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Burundi - Das Herz von Afrika

Burundi - Das Herz von Afrika

09.07.2025 routen >> afrika hautnah

Mein nächstes Ziel ist Burundi, das wegen seiner Lage mitten im afrikanischen Kontinent und wegen der herzförmigen Umrisse des Landes auch das Herz Afrikas genannt wird.

 

Die Einreisebestimmungen sind recht strikt, und ich darf das Land lediglich während dreier Tage bereisen. Eine Verlängerung wäre zwar möglich, würde jedoch einen beachtlichen administrativen Aufwand und einige zusätzliche Dollars bedeuten. Eine weitere Herausforderung sind die Rationierungen der Brennstoffe. Die Verteilung von Diesel und Benzin erfolgt über ein kompliziertes System via App, auf das wir Touristen keinen Zugriff haben. Es ist daher nahezu unmöglich, an einer normalen Tankstelle Treibstoff zu bekommen – und auf gepanschtes Schwarzmarktbenzin verzichte ich meinem Honda Motor zuliebe gerne.

 

Nach einem letzten Frühstück am See fülle ich den Tank und nehme zusätzlich genügend Reservebenzin in meiner Benzinblase mit. Die anschliessende Fahrt entlang des hügeligen Nationalparks Gombe bis zur Grenze ist landschaftlich top und ein schöner Vorgeschmack auf das grüne, bergige Burundi.

 

Die Ausreise aus Tansania verläuft zunächst unkompliziert, dabei treffe ich überraschenderweise Cath und Ian wieder – das britische Paar mit ihrem 4×4 Camper, das ich schon in Malawi kennengelernt habe. Nach einem kurzen Schwatz fahre ich weiter zur burundischen Grenze, während sie sich bei der tansanischen Immigration ein wenig gedulden müssen.

 

Zwischen den beiden Grenzposten heißt es: Spurwechsel auf Rechtsverkehr und die Uhr um eine Stunde zurückstellen.

 

Beim burundischen Grenzareal muss ich zuerst zum COVID Test. COVID Test, habe ich das richtig verstanden? Gibt es das immer noch? Und tatsächlich, im Büro sitzt eine Frau, die gerade Eier verspeist, die vor ihr in einem Eierschalenkarton liegen. Mit der freien Hand misst sie mit einem Stirnfiebermessgerät meine Temperatur und trägt diese mit meinen Namen und Passnummer in ihr dickes Buch ein. Danach will sie meine Gelfieberimpfung sehen, wobei sie schon ok sagt, als sie mein gelbes Impfbüchlein sieht, welches ich aus meinem Hüfttasche herausnehme. Den Impfeintrag als solches muss ich dann gar nicht mehr zeigen.

 

Danach muss ich ins nächste Büro, wo mir ein Mann einige Fragen zu meinem Reisezweck stellt. Erst danach darf ich die erste Schranke passieren und zum Häuschen der Immigration gehen. Dabei werde gleich von unzähligen Geldwechslern belagert. Wie in Malawi gibt es auch in Burundi für alle ausländischen Währungen einen Schwarzmarkt, der bis zum dreifachen des offiziellen Wechselkurses ist. Ich winke jedoch zuerst einmal ab und gehe zur Immigration.

 

Ein Polizist fängt mich schon vor der Türe ab und will meinen Pass sehen. Danach verweist er mich zu einer anderen Türe, wo ein weiterer Beamter hinter einem Computer sitzt und mich auf Englisch begrüsst. Es stellt sich heraus, dass er der Buchhalter ist und ich bei ihm zuerst die 40 Dollar Visa-Gebühr für drei Tage Transit bezahlen muss. Mit seiner Quittung kann ich dann zurück zur Tür der Immigration, wo ich bereits von drei Beamten empfangen werde. Der eine nimmt meinen Pass und legt diesen vor sich hin. Dann fragen mich alle drei in abwechselnder Reihenfolge, was ich ihnen für den Einreisestempel anbieten könne. Sie würden Kaffee, Tee oder natürlich auch Geld nehmen. Da alle drei nur Französisch sprechen, ist in Burundi eine der offiziellen Sprachen, stelle ich mich etwas dumm und gebe auf Englisch Antwort, dass ich nicht verstehe, was sie von mir möchten und sie mir doch bitte, wie üblich bei der Immigration den Einreisestempel in den Pass stempeln. Es geht dann noch eine Weile hin und her und als ich dann einfach nichts mehr sage, sondern ruhig dastehe und Warte, knallt nach einer Weile der Beamte den Stempel in meinen Pass. Ich bedanke mich und bin froh, ohne etwas Zahlen zu müssen aus der Situation herausgekommen zu sein.

Der Papierkram ist aber noch nicht zu Ende und jetzt erfolgt das Prozedere für die Honda. Einmal mehr muss ich zum Buchalter in sein Büro, wo ich für das Temporäre Import Permit $ 15.00 bezahlen muss. Er bringt mich dann mit der Quittung in seiner Hand zu einem anderen Büro, wo wiederrum drei Beamte sitzen und gerade Mittagessen. Er überreicht einem der Beamten die Quittung und ich ihm das Carnet de Passage. Das wir hier zwar nicht akzeptiert, es enthält aber alle Angaben der Honda für die Ausstellung eines T.I.P auf Englisch. Erfreulicherweise bekomme ich dann die Genehmigung innert weniger Minuten ohne weitere Fragen nach Geld oder anderem.

Wieder beim Motorrad werde ich sogleich erneut von den Geldwechslern belagert. Wie üblich bieten sie mir als erstes einen miserablen Kurs an, was ich ablehne. Und da ich eigentlich den Zollbereich so rasch wie möglich verlassen will, diskutiere ich nicht lange, sondern sage einfach einem der Geldwechsler, dass ich 20 Dollar tausche, aber nur zu dem von mir genannten Kurs. Darauf will er nicht eingehen, was mir aber egal ist und ich meinen Helm aufsetze und auf die Honda steige. Als ich dann den Motor starte, winkt er plötzlich mit den burundischen Franc Scheinen und meint, er gebe mir den Kurs. Die 20 Dollar gebe ich ihm aber erst, nachdem ich das Geld selbst nochmals nachgezählt habe. Dann kann es endlich losgehen und ich verlasse durch eine erneute Schranke den Grenzbereich und bin in Burundi.

 

Zehn Kilometer nach der Grenze folgt die erste Polizeikontrolle. Mit Stacheldraht wird die Straße blockiert und die Beamten sind im Gegensatz zu allen anderen Ländern bisher, mit Maschinenpistolen bewaffnet. Auch sie fordern Geld von mir und einer meint, ich müsse mein Gepäck öffnen – doch da sie wie die Immigrationsbeamten kein Englisch sprechen und ich mich auf kein Französisch einlasse, dauert es nicht lange, bis mich ziehen lassen.

 

Meine Route führt anfangs durch die grünen Berge. Die Kreuzung zur Strasse, die mich hinunter zu Tanganyika See bringt, erreiche ich nach etwa 20 Kilometern. Über steile Abschnitte und einigen Haarnadelkurven bringt mich die gut ausgebaute Strasse hinunter in die Eben mitten in die erste grössere Ortschaft hin einen. Hier stoppt mich eine weitere Polizeikontrolle und nach ihren Gesten zu folgen ist klar, dass sie ebenfalls irgendein Geschenk von mir erwarten. Da jedoch kein Stacheldraht auf der Strasse liegt, lasse ich die Honda einfach langsam rollen, mache ein freundliches Gesicht und rede Deutsch und komme so auch hier, ohne etwas abgeben zu müssen, hindurch. Natürlich hilft es, dass kaum Touristen in Burundi sind und noch viel weniger mit eigenen Fahrzeugen herumfahren. Deshalb haben die Beamten keinerlei Erfahrungen, wie sie mit uns umgehen müssen, was mir stark zugutekommt.

 

In der Ortschaft herrschen ein unglaubliches Gewusel und ich falle auf. Mittendrin überholt mich ein Mopedfahrer mit einer viel zu breiten Matratze auf dem Soziussitz und touchiert mich und danach meinen Rückspiegel von hinten. Zum Glück ist der Schlag auf meine Schulter nur leicht und mein Rückspiegel ist klappbar, weshalb es ihn einfach verschiebt. Ein paar Zentimeter näher bei mir und das hätte böse enden können.

