel hat.

 

Von dort führt der Weg direkt am Strand entlang, der allerdings nur bei Ebbe begehbar ist. Ich gehe an mehreren neu erbauten Villen vorbei und erreiche nach einer halben Stunde Shela. Die Hitze ist heute deutlich stärker als an den Tagen zuvor und ich bin froh, im Schatten durch die Gassen gehen zu können.

 

Schnell merke ich, dass mir das moderne Flair im Vergleich zur historischen Altstadt von Lamu weniger zusagt. Statt lange herumzulaufen, setze ich mich deshalb in ein Restaurant direkt am Strand, das mir Albert aus dem Guesthouse empfohlen hat. Als ich die Karte aufschlage, muss ich ihm Recht geben: Die Preise sind hier mindestens doppelt so hoch wie in Lamu. Verrückt, wie vier Kilometer den Unterschied machen können. Dafür hat Shela etwas, das Lamu fehlt – einen kilometerlangen Strand mit weißen Dünen, was die Touristen und die Preise anziehen.

 

Nach einer Pause trete ich den Rückweg an. Inzwischen herrscht Flut und ich kann den Strand nicht mehr durchgehend nutzen. Stattdessen nehme ich den kleinen Weg hinter den Villen, auf dem auch die Motorradtaxis verkehren. Eigentlich sind motorisierte Fahrzeuge auf Lamu nicht erlaubt, aber für ein großes Fest vor einigen Jahren wurden Motorräder auf die Insel gebracht – und geblieben sind sie bis heute. Sie dürfen nicht in die Altstadt hinein, sondern nur bis an den Rand fahren. Für die vier Kilometer kostet eine Fahrt umgerechnet 0,50 € bei Ebbe und 0,80 € bei Flut, weil sie dann den Umweg über den sandigen Pfad nehmen müssen. Alle paar Minuten rattert eines der Motorradtaxis an mir vorbei, manche geraten im tiefen Sand gefährlich ins Schlingern. Die Fahrgäste, oft sogar zu zweit hinten drauf, bleiben dabei völlig gelassen – es gehört hier einfach zum Alltag.

 

Zurück in Lamu Town gönne ich mir ein spätes Mittagessen und streife danach ein letztes Mal durch die schmalen Gassen der Altstadt. Es ist schön, durch eine so geschichtsträchtige Siedlung zu schlendern – etwas, das man im südlichen Afrika leider viel zu selten findet.

Mein Flug geht um 10.50 Uhr von der gegenüberliegenden Insel. Einen Fahrplan für das offizielle Fährboot gibt es nicht. Gemäss Albert legt es ungefähr 90 Minuten vor Abflug am Pier ab. Alternativ könnte ich ein Boot nur für mich alleine buchen, was etwa doppelt so viel kostet wie die Fähre – mit € 3.00 immer noch überschaubar.

 

Einmal mehr frühstücke ich mit den beiden anderen Gästen und verabschiede mich, als es Zeit wird, zum Pier zu gehen. Kaum biege ich auf die Promenade ein, werde ich von verschiedenen privaten Bootsführern angesprochen. Selbstverständlich kennen sie den Flugplan auswendig und stehen genau zur richtigen Zeit am Pier bereit. Fast alle verlangen jedoch das Dreifache von dem, was Albert mir als fairen Preis genannt hat. Also gehe ich einfach weiter bis zum Pier, wo weitere Kapitäne ihr Glück versuchen. Ich bleibe stehen, rufe in die Runde, dass ich 500 Schillinge bezahle. Das wirkt: Einer nickt sofort und bringt mich zu seinem Boot. Natürlich bin ich nicht der einzige Fahrgast, zwei Einheimische steigen noch zu – sie bezahlen selbstverständlich nichts. Für mich ist das in Ordnung. Hauptsache, ich komme rechtzeitig rüber, der Preis passt, und wenn noch andere mitfahren können, umso besser.

 

Am Flughafen angekommen, läuft das Einchecken reibungslos. Die anschliessende Sicherheitskontrolle erinnert stark an Nairobi: Mein Handgepäck läuft einfach durch den Scanner, was niemanden gross interessiert. Danach heisst es warten – eine halbe Stunde länger als vorgesehen, weil der Flug Verspätung hat. Als dann alle im Flugzeug sitzen, erklärt uns der Pilot, dass wir lediglich eine Stunde in der Luft sind und nicht eine Stunde und 20 Minuten wie angekündigt. Also gleich wie beim Hinflug.

 

Der Flug verläuft ruhig. In Nairobi dürfen wir dieses Mal nicht selbst über die Rollbahn laufen wie zuvor, sondern steigen in einen Bus, der uns 100 Meter bis zur Terminaltür bringt. Am Ausgang wartet bereits der Fahrer von der Jungle Junction auf mich und eine Stunde später beziehe ich wieder dasselbe Zimmer wie vor ein paar Tagen. Ich relaxe ein wenig und laufe anschliessend ins nahegelegene Zentrum, wo es ein Restaurant und einen kleinen Supermarkt gibt. Danach ist für heute Sendeschluss.

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Lamu Town – die älteste Swahili-Siedlung Ostafrikas“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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