Durch den Norden der Pyrenäen
01.07.2026 reiserouten >> pyrenäen wiedersehen
Auch diese Region bleibt von der Hitzewelle nicht verschont. Normalerweise sorgt der Atlantik hier für angenehmere Sommertemperaturen, doch als ich am Morgen die Honda auf dem Hotelparkplatz belade, zeigt das Thermometer bereits knapp 30 Grad. Zum Glück bin ich von meinen Reisen durch Westafrika an Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnt.
Ich verlasse Bayonne in Richtung Süden und erreiche bei Saint-Jean-de-Luz die Route de la Corniche, die sich mehrere Kilometer entlang der Küste zieht. Für einen Montag herrscht erstaunlich viel Verkehr. Umso mehr freue ich mich, dass ich die Strecke nicht bereits gestern Sonntag gefahren bin. Mit den zahlreichen Ausflüglern wäre es wohl deutlich voller gewesen. Allzu spektakulär finde ich diesen Küstenabschnitt allerdings nicht. Dafür gefällt mir der breite Sandstrand von Hendaye umso besser. In einem kleinen Strandcafé gönne ich mir eine Pause im Schatten direkt am Strand
Nach der Grenze nach Spanien biege ich bei Irun auf die kurvenreiche Strasse über den Jaizkibel ab. Die Strasse windet sich durch die grünen Hügel und eröffnet immer wieder schöne Ausblicke auf die Biskaya. Bevor ich in die ersten Ausläufer der Pyrenäen eintauche, tanke ich. Erstaunlich, dass Benzin in Spanien trotz der andauernden Krise noch immer rund 50 Cent pro Liter günstiger ist als in Frankreich.
Wenig später erreiche ich den Naturpark Peñas de Aya. Die Strasse führt grösstenteils durch dichten Wald, der an diesem heissen Tag für eine willkommene Abkühlung sorgt. Meter für Meter gewinnt die Strasse an Höhe, bis ich den Aritxulegi-Pass erreiche. Mit seinen rund 250 Metern ist er zwar alles andere als ein hoher Bergpass, doch wenige Kurven später wartet ein schöner Aussichtspunkt. Auf einer Bank im Schatten geniesse ich den leichten Wind und knabbere etwas aus meinem Proviant.
Bereits um 15 Uhr erreiche ich in Bera meine Unterkunft. Genau richtig. Statt während der grössten Hitze des Tages weiterzufahren, verbringe ich den Nachmittag im schattigen Garten des Hotels. Irgendwann meldet sich mein Magen und verlangt nach etwas Essbarem. Er muss sich allerdings noch etwas gedulden. Ich bin schliesslich in Spanien, wo vor 20 Uhr kaum ein Restaurant warme Küche anbietet. Das Warten lohnt sich jedoch. Das Abendessen im hoteleigenen Restaurant ist ausgezeichnet.
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Für meine Route durch den Norden der Pyrenäen wähle ich einen Mix aus der ACT-Route und meinen eigenen Strecken. Entscheidend sind für mich landschaftlich schöne Abschnitte. Auf welcher Art von Strasse ich diese befahre, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Nach dem reichhaltigen Frühstück, bei dem ich ein Schweizer Ehepaar kennenlerne, das für einige Wochen in den Pyrenäen unterwegs ist, starte ich den Honda Motor deutlich früher als am Vortag. So begleitet mich während der ersten Fahrstunde noch angenehm kühler Fahrtwind.
Bereits nach wenigen Kilometern verlasse ich die Hauptstrasse und lenke die Enduro über kleinste Nebensträsschen durch die sanfte Hügellandschaft hinauf zum Puerto de Otsondo. Dort erreiche ich eine der zahlreichen Verbindungsstrassen zwischen Spanien und Frankreich.
Ich bleibe auf der spanischen Seite und fahre die zuvor gewonnenen Höhenmeter wieder hinunter, bis ich zur Abzweigung des Ispeguy-Passes gelange. Über eine gut ausgebaute Strasse, die bei Velofahrern sehr beliebt ist, erreiche ich die Passhöhe an der französischen Grenze. Während der anschliessenden Talfahrt befinde ich mich für kurze Zeit in Frankreich. Im kleinen Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port lege ich meine erste Pause ein und decke mich im angenehm kühlen Supermarkt mit etwas Proviant ein.
Für die Rückkehr nach Spanien wähle ich erneut kleinste Nebensträsschen. Sie sind mehr oder weniger asphaltiert und weisen teilweise eine extreme Steigung auf. Wer hier unterwegs ist, muss sein Fahrkönnen in den steilen und engen Haarnadelkurven immer wieder unter Beweis stellen. Abgesehen von zwei Motorradreisenden begegne ich auf diesem Abschnitt nur einem Bauer. Erst kurz vor der Passhöhe des Orgambidé-Passes kämpfen sich einige Mountainbiker die steile Strasse hinauf.
Nebst einigen Fotostopps halte ich an der Grenze zu Spanien und schaue mir die Steinformation «Cromlech moderno de Organbide» an. Im Gegensatz zu den echten, mehrere tausend Jahre alten Steinkreisen in der unmittelbaren Umgebung handelt es sich hierbei um eine moderne Installation. Trotzdem finde ich den Ort interessant und für eine Pause in der etwas kühleren Höhenlage genau richtig.
Zwischen mir und meiner heutigen Unterkunft liegen noch zwei weitere Pässe, beide auf der spanischen Seite. Auf beiden herrscht kaum Verkehr und ich habe die Strasse fast für mich allein. Bei der Auffahrt zum zweiten Pass holt mich eine Gewitterfront ein und ich werde ordentlich durchnässt. Bei den hohen Temperaturen kommt mir die kühlende Regendusche gerade richtig.
Als ich etwas später im kleinen Dorf Ansó ankomme, bin ich bereits wieder vollständig trocken. Mein Hotel ist ein familiengeführter Betrieb mitten im Ort und verfügt neben gemütlichen Zimmern über eine grosse Terrasse, auf der Frühstück und Abendessen serviert werden. Die nächsten zwei Nächte werde ich hier verbringen.
Am Abend treffen zwei weitere Motorradreisende aus England ein. Sie grüssen kurz, zeigen jedoch kein weiteres Interesse an einer Unterhaltung. Am nächsten Tag ändert sich das. Am frühen Nachmittag trifft ein Ehepaar aus den Niederlanden mit seinen beiden KTM ein. Die beiden sind offen und interessiert, sodass wir den Abend gemeinsam auf der Terrasse beim Nachtessen ausklingen lassen.
Leider plagen mich seit Bayonne unterschwellige Zahnschmerzen. Grundsätzlich kein gutes Zeichen. Da die Schmerzen jedoch nicht stärker werden, hoffe ich, den Zahnarztbesuch bis zu meiner Rückkehr nach Zürich aufschieben zu können.
Mit dem Canyon de Añisclo erreiche ich heute jenen Teil der Pyrenäen, bis zu dem ich vor vier Jahren vom Mittelmeer herkommend, gefahren bin. Danach bog ich damals von hier aus ins spanische Landesinnere ab.
Auf dem Weg zum Canyon möchte ich einen Abstecher zum Pico Rigüelo unternehmen, zu dem eine Piste hinaufführt. Als ich jedoch an der Abzweigung ankomme und auf die Schotterpiste einbiege, stoppt mich bereits nach der ersten Kurve ein Fahrverbot für den motorisierten Verkehr. Die Konsequenz der immer grösser werdenden Zahl an Touristen, die mit Geländewagen und Motorrädern auf Schotterpisten unterwegs sind und dabei leider oft viel zu schnell fahren. Dadurch entstehen Schäden an den Pisten, was häufigere Reparaturen und entsprechend höhere Unterhaltskosten verursacht, weshalb die Gemeinden dann die Fahrverbote aussprechen. Wie auch immer, ich halte mich an das Fahrverbot und drehe um.
Wenig später überquere ich den Puerto de Cotefablo, von dessen Passstrasse sich immer wieder schöne Ausblicke bieten. Im anschliessenden Ort Broto habe ich bereits bei meiner letzten Reise übernachtet. Damals hoffte ich, am nächsten Tag den Nationalpark Ordesa y Monte Perdido zu erkunden. Leider war die Piste bereits damals für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf biege ich heute direkt auf die Verbindungsstrasse zum Canyon de Añisclo ein, den ich rund eine halbe Stunde später erreiche. Die Strasse durch den Canyon wird als Einbahnstrasse geführt, weshalb ich sie von dieser Seite herkommend, heute nicht befahren kann. Stattdessen folge ich der Strecke hoch über dem Canyon, die immer wieder schöne Ausblicke auf die umliegende Bergwelt freigibt. Letztes Mal bin ich lediglich durch den Canyon gefahren und habe diesen Abschnitt ausgelassen. Schön, dass es diesmal klappt.
An einem der Aussichtspunkte komme ich mit einem Paar aus Zürich ins Gespräch, das mit einem umgebauten Land Rover unterwegs ist. Auf beiden Vordertüren klebt gut sichtbar die Silhouette des afrikanischen Kontinents, darüber steht in grossen Buchstaben «Ghana 2018». Wie sich im Gespräch herausstellt, sind die beiden damals von der Schweiz bis nach Ghana gefahren und haben ihren Land Rover von dort zurück in die Schweiz verschifft.
An einem weiteren Aussichtspunkt stehen zwei Motorradreisende aus England. Einer versucht gerade, den Hinterreifen mit einem kleinen Kompressor aufzupumpen. Irgendetwas stimmt jedoch mit dem Gerät nicht. Es schaltet einfach nicht mehr ab. Schlussendlich lässt er den Kompressor so lange laufen, bis der Akku leer ist. Immerhin pumpt er trotz des Defekts weiterhin Luft in den Reifen. Sein Kollege daneben schüttelt nur den Kopf und meint, dass dies nicht das erste Mal sei, dass einer dieser Kompressoren einen merkwürdigen Defekt habe.
Etwa eine Stunde später erreiche ich das Guesthouse, in dem ich die kommenden drei Nächte verbringen möchte. Es gibt in der Umgebung noch einige Pisten, die ich erkunden möchte. Ausserdem will ich noch einmal durch den Canyon de Añisclo fahren.
Die Unterkunft liegt einige Kilometer ausserhalb von Aínsa in einer kleinen Siedlung mit vielleicht zehn Häusern. Mein Gastgeber wohnt gleich nebenan. Auf Wunsch bietet er neben dem Frühstück auch ein Abendessen an, was ich heute gerne annehme. Zuerst entspanne ich jedoch etwas im schattigen Garten. Dabei rücken meine Zahnschmerzen wieder stärker in den Vordergrund. Als ich mit der Hand über meine Wange fahre, stelle ich leider fest, dass sie bereits leicht angeschwollen ist. Beim Abendessen frage ich den Besitzer des Guesthouses, ob es in Aínsa eine Zahnklinik gibt. Er nickt und zeigt mir auf einer Karte, wo ich sie finde. Morgen ist Freitag und die Klinik sollte von 9 bis 13 Uhr geöffnet sein. Danach erst wieder am Montag. Nun gut, dann werde ich morgen wohl auf meine Erkundungstour verzichten und stattdessen zur Zahnklinik fahren. Lieber jetzt abklären, als zu warten, bis meine Wange noch mehr anschwillt.
Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich um 9 Uhr vor der Klinik und warte, bis die Angestellten die Türe öffnen. Schnell stellt sich heraus, dass kein freier Termin verfügbar ist und ausserhalb der regulären Sprechstunden keine Notfallpatienten behandelt werden. Freundlicherweise erkundigt sich die Mitarbeiterin jedoch, ob ich bereit wäre, in die nächstgrössere Stadt zu fahren. Dort gebe es mehrere Zahnkliniken. Ich bejahe. Daraufhin telefoniert sie eine Klinik nach der anderen ab und fragt nach einem freien Termin. Bei der dritten Praxis hebt endlich jemand ab. Wenn ich vor 12 Uhr dort sein könne, hätten sie Zeit für mich. Es ist jetzt 9.45 Uhr und bis nach Barbastro sind es rund 50 Kilometer. Das sollte problemlos reichen. Die Mitarbeiterin vereinbart den Termin für mich. Ich bedanke mich herzlich und fahre zuerst zurück zum Guesthouse, um meine Motorradbekleidung gegen normale Kleidung zu tauschen.
Um 11.30 Uhr betrete ich die Zahnklinik in Barbastro. Ich muss lediglich meine Personalien angeben und werde gefragt, ob ich Allergien habe. Kurz darauf werde ich bereits in den Röntgenraum geführt, wo mit einem modernen 3D-Scanner Aufnahmen erstellt werden.
Wenig später empfängt mich eine junge Zahnärztin. Sie erklärt mir, dass ich eine Entzündung habe und der betroffene Zahn eine Wurzelbehandlung benötigt. Diese könne jedoch erst in einigen Tagen durchgeführt werden, wenn die Entzündung abgeklungen sei. Dafür verschreibt sie mir zunächst ein Antibiotikum.
Während des Gesprächs wird mir klar, dass ich mehrere Tage in Barbastro bleiben müsste. Sollte die Wurzelbehandlung nicht wie geplant verlaufen oder weitere Termine nötig sein, könnte sich der Aufenthalt noch länger hinziehen. Deshalb entscheide ich mich spontan, meine Reise abzubrechen und bereits morgen nach Zürich zurückzufahren. Dort kann ich für Dienstagmorgen einen Termin in der Zahnklinik beim Hauptbahnhof vereinbaren. Die Klinik bietet ausdrücklich täglich Notfalltermine an.
Ich erkläre der Zahnärztin meinen Entschluss, den sie gut nachvollziehen kann. Anschliessend hole ich in der gegenüberliegenden Apotheke die Antibiotika ab und fahre zurück zum Guesthouse. Meinem Gastgeber teile ich mit, dass ich einen Tag früher abreise, weil die Behandlung komplizierter ist, als erwartet und ich sie lieber zu Hause durchführen lassen möchte. Er zeigt volles Verständnis und verrechnet mir die stornierte Übernachtung nicht.
Am nächsten Morgen starte ich direkt nach dem Frühstück. Die Rückfahrt nach Zürich teile ich auf drei Tage auf. Am Montagabend komme ich zu Hause an und erhalte für Dienstagmorgen einen Termin. Damit kann die Behandlung beginnen.
So endet meine «Wiedersehen mit den Pyrenäen» Tour anders als geplant. Wer so viel unterwegs ist wie ich, muss jedoch immer damit rechnen, dass etwas Unvorhergesehenes passiert und eine Reise kurzfristig verändert. Für mich gehört das dazu. Schade ist lediglich, dass ich Fränzi und Beno nicht mehr treffe. Sie erreichen die Pyrenäen einen Tag nach meiner Abreise. Eigentlich wollten wir uns dort wiedersehen. Das müssen wir nun auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Route und Downloads
Track & POI meiner Route
Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Durch den Norden der Pyrenäen“
Autor und Inhaber der Marke Motoglobe