 

Am See ankommend, wird die Straße zur Schotterpiste. Meine sonst verlässliche OSM-Karte hatte mich zwar für die gesamte Strecke entlang des Sees bis nach Bujumbura eine Teerstrasse angezeigt, aber gemäss den langen Fahrzeitangaben von Google Maps für diese 100 km Strecke war mich klar, dass da etwas nicht stimmen kann. Zwischendurch gibt es einige Abschnitte mit Teer, aber voller Schlaglöcher. Ich komme deshalb nur langsam voran – dafür führt die Route direkt am Wasser entlang und bietet mir großartige Aussichten. Nach 40 Kilometern dann die Überraschung: eine nagelneue, perfekt geteerte Straße. Auf dieser erreiche ich kurze Zeit später die Kleinstadt Rumonge, wo ich bei der Routenvorbereitung ein kleines Café gefunden habe. Und siehe da, es gibt diese sogar und ich bekomme zu meiner Überraschung einen richtig leckeren Cappuccino. Wieder einer dieser Oasen, wo ich nicht weiss, wie das möglich ist, wenn ich die Umgebung und Gegebenheiten rundherum anschaue.

 

Wieder auf der Honda, endet die neue Teerstrasse einige Kilometer ausserhalb Rumonges und es geht erneut auf einer Rumpelstrasse bis in die Aussenbezirke der Millionenstadt Bujumbura. Da dreht das Gewusel von Menschen, Fahrrad- und Mofafahrern, Autos gepaart mit einer miserablen Strasse noch einmal voll auf und ich muss höllisch aufpassen, dass ich mit niemanden Zusammenstosse.

 

Ja und dann komme ich dem Stadtzentrum näher und alles ändert, wie wenn jemand einen Schalter umgestellt hätte. Die Strasse ist plötzlich wieder 1a geteert, viel weniger Fussgänger, die erst noch schön gesittet neben der Strasse gehen und Verkehrsverhalten, dass man schon fast als geordnet einstufen kann.

 

Meine Unterkunft in der Stadt ist etwas teurer, dafür topmodern und komfortabel. Nach dem langen, ziemlich fordernden Tag bin ich froh, dass ich eine angenehme Dusche geniessen und danach auf dem bequemen Bett mich ausruhen kann. Wegen der Zeitumstellung wird es nach 18.00 Uhr bereits wieder dunkel. Ich mache mich deshalb frühzeitig auf den Weg zu einem der in der Nähe liegenden Restaurants, wo ich schnell bedient werde, jedoch dann über eine Stunde auf meine Mahlzeit warten muss. Beim Nachhauseweg fällt dann noch der Strom im ganzen Quartier für eine längere Zeit aus. Auch im Dunkeln falle ich sofort auf, weil ich der Einzige bin, der mit der Handytaschenlampe herumlaufe, weil es zu viele Hindernisse auf den Gehwegen und Strassen gibt, die ich mir nicht gewohnt bin.

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Nach Gitega, der Hauptstadt von Burundi, sind es distanzmäßig etwas mehr als 100 Kilometer. Die Erfahrung zeigt aber, dass daraus nicht zurückzuschließen ist, wie lange ich für die Strecke brauche.

 

Ganz in der Nähe der Hauptstadt befindet sich eine der Hauptattraktionen des Landes: die Gishora Drum Sanctuary. Es handelt sich dabei um eine kulturelle Stätte, die sich der traditionellen burundischen Trommelkunst widmet. Diese Trommelkunst ist ein wichtiger Aspekt der burundischen Kultur. Die Stätte wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von König Mwezi IV Gisabo gegründet, um die Trommeln und ihre Traditionen zu schützen – was bis heute der Fall ist.

 

Wegen des kaum vorhandenen Tourismus in Burundi gibt es keine fixen Vorstellungszeiten oder Daten. Man kommt einfach vorbei und verhandelt dann direkt mit einem der Trommler aus der Kommune, wo alle Trommler leben, über den Preis einer Vorstellung. Dabei spielt es keine Rolle, ob man alleine ist oder in einer Gruppe. Ich bin also gespannt, ob das klappt.

 

Nach einem guten Frühstück verlasse ich meine ruhige Oase in Bujumbura und bin nach einigen Kilometern wieder mitten im turbulenten Straßenleben. Auf der Strecke erwarten mich einige Höhenmeter, die ich zu überwinden habe. Entsprechend geht es bereits in den Außenbezirken der Stadt kurvenreich zum ersten Pass hinauf. Dabei passiere ich zuerst eine lange Schlange Taxis, die vor einer Tankstelle auf Benzin warten – und kurz darauf auf der gegenüberliegenden Straßenseite gleich nochmals, nur dieses Mal mit Kleinbussen.

 

Richtig klar wird es in den Bergen nicht, und so hängt immer ein Dunst in der Luft, der mir die Aussicht etwas streitig macht. Beim Fahren muss ich mich auch hier mehrheitlich auf die Straße konzentrieren, weil alle paar hundert Meter der Belag fehlt oder riesige Schlaglöcher auf mich warten.

 

Etwa in der Hälfte der Strecke biege ich auf eine neu renovierte Straße ein, die mich bis zur Hauptstadt ohne ein einziges Schlagloch führt. Wow – das ist ja ein richtiger Luxus. Das nutzen die Fahrradtaxis ebenfalls aus und rasen mit ihren Passagieren mit von mir gemessenen 45 km/h die Hügel hinunter. Wahnsinn.

 

Gegen 13 Uhr erreiche ich die Gishora Drum Sanctuary. Es dauert nicht lange, bis ein junger Mann von einer der umliegenden Hütten zu mir kommt. Nach einer Begrüßung fragt er mich gleich, ob ich eine Vorstellung möchte. Der Preis wäre 100 Dollar. Das ist natürlich ein happiger Preis für mich alleine – in Anbetracht dessen, dass die Gruppe aus über 20 Trommlern besteht, die alle mit ihren Familien von den Auftrittsgeldern leben, nun auch nicht wirklich viel.

 

Ich erkläre ihm, dass dies für mich alleine zu teuer ist, und frage, ob er eventuell wisse, ob sie noch weitere Touristen heute Nachmittag erwarten oder eventuell morgen früh. Er schüttelt den Kopf und sagt, dass sie nicht wissen, wer wann komme. Heute Morgen sei eine kleine Gruppe hier gewesen, wann die nächste kommt, wisse er aber nicht.

 

Er reduziert dann den Preis noch auf 80 Dollar, was ich freundlich ausschlage, und ihm anbiete, dass ich morgen früh nochmals vorbeischaue. Er erwidert, dass morgen Sonntag sei und sie am Morgen alle in die Kirche gehen – erst ab Mittag wäre eine Vorführung möglich.

 

Ich bedanke mich und gehe zur Honda hinüber, wo mittlerweile über ein Dutzend Kinder um die Enduro stehen und sie bestaunen. Bevor ich den Helm anziehe, ruft mir der Mann zu, dass ich noch warten soll, da er ein Fahrzeug hochfahren höre. Und siehe da – es geht keine Minute und es erscheint ein Minibus, in dem ich drei Touristen erblicke. Super – und für einmal freue ich mich richtig, auf eine organisierte Reisegruppe zu treffen.

 

Es sind drei Professoren einer Universität aus Holland, die für zwei Wochen in Bujumbura bei einem Austauschprogramm mitgeholfen haben und jetzt an ihrem letzten Tag mit einer Reiseleiterin noch etwas in Burundi herumkurven. Sie willigen sofort ein, als ich sie frage, ob ich mich ihnen für die Vorführung anschließen kann – was den Preis für mich nun auf 40 Dollar reduziert.

 

Bevor es losgeht, erhalten wir eine Führung durch das kleine Areal. Hier hat gegen Ende seiner Regierungszeit der König gelebt, weil er sich vor seinen Gegnern verstecken musste. Dabei wurde diese Trommelstätte gegründet. In einem der Zelte sind zwei der wichtigsten Trommeln aus dieser Zeit im Originalzustand erhalten – getrommelt wird auf diesen natürlich nicht mehr. Dazwischen hören wir, wie jemand mit Trommeln die Dorfgemeinschaft informiert, dass eine Vorführung ansteht, worauf alle Trommler nach und nach erscheinen.

Und dann ist es soweit und wir setzen uns in der kleinen Arena auf die Zuschauerbänke und bekommen eine energiegeladene, erstklassige Trommelshow vorgeführt. Nebst uns sind unzählige Dorfbewohner aufgetaucht, die sich ebenfalls das Spektakel anschauen. Zeigt, dass dies immer noch etwas Besonderes für alle ist.

 

Nach 20 Minuten, die den beteiligten Trommlern einiges an Kraft gekostet haben wird, ist die Vorführung zu Ende. Es bleiben jedoch alle Teilnehmenden vor Ort und fordern uns auf, mit ihnen zusammen ein Erinnerungsfoto zu machen. Auch danach bleiben fast alle noch da, bis wir uns alle verabschieden und davonbrausen. Für einmal habe ich das Gefühl, dass die 40 Dollar gut investiertes Geld waren – die direkt der Dorfgemeinschaft zugutekommen. Zumal der junge Mann, mit dem ich anfangs gesprochen habe, ebenfalls an der Vorführung teilgenommen hat und nicht einfach nur für das Geldeintreiben zuständig ist.

 

Eine Viertelstunde später halte ich im Stadtzentrum von Gitega vor dem von mir herausgesuchten Hotel. Gitega ist – im Gegensatz zur Millionenmetropole Bujumbura – ein Provinzstädtchen mit lediglich knapp 50.000 Einwohnern. Auch Englisch wird hier kaum mehr gesprochen und ich muss meine eingetrockneten Französischkenntnisse aktivieren. Ein Zimmer bekomme ich trotzdem nicht, weil – gemäß der Frau am Empfang – alles ausgebucht ist. Es ist eben wieder einmal Wochenende, und anscheinend sind auch in Burundi viele Menschen dann unterwegs.

 

Die zweite Hoteloption ist nicht weit. Als ich auf dem Parkplatz anhalte, sehe ich aber schon, dass der große Saal im Erdgeschoss geschmückt ist und Musiker ihre Instrumente einstimmen. Das sieht wohl auch nicht gut aus mit einem freien Zimmer – was mir keine zwei Minuten später vom Empfangspersonal bestätigt wird. Wegen Hochzeitsparty ist das Hotel ausgebucht.

 

Nun gut, dann fahre ich zur dritten Option, wo ich auf dem Parkplatz einmal mehr auf Cath und Ian treffe, die soeben ausgehandelt haben, dass sie in ihrem Auto auf dem sicheren Parkplatz schlafen können. Ich werde zum Glück auch fündig und bekomme ein passables Zimmer mit Bad – zum bisher günstigsten Preis meiner gesamten Reisezeit der letzten acht Jahre: 8 Euro.

 

Etwas später gehe ich zurück ins Stadtzentrum und esse einen Happen, auf den ich – wie gestern – wieder über eine Stunde warten muss. Irgendwie scheint das hier normal zu sein. Auf dem Rückweg kaufe ich Wasser in einem der kleinen Shops. Dabei sehe ich, wie gerade das für Burundi bekannte Bananenbier aus einem großen Plastikkanister in kleine Flaschen abgefüllt wird. Es fällt mir nicht schwer, es nicht zu probieren.

 

Wieder zurück im Hotel hat sich der Parkplatz mit mehr Autos gefüllt, und – gemäß dem Inhaber – sind nun alle Zimmer belegt. Anscheinend ist die Hauptstadt bei Hochzeitsgesellschaften sehr beliebt, weshalb samstags oft alle Hotelzimmer ausgebucht sind. Eine Stunde später liege ich im Bett und als ich gerade am Einschlafen bin, geht der Partysound einer in der Nähe liegenden Bar los. Ab dann ist es mit der Nachtruhe für mehrere Stunden vorbei. In Afrika mag man es eben einfach überall laut.

Ziemlich müde von der lauten Nacht esse ich ein Frühstück aus meinem Notvorrat und belade anschliessend die Enduro. Heute ist bereits mein dritter Tag in Burundi und ich muss wieder ausreisen. Die Grenzen zwischen Burundi und Ruanda sind seit Längerem wegen politischer Spannungen geschlossen. Über die Demokratische Republik Kongo zu fahren, ist wegen der prekären Sicherheitslage keine Option. Deshalb fahre ich zurück nach Tansania – und werde morgen dann weiter nach Ruanda reisen.

 

Bevor ich starte, plaudere ich noch ein wenig mit dem englischen Paar. Vermutlich werden wir uns heute oder morgen an der Grenze wieder begegnen, da sie auf derselben Route unterwegs sind. Sie starten allerdings später, weil sie noch ein Museum in der Stadt besuchen möchten. Ob es an einem Sonntag offen hat, werden sie wohl erst wissen, wenn sie davorstehen.

 

Die Strecke zur Grenze entpuppt sich einmal mehr als Panoramastrasse durch die grünen Hügel und Berge Burundis. Ein Ausblick folgt dem nächsten, was die Fahrt gepaart mit den lebendigen Dorfdurchquerungen kurzweilig und interessant macht.

 

An der Grenze stosse ich zunächst auf eine Lawine von Lastwagen, die die ungeteerte, schmale Grenzpiste komplett verstopfen. In diesem Chaos ist selbst mit dem Motorrad kein Durchkommen. Erst nach knapp 30 Minuten tut sich eine Lücke auf, durch die ich mich gemeinsam mit einigen Motorradtaxis hindurchzwänge. Vier Lastwagen später ist der Spuk vorbei, und ich fahre die letzten zwei Kilometer bis zum gemeinsamen Grenzposten von Burundi und Tansania ohne Verkehrsaufkommen den Hügel hinauf.

 

Ein Sicherheitsbeamter weist mir am recht neuen Grenzgebäude einen Parkplatz zu und ich gehe durch den Haupteingang hinein. Kaum drin stoppt mich eine Beamtin und schickt mich zu einem Schalter gleich links. Dort muss ich erneut meine Gelbfieberimpfung vorweisen. Auch hier reicht der Anblick des gelben internationalen Impfbüchleins und den Eintrag interessiert niemand. Danach werde ich zur Immigration von Burundi geschickt. Das Ausstempeln für mich und der Honda geht problemlos in ein paar Minuten – ausser mir ist niemand da, was angesichts des Lastwagenstaus etwas merkwürdig wirkt.

 

Bei der Immigration von Tansania habe ich ebenfalls Glück. Der Beamte akzeptiert mein 90-Tage-Visum, das ich bei der Einreise aus Malawi erhalten habe. Eigentlich wäre das nur für eine einmalige Einreise gültig, aber weil Burundi derzeit nur über Tansania erreichbar ist, akzeptiert man in solchen Fällen das Single-Entry-Visum auch für eine zweite Einreise von Burundi kommend.

 

Für das Ausstellen des neuen T.I.P. muss ich allerdings einiges mehr an Geduld aufbringen. Zum Glück habe ich das erste T.I.P mit dem Handy fotografiert und kann es dem Beamten zeigen. Er nimmt es dankend entgegen und schreibt alles davon ab. Leider ist die Computertastatur nicht sein Freund. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir mitten in einem langen freien Wochenende in Tansania sind und er entsprechend wenig Lust zum Arbeiten hat. Zudem will er als erster Grenzbeamter auf meiner bisherigen Afrikareise die Honda sehen. Ich muss deshalb zurück zum Parkplatz, wo mich der Sicherheitsbeamte, der mir den Parkplatz zugewiesen hat und jetzt eine fette Schrottflinte umgehängt hat, um Geld anbettelt, was ich mit einem freundlichen Kopfschütteln beantworte und gleichzeitig so rasch wie möglich die Enduro starte und auf die tansanische Seite des Grenzgebäudes fahre.

Wieder beim Schalter zurück, bemüht sich der Beamte langsam aus der Türe hinaus, schaut die Honda aus fünf Metern Entfernung an und kommt gemächlich zurück zum Schalter. Eine halbe Ewigkeit später halte ich endlich das neue T.I.P. in der Hand und setze mich erst einmal neben der Honda in den Schatten.

 

Dort werde ich von zwei Tansaniern angesprochen, die sehr gut Englisch sprechen. Es stellt sich heraus, dass einer der beiden mit gebrauchten Lastwagen handelt. Er ist hier, weil Burundi einen LKW aus Tansania konfisziert und nun zum Verkauf angeboten hat und er diesen gekauft hat. Der zweite Mann ist sein Kunde, der ihm den LKW bereits vor der Abholung abgekauft hat. Deshalb sind sie gemeinsam aus dem weit entfernten Daressalam angereist. Wir plaudern noch ein wenig, bis sie wegen ihrer Papiere zurück zum Schalter müssen.

 

Eigentlich liegt die Grenze nach Ruanda nur 80 km von hier entfernt. Bis nach Kigali wären es dann nochmals etwa 150 km – insgesamt zu viel für heute. Ich weiss ja nicht, wie lange der Grenzübertritt nach Ruanda dauern wird. Deshalb beschliesse ich, eine der von mir recherchierten Unterkünfte in der übernächsten Ortschaft anzusteuern und dort zu übernachten.

 

Die Lodge liegt ruhig in einer Quartierstrasse abseits der Hauptstrasse. Der Parkplatz ist leer – hoffentlich ein gutes Zeichen, dass trotz des langen Feiertagwochenende noch ein Zimmer frei ist. Tatsächlich bekomme ich ein Zimmer. Eine halbe Stunde später sitze ich auf dem Bett, trinke Kaffee und entspanne mich etwas.

Mein Zimmer befindet sich über der Strasse im Nachbargebäude der Lodge. Als mein Magen zu knurren beginnt, gehe ich ins Haupthaus, wo es ein Restaurant geben soll. Ich finde es auch – aber es ist niemand da. Am Empfang treffe ich auf den Chef des Hauses und den Koch. Er bietet mir Reis mit Bohnen an, was ich dankend annehme. Er sagt, er werde es mir in ein paar Minuten aufs Zimmer bringen.

 

Kaum hat er ausgesprochen, rollt ein kleiner Bus heran – begleitet von Motorradtaxis, die mit Baumästen geschmückt sind. Sowohl der Koch als auch der Chef eilen sofort hinaus. Das sieht nach einer Menge Gäste aus, also ziehe ich mich zurück in mein Zimmer.

 

Wie befürchtet, geht meine Essensbestellung im Trubel unter. Später gehe ich erneut ins Restaurant, wo jetzt eine amerikanische Touristengruppe sitzt, die im ankommenden Bus war. Als mich der Koch sieht, winkt er mir zu und serviert mir wie der Gruppe aus den USA eine grosse Portion Reis mit Bohnen.

 

Beim Essen komme ich mit einigen aus der Gruppe ins Gespräch. Sie gehören einer Kirche in den USA an und leisten hier in der Region Missionsarbeit. Einer von ihnen ist sogar in Tansania geboren. Seine Eltern waren viele Jahre als Missionare hier tätig, und heute kehrt er jährlich mit seiner Kirche aus Texas zurück, um weiter beim Aufbau theologischer Ausbildungsstätten zu unterstützen.

 

Nach etwa einer Stunde ziehe ich mich wieder ins Nebenhaus zurück. Inzwischen sind weitere Gäste angekommen – streng gläubige Muslime. Drei komplett verschleierte Frauen sitzen im kleinen Aufenthaltsraum und wollen gerade essen, als ich hereinkomme. Ihre Männer schauen mich verwundert an und die Frauen verschleiern sich sofort wieder. Mit einem weissen Touristen haben sie hier im Nirgendwo sicher nicht gerechnet. Ich grüsse freundlich auf Suaheli und gehe in mein Zimmer.

 

Schon verrückt, was für skurrile Begegnungen so eine Lodge am Rand von nirgendwo bereithalten kann.

Die 50 Kilometer bis zur ruandischen Grenze gestalten sich zunächst als weitere Panoramastrasse, die sich durch grüne Hügel windet, um dann im zweiten Teil eine 180-Grad-Wende zu machen und in eine staubige Baustellenfahrt überzugehen, auf der sich fast ausschliesslich Lastwagen bewegen.

 

Ruanda und Tansania betreiben auf beiden Seiten ein gemeinsames Zollgebäude. Wer von Tansania nach Ruanda fährt, nutzt das Gebäude auf ruandischer Seite – wer umgekehrt fährt, erledigt die Grenzformalitäten auf der tansanischen Seite. Dazwischen liegt der Grenzfluss Kagera-Nil, einer der Quellflüsse des bekannten Nils.

 

Auf der Brücke über den Fluss ändert sich – wie schon an der Grenze zu Burundi – der Strassenverkehr auf Rechts und die Uhrzeit geht um eine Stunde zurück.

 

Beim Grenzgebäude angekommen, gehe ich direkt zum ersten Schalter und werde aus Tansania ausgestempelt. Danach folgt die Immigration von Ruanda, wo ich ein sogenanntes East African Tourist Visa kaufen möchte. Dieses berechtigt mich, während 90 Tagen in Ruanda, Uganda und Kenia herumzureisen und die Grenzen zwischen diesen drei Ländern beliebig oft zu überqueren. Leider verweigert mir der Grenzbeamte den Kauf des Visums, weil ich als Schweizer Bürger für die Einreise nach Ruanda kein Visum für Aufenthalte bis 30 Tage benötige. Da ich also kein Visum brauche, will er mir auch keines verkaufen.

 

Ich gebe nicht so schnell auf und frage drei, vier Mal nach, ob es denn nicht doch möglich sei, weil es für mich deutlich einfacher wäre, das Visum jetzt hier zu kaufen, als es später an der Grenze zu Uganda online zu beantragen. Schliesslich werde ich vom Dienstchef ins Büro gebeten. Er erklärt mir freundlich, dass Ruanda bemüht sei, mich und alle anderen Touristen auf die bestmögliche Weise zu bedienen – und sie mir deshalb kein Visum ausstellen dürfen, das ich nicht benötige. Als klar wird, dass sie keine Ausnahme machen werden, bedanke ich mich für die freundliche Unterstützung und kehre zurück zum Schalter. Dort bekomme ich ohne weitere Verzögerung den Einreisestempel für Ruanda.

 

Natürlich bin ich nicht besonders glücklich darüber – die Beantragung des Visums über Uganda bedeutet mehr Aufwand, als wenn ich es jetzt einfach an der Grenze hätte kaufen können.

 

Danach gehe ich zum tansanischen Zollschalter, um mein T.I.P. (Temporary Import Permit) abzugeben. Am Schalter ist aber niemand. Ein Sicherheitsbeamter weist mich darauf hin, dass das Zoll Büro beim Gate liegt, wo ich hereingefahren bin. Also muss ich wieder aus dem Gebäude raus und zu Fuss zurücklaufen. Ein anderer Wachmann zeigt mir das kaum sichtbare Fenster des Zollbüros. Dort werde ich sofort bedient, und zehn Minuten später bin ich zurück im Hauptgebäude und stehe am ruandischen Zollschalter an.

 

Hier treffe ich Cath und Ian wieder, die inzwischen ebenfalls eingetroffen sind. Sie werden gerade bedient, müssen sich aber gedulden, weil sie ohne Carnet de Passage einreisen wollen. Als der Beamte mein Carnet sieht, winkt er mich heran, stempelt es ohne Umschweife ab und gibt es mir zurück. Schon ist der Papierkram für die Honda erledigt. Das ist definitiv einer der grossen Vorteile des Carnet de Passage.

Ich verabschiede mich von den beiden – ab hier werden sich unsere Reiserouten nicht mehr kreuzen. Sie bleiben nur ein paar Tage in Kigali und Umgebung und fahren dann über Tansania nach Mombasa in Kenia, wo sie ihr Fahrzeug für eine längere Pause abstellen werden.

 

Zurück bei der Honda bereite ich mich mental darauf vor, dass ich beim Verlassen des Grenzareals mein Gepäck abmontieren muss, um es durch den Scanner zu schicken. Ruanda verbietet die Mitnahme von Drohnen und macht deshalb striktere Kontrollen. Ausserdem verlangen die Beamten häufig einen Versicherungsnachweis. Eine Versicherung schliesse ich aber erst ab, wenn sie tatsächlich verlangt wird.

 

Ich fahre langsam durch die halboffene Halle des Zolls und gelange, ohne gestoppt zu werden zur Schranke, die mir ein freundlich grüssender Beamter sofort öffnet. Damit habe ich nicht gerechnet – ich gebe subito Gas, bevor sich doch noch jemand umentscheidet und mich zurückruft.

 

Schon nach wenigen Kilometern wird deutlich: Ruanda verfügt über eine deutlich bessere Infrastruktur als die umliegenden Staaten. Die Strasse ist perfekt geteert, in den Ortschaften gibt es Gehsteige und Fahrradwege, sauber abgegrenzt von der Fahrbahn. Die Häuser sind viel besser unterhalten, teilweise mit Vorgärten. Verkaufsstände entlang der Strasse sind rar – stattdessen reihen sich zahlreiche kleine Läden aneinander.

 

In der ersten grösseren Ortschaft beziehe ich an einem Geldautomaten ruandische Franc und stelle mich anschliessend im danebenliegenden Telekomshop für den Kauf einer SIM-Karte in die Warteschlange. Leider geht es kaum voran. Ich beschliesse deshalb, mir die SIM-Karte später in Kigali zu besorgen.

 

Etwa auf halber Strecke halte ich bei einem gross angeschriebenen Café-Shop an und bestelle mir einen Kaffee. Der schmeckt hervorragend – kein Wunder, ist Kaffee eines der wichtigsten Exportprodukte des Landes. Auf einer der ruandischen Banknoten sind sogar Kaffeebohnen abgebildet.

 

Am späteren Nachmittag erreiche ich Kigali, die weit verstreute Hauptstadt Ruandas inmitten einer grünen Hügellandschaft. Hier werde ich bis zur Ankunft meiner Reisepartnerin in einer Woche bleiben. Ich habe mir dafür ein kleines Airbnb-Appartement gemietet, das in einem lebhaften Quartier mit vielen Shops und Restaurants liegt.

 

Dank Navigationