Durch das Caprivi nach Angola
03.12.2025 routen >> afrika hautnah
Die Aussprache mit Bernhard hat gezeigt, dass ich nicht falsch lag mit meiner Feststellung, dass er sich nicht mit den Gegebenheiten und Herausforderungen, die auf dieser Reise auf uns warten, auseinandergesetzt hat. Er hat auch etliche Punkte ignoriert, welche ich ihn gebeten habe, sich damit auseinanderzusetzen. Er vertritt die Meinung, dass eine Vorbereitung nicht nötig sei und er dann eine Lösung sucht, wenn Schwierigkeiten auftreten. Das hört sich gut an, ist jedoch in Bezug auf die vielen Visabeschaffungen und einigen Streckenabschnitten, die wegen der Sicherheitslage eine Planung benötigen, die frühzeitig entschieden werden muss, unrealistisch respektive würde diese Vorgehensweise viel Zeit, Geduld und auch Geld in Anspruch nehmen. Für mich gehen dadurch alle Vorteile einer Reise zu zweit verloren und ich entscheide mich, allein weiterzureisen. Tags darauf teilt mir Bernhard mit, dass er ebenfalls die Reise allein fortsetzen werde, wovon ich ihm abrate mit der Begründung, dass er viel zu wenig Reiseerfahrung für diese Route hat. Ich merke aber auch hier, dass er meinen Input ignoriert. Nun gut, das ist seine Entscheidung. Ich biete ihm deshalb an, dass wenn er irgendwo in grosse Schwierigkeiten kommt und Hilfe braucht, er mich anschreiben soll.
Am nächsten Morgen verabschieden wir uns nach dem Frühstück. Während Bernhard weiter will, bleibe ich noch einen weiteren Tag hier. Die Wettervorhersagen kündigen einige Gewitter auf der Route an, denen ich auf offener Strecke nicht ausgesetzt sein möchte. Vermutlich werden wir uns in den kommenden zwei oder drei Tagen wieder begegnen, da durch das namibische Caprivi nur eine Route führt.
Die Grenze zwischen Namibia und Angola ist ca. 1’400 km lang und weist acht Grenzübergänge auf. Nur einer davon hat auf der angolanischen Seite eine Teerstrasse in Richtung Norden. Alle anderen führen in Angola auf Pisten, die lange, teils sandig und jetzt in der angehenden Regenzeit schlammig sein können. Ich entscheide mich deshalb für den Grenzposten mit der Teerstrasse, da ich nicht weiss, wie die einzelnen Pistenverhältnisse sind. Bis dahin liegen 1’000 km, die durch das Caprivi verlaufen.
Ich möchte die Strecke in drei Tagen schaffen und heute davon 420 km zurücklegen. Ich stehe früh auf, bepacke gleich die Honda, frühstücke und starte auch schon den Motor der Honda. Wettertechnisch sollte es heute besser aussehen. Bis zur namibischen Grenze sind es etwas mehr als 50 km, die durch den Chobe Nationalpark hindurchführen. Natürlich hoffe ich, nochmals einige Tiere zu sehen. Beim Gate muss ich mich in ein Buch eintragen und kann gleich weiterfahren. Der wenige Verkehr und die gute Strasse erlauben es mir, viel nach rechts und links Ausschau zu halten. Ausser einer Gruppe Giraffen, die sich sofort in die Büsche verziehen, zeigen sich mir heute aber keine weiteren Tiere.
Der botswanische Grenzposten ist klein und übersichtlich. Das Ausstempeln dauert lediglich fünf Minuten und schon fahre ich über den Grenzfluss auf die namibische Seite. Bei der Immigration muss ich etwas warten, weil gerade eine Gruppe ausreisen will. Seit April dieses Jahres benötigen wir Europäer neu ein Visum, welches ich bereits online vor ein paar Tagen erhalten und bezahlt habe. Da meine Daten alle im System erfasst sind, muss ich kein zusätzliches Einreiseformular ausfüllen und bekomme das Visum mit 90 Tagen in den Pass gestempelt. Kaum zu glauben, dafür benötigt es zwei Seiten. Danach wechsle ich zum Schalter, wo ich die Strassensteuer bezahlen muss. Der Beamte verweist mich danach an den Zollschalter, um mein Carnet abstempeln zu lassen. Ich nicke nur und ignoriere es einfach. Namibia ist ebenfalls in der SACU und der Stempel von Botswana gilt entsprechend auch hier. Wie bereits den Zollbeamten bei der Ausreise aus Südafrika ist diese leider auch hier dem Zollbeamten nicht bekannt.
Auf den ersten Kilometern fällt sofort auf, dass alle Siedlungen mit einem Schutzwall umgeben sind, der die Tiere fernhalten soll. Im gesamten Caprivi sind Elefanten und andere Wildtiere vertreten, weshalb sich die Einwohner dafür so gut wie möglich schützen.
An der ersten Tankstelle, viele hat es auf meiner Strecke nicht, fülle ich den Tank und brause weiter auf kilometerlangen Geraden, die links und rechts von Busch umgeben sind. Einzige Abwechslung sind die Siedlungen, die regelmässig auftauchen.
Nach dem kleinen Ort Kongola wird es noch einsamer und ich fahre fast 200 km durch den Bwabwata Nationalpark. Nun tauchen regelmässig Schilder auf, die vor Elefanten und anderen Tieren warnen. Es folgen auch längere Abschnitte, wo Anhalten verboten ist. Irgendwann tauchen links und rechts im etwas lichteren Busch eine grössere Gruppe Elefanten auf. Wie schon bei den Giraffen von heute Morgen sind auch die Elefanten im grünen Busch kaum auszumachen. Erstaunlich, bei der Grösse dieser beiden Tierarten.
Was jedoch gut sichtbar auftaucht, sind die Gewitterwolken und Blitze, die neben und hinter mir für ein Spektakel sorgen. Vor mir bleibt es zum Glück noch hell, bis ich meine Unterkunft in Divundu erreiche. Im örtlichen Guesthouse habe ich ein Zimmer direkt am Okavango Fluss reserviert, der hier durchfliesst.
Nach einer kurzen Pause laufe ich rüber zur kleinen Shopping Mall, wo ich mir als Erstes eine SIM-Karte besorge. Im Geschäft bin ich nicht der Einzige und so brauche ich fast eine Stunde, bis ich online bin. Beim Warten musste ich mir einige Male das Lachen verkneifen. Anstehen geht hier gesittet zu und her. Ein Sicherheitsmitarbeiter schaut genau darauf, wer wann hereinkommt, auf welchen Stuhl man sich setzen muss und wie die Reihenfolge abläuft, wenn ein Platz frei wird. Jegliche Verstösse dagegen werden vom Sicherheitsbeamten mit einer Zurechtweisung begegnet, der sich niemand widersetzt. Das wäre bei uns in dieser Form unmöglich. Dazwischen sitzt auch eine Frau mit Kleinkind, welches sie inmitten aller in aller Seelenruhe stillt. In Afrika eine normale Situation, welcher niemand mit Blicken oder Kommentaren begegnet.
Anschliessend kaufe ich mir etwas zu essen im Supermarkt ein und schaffe es gerade rechtzeitig zurück ins Zimmer, bevor das anfliegende Gewitter loskracht und während zweier Stunden mit Blitz, Donner und grossen Wassermassen tobt.
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Heute nehme ich es etwas lockerer und fahre lediglich 200 km. Im Frühstücksraum herrscht reges Treiben. Eine grössere Gruppe hat sich über das Buffet hergemacht und hält die beiden Mitarbeiterinnen in Trab. Irgendwie schaffen sie es im Chaos trotzdem, mir schnell einen Teller mit Rührei und Toast zu bringen. Als die Gruppe dann geht, bekomme ich sogar noch einige Früchte und einen Kaffee.
Gegen 10 Uhr fahre ich los und halte als Erstes bei der Tankstelle am Ortsausgang. Danach geht es wie gestern auf langen Geraden durch das trockene Buschland. Dazwischen lichtet es sich ein wenig und Salzpfannen tauchen auf. Eine angenehme Abwechslung.
Heute bleibe ich in der letzten grösseren Ortschaft, bevor es weitere 450 km durch die Halbwüste geht. Über Booking.com habe ich ein gut bewertetes Guesthouse gefunden, das sich als kleines Juwel herausstellt. Die Besitzerfamilie ist vor über 40 Jahren von Südafrika nach Namibia gezogen und lebt hier seit 10 Jahren. Sie nehmen mich freundlich auf und abends kann ich mit ihnen zusammen ein Braai geniessen. Sie erzählen mir, dass sie oft mit Gästen zu Abend essen und so viele internationale Reisende kennenlernen, was ihnen offensichtlich Spass macht.
Tags darauf bin ich erneut früh auf den Beinen und frühstücke bereits um 07.00 Uhr. Die heutige Strecke wird mit 460 km die längste der drei Stücke und bringt mich in den Grenzort Oshikango. Das erste Viertel der Route verläuft am Okavango Fluss entlang, der die natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern bildet. Anschliessend wird es eine eher öde Fahrt mit heissen Temperaturen. Es sind über 35 Grand angesagt, die mir ab Mittag einheizen. Da bin ich über die wenigen Schattenrastplätze unterwegs froh. Meine Unterkunft in Oshikango wird ebenfalls von einem ehemaligen Südafrikaner geführt. Beim Abendessen plaudere ich ein wenig mit ihm und er zeigt mir Bilder seiner zwei weiteren Lodges, die er bei den Ruacana Wasserfällen betreibt. Diese liegen weiter westlich von hier direkt an der Grenze zu Angola. Unweit davon hat es auch einen Grenzposten, der bei vielen Jeep Reisenden populär ist. Er offeriert mir, dass ich dort eine Nacht zu einem günstigen Preis verbringen könnte und dann von dort nach Angola weiterreisen kann. Ich bedanke mich für seine Geste und frage, ob er wisse, wie die 100 km lange Piste, die auf der angolanischen Seite auf mich warten würde, sei. Er erwidert, ziemlich sandig, worauf ich antworte, dass dies mit dem Motorrad über eine so lange Distanz Schwerstarbeit sei. Er lacht und sagt, das könne er sich vorstellen und er würde das niemals mit einem Motorrad fahren.
Als ich etwas später im Zimmer einen Kaffee zubereite, klopft es an meiner Zimmertüre. Ich öffne und vor mir steht einer der Mitarbeiter vom Restaurant. Er streckt mir einen Zettel in die Hand und meint, er müsse mir diesen von jemandem übergeben. Ich bedanke mich, schliesse die Türe und entfalte den handgeschriebenen Zettel. Darauf steht, dass ihr Name Sofie sei und sie mich im Restaurant gesehen hätte und mich cool finde. Wenn ich Lust hätte, könne ich ihr eine WhatsApp schreiben und sie würde mir dann ein Foto von ihr schicken. Das bringt mich ziemlich zum Lachen, weil im Restaurant ausser zwei Paaren keine weiteren Personen sassen. Da muss sich wohl jemand einen Scherz erlaubt haben oder versucht, mich in etwas zu verwickeln. Wie auch immer, der Zettel landet im Abfalleimer und ich widme mich dem gut riechenden Kaffee zu.
Heute geht es nach Angola und somit ins erste Land auf meiner Route über Westafrika nach Europa. Das merke ich nur schon daran, dass ab hier Rechtsverkehr bis nach Europa gilt. Bevor ich zur nahen Grenze fahre, fülle ich den Tank auf. Aus verschiedenen Quellen habe ich gelesen, dass Angola zwar einer der grössten Ölproduzenten Afrikas ist und Raffinerien für die Benzinproduktion besitzt. Trotzdem kann es immer wieder vorkommen, dass Tankstellen keinen Diesel oder Benzin haben, weil die Belieferung aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert. Es kommt daher teilweise zu langen Schlangen vor den Tankstellen oder diese sind geschlossen. Mit einem vollen Tank erreiche ich sicher Lubango, die nächstgrössere Stadt ab der Grenze.
Bargeld ist ein weiteres heikles Thema in Angola. Oft sind die Geldautomaten leer oder wenn gefüllt, bilden sich davor ebenfalls lange Warteschlangen. Ist man einmal an der Reihe, können nur 64’000 Kwachas bezogen werden, was umgerechnet ungefähr € 60.00 sind. Nicht gerade viel für ein Land, wo Bargeld regiert und Kreditkarten oft nicht akzeptiert werden. Da bin ich froh, dass ich im September in Lusaka in der Unterkunft dem Schweizer Paar für umgerechnet € 90.00 ihre angolanischen Kwachas abgekauft habe. So komme ich zumindest die ersten Tage problemlos durch.
Am namibischen Grenzposten ankommend, hat es eine längere Schlange vor der Immigration. Da es aber alles Grenzgänger aus der Region sind, geht es schnell voran. Als ich dran bin, muss ich ebenfalls nicht lange auf meinen Ausreisestempel warten. Danach mache ich mich auf die Suche nach dem Zollschalter für das Ausstempeln des Carnet. Dabei folgt mir einer dieser Helfer, die an vielen Grenzen versuchen, Geld zu verdienen, indem sie einem zeigen, wo was ist. Ich wimmle ihn ab, was aber nichts nützt.
Als ich am Zollschalter stehe und der Beamtin mein Carnet zum Ausstempeln gebe, schaut sie es sich an und meint, ich müsse zuerst einen Ausreisestempel von Botswana haben und dann einen Einreisestempel von Namibia. Einmal mehr muss ich am Zoll erklären, wie die SACU-Staaten die Handhabung des Carnet geregelt haben. Daraufhin verschwindet die Beamtin kurz und kommt mit einem gestempelten Carnet zurück. Ich bedanke mich und gehe zurück zur Honda. Erneut steht einer dieser Helfer neben mir und meint, dass er kein Geld will, ich aber auf die andere Seite des Gebäudes gehen müsse, um dort meine Road-Tax-Quittung mit einem Stempel stornieren zu lassen, ansonsten ich nicht durch das Gate aus dem Zollgelände komme. Das finde ich komisch, weil bei meiner letzten Ausreise aus Namibia dies kein Thema war. Ich bedanke mich jedoch und gehe auf die andere Seite des Gebäudes, wo ich den Schalter für die Road Tax finde. Ich frage die Mitarbeiterin, ob ich meine Road-Tax-Quittung bei ihr abstempeln müsse, was sie bejaht. Auf meine Frage hin, wieso dies bei meiner ersten Ausreise im Frühling bei einem anderen Zollamt kein Thema war, hat sie keine Antwort. Ich belasse es dabei und bedanke mich für die Rückgabe der abgestempelten Quittung.
Als ich dann das Zollgelände in Richtung angolanischer Zoll verlassen will, werde ich tatsächlich von einer Beamtin gestoppt, die meine gestempelte Quittung der Road Tax sehen will. Keine 100 Meter später werde ich von einem angolanischen Soldaten angehalten, der auf einem Stuhl am Strassenrand sitzt. Ziemlich unfreundlich schreit er nach Passport. Ich stelle den Motor ab, begrüsse ihn extra freundlich auf Portugiesisch und sage gleichzeitig, dass ich seine Sprache nicht kann, aber Spanisch. Dann zeige ich ihm meinen Pass und sage auf Spanisch, dass ich mich auf Angola freue. Das hellt sein Gesicht ein wenig auf und als er mir den Pass zurückgibt und fertig mit der Eintragung in sein dickes Buch ist, verabschiedet er mich sogar freundlich und zeigt mir die Richtung, in die ich weiterfahren muss.
Eine Kurve später schwenke ich auf einen riesigen Parkplatz ein, auf dem fast keine Autos stehen. Alle Einheimischen, die zu Fuss unterwegs sind, gehen einen anderen Weg in Richtung eines der grossen Gebäude vor mir. Ich fahre langsam weiter und erblicke irgendwann weiter vorne zwischen den beiden grössten Gebäuden eine Schranke mit Beamten. Ich steuere auf diese zu und halte neben einem der Beamten. Ich begrüsse ihn zuerst auf Portugiesisch und sage meinen Spruch, dass ich kein Portugiesisch kann, dafür Spanisch. Er nickt und zeigt mir auf meine Frage hin, wo die Immigration sei, ein kleines Häuschen inmitten des grossen Parkplatzes. Zuerst denke ich, er habe mich nicht verstanden. Ich sehe dann aber ein Auto aus der gleichen Richtung kommend, wie ich, dass vor dem Häuschen anhält und hineingeht.
Ich probiere mein Glück und fahre dorthin zurück. Richtig. Darin sitzt eine Beamtin der Immigration, die für die Einreisenden mit Fahrzeug zuständig ist. Als sie mich sieht, murmelt sie etwas Unverständliches vor sich hin. Ein freundliches Guten Tag auf Portugiesisch nützt etwas, ihre Mine wird freundlicher. Sie nimmt einige Daten von mir auf und schreibt diese auf einen Zettel. Danach meint sie, dass ich warten müsse, weil ein Beamter aus dem grossen Haus herüberkommen müsse. Dieser steht nach etwa 10 Minuten vor meinem Motorrad und macht von allen vier Seiten mit seinem Handy Fotos. Danach geht er zur Beamtin ins Häuschen und kommt kurz darauf wieder raus und nickt mir zu, dass ich wieder rein kann. Dann geht es schnell und ich habe den Einreisestempel für 30 Tage im Pass. Als ich sie frage, wo ich wegen der Papiere für mein Motorrad hinmüsse, zeigt sie auf die Schranke, wo ich vorher war.
Der Beamte von vorhin empfängt mich bereits und schickt mich in das Kabäuschen neben der Schranke. Dort muss ich meinen Pass abgeben für eine Fotokopie. Danach meint der Beamte, ich müsse in das Gebäude nebenan. Wohin dort genau, sagt er mir nicht. Aber daran habe ich mich an den Grenzen langsam gewöhnt.
Auf meinem Weg zum Gebäude folgt mir wieder einer dieser Helfer. Ich erkläre ihm, dass ich keine Hilfe brauche und ihm nichts bezahle, auch wenn er mir folgt und unaufgefordert Tipps gibt. Da er etwas Englisch spricht, gehe ich davon aus, dass er mich verstanden hat. Er bleibt trotzdem an mir dran und lotst mich in das Büro, wo ein Beamter erneut meinen Pass will. Nach einer Weile übergibt er mir ein Papier und schickt mich zurück ins Kabäuschen bei der Schranke.
Dort bekomme ich nach einer längeren Wartephase ein neues Dokument, mit welchem ich wieder ins Gebäude zurückmuss, um die Strassensteuer zu bezahlen. Mein Helferschatten ist immer noch hinter mir, als ich vor verschlossenen Türen des Bankschalters stehe. Wegen der Mittagspause, es ist erst 10.00 Uhr, hat die Bank wohl kaum geschlossen. Noch bevor ich jemanden in einem anderen Büro fragen kann, ruft mein Helferschatten der Eingangstür, dass ich ihm folgen soll. Er wisse, wo ich die Strassensteuer bezahlen kann.
Da nichts weiter übrigbleibt, folge ich ihm um die Ecke. Dort sitzt ein älterer Herr, umringt von einigen Leuten. Alle haben einen ähnlichen Zettel in der Hand wie ich und geben dem älteren Herrn Geld. Der Helfer sagt, dass ich die Zahlung bei ihm machen könne. Er sei zuständig, wenn die Bank geschlossen hat. Natürlich hat dies seinen Preis. Einerseits kostet es fast doppelt so viel, was bei € 4.00 Strassensteuer für 30 Tage zu verkraften ist, andererseits akzeptiert er nur namibische Dollar oder Rand. Zum Glück habe ich einige davon übrig, die ich anschliessend noch wechseln möchte.
Nach der Zahlung geht es zurück zum Kabäuschen. Ich gebe den Zettel ab, worauf der Beamte meint, ich könne draussen beim Motorrad warten, bis er fertig sei. Dort steht erneut mein Helferschatten und meint, es werde nicht lange gehen und ich könne losfahren. Leider täuscht er sich, weil es schlussendlich fast eine Stunde dauert, bis der Beamte mit der Einreisegenehmigung für die Honda zu mir kommt. Wäre der Parkplatz nicht im Schatten gelegen, hätte ich in der Zwischenzeit wohl einen Sonnenstich bekommen.
Nun heisst es noch, die übrig gebliebenen Rand in angolanische Kwachas zu tauschen. Das ist einfach, weil etliche Geldwechsler nach dem Gate herumstehen. Fürs Wechseln beauftrage ich meinen Helfer. Vom Lodge Besitzer der letzten Nacht weiss ich, wie der Schwarzmarktkurs in etwa ist. Ich sage dem Helfer, dass wenn er diesen Kurs für mich herausschlagen kann und ich beim Zählen und Übergeben des Geldes nicht übers Ohr gehauen werde, er sich $ 5.00 verdienen kann. Er steigt sofort darauf ein. Als ich dann endlich nach Angola einreise, sind 2½ Stunden vergangen. Kein Wunder bei der komplizierten Abwicklung für die Papiere meiner Honda. Das Carnet wird in Angola nicht akzeptiert.
40 km später erreiche ich eine Kleinstadt, wo ich sowohl eine SIM-Karte mit Datenpaket als auch eine Versicherung für die Honda beschaffen kann. Auch hier ist Geduld Trumpf. Bei den vier Tankstellen bis hierher gab es bei jeder langen Warteschlange. Da bin ich um meinen gefüllten Benzintank froh. Das Gleiche gilt für die ATM-Geräte. Überall, wo es lange Schlangen hat, steht einer dieser Automaten. Beide Befürchtungen haben sich bewahrheitet.
Auf iOverlander habe ich im Vorfeld eine Unterkunft gefunden, zu der es lediglich noch 100 km sind. Die Strecke dorthin führt durch trockenes Busch- und Wüstengebiet. Dazwischen tauchen ausgeschlachtete und verrostete Panzerfahrzeuge aus der Bürgerkriegszeit auf, die 2001 nach 27 Jahren Blutvergiessen endete. Auffallend sind auch die vielen übergrossen Termitenhügel, die überall in der Landschaft stehen. Diese sind zum Teil doppelt so gross wie ich.
In Xangongo ankommend, finde ich die Unterkunft auf Anhieb und bekomme zu einem sehr günstigen Preis ein zweckmässiges und sauberes Zimmer. Und die Honda im Innenhof einen Schattenplatz. Der ist heute bei heissen Temperaturen von Vorteil. Im Zimmer ist es ohne Aircondition kaum auszuhalten. Nach einer längeren Pause spaziere ich hinüber zu einem Park, wo es ein kleines Restaurant mit schattiger Aussenbestuhlung gibt und ich etwas zu essen bestellen kann.
Beim Bezahlen an der Theke taucht plötzlich von unten eine weitere Frau auf, die vermutlich dahinter geschlafen hat. Sie schaut mich verschlafen an, grüsst mich und meint als Erstes, dass sie meine Nase mag und sie auch so eine will. Das hat mir bis jetzt noch nie jemand so direkt gesagt, was mich zum Lachen bringt, was wiederum die beiden Frauen zum Lachen bringt. Ich schlage ihr vor, wir könnten tauschen, was sie nickend bejaht. Bevor sie jetzt ein Messer hervorholt, verabschiede ich mich. Wieder zurück im Zimmer ist nur noch Liegen angesagt.
Irgendwann sind gestern Abend noch zwei französisch sprechende Gäste mit einem 4×4 Camper angekommen. Sie beziehen das Zimmer gleich neben mir, weshalb ich alles höre, was sie sagen. Gegen drei Uhr morgens werde ich von fliessendem Wasser geweckt. Es dauert ein paar Sekunden, bis ich realisiere, dass die beiden im Nebenzimmer duschen und sich das anhört, als wären sie in meinem Zimmer im Bad. Zwei Stunden später wecken mich die ersten Sonnenstrahlen. Hier wird es wegen der Zeitumstellung zu Namibia um eine Stunde früher hell, was gegen 05.30 der Fall ist. Als ich um 08.00 zum Frühstück gehe, ist es bereits heiss und es fühlt sich an, als wäre schon fast Mittag.
Die beiden anderen Gäste sind schon wieder weg. Ich packe ein paar Dinge auf die Honda, als der junge Guesthouse Besitzer auftaucht. Er grüsst mich freundlich und lacht mich an. Er möchte gerne ein Foto mit mir und dem Motorrad machen. Danach fragt er, ob er auch auf die Maschine sitzen darf, was ich ebenfalls bejahe. Das anschliessende Frühstück ist schnell serviert und gegessen. Es gibt ein Spiegelei mit einem weissen Brötchen und eine Tasse Kaffee. Da wird mich wohl der Hunger bald auf der Strecke nach Lubango einholen. Nachdem ich startklar bin, frage ich meinen Gastgeber, ob die örtliche Tankstelle Benzin habe. Er bejaht mit einem Daumen hoch. Ich fahre deshalb drei Kilometer auf der gestrigen Strecke zurück zur Tankstelle, wo ich tatsächlich, ohne gross anstehen zu müssen Benzin bekomme. Mit einem Literpreis von ungefähr USD 0.36 wird der Geldbeutel dadurch kaum belastet.
Die Strecke ins 300 km entfernte Lubango ist nur im ersten Drittel interessant. Links und rechts der Strasse tauchen in regelmässigen Abständen riesige, blühende Baobab Bäume auf. Irgendwann ist dann Schluss damit und es folgt eine lange Fahrt durch karges Buschland.
Lubango selbst ist eine grössere Stadt, die auf über 1’800 Höhenmetern liegt. Das bringt einige Grade Abkühlung, was guttut. Die Stadt als solche ist nichts Besonderes. Dafür bietet die Umgebung ein paar Highlights, die ich mir in den zwei Tagen, die ich hierbleibe, ansehen möchte. Dazu mehr in meinem nächsten Reisebericht.
Route und Downloads
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Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Durch das Caprivi nach Angola“
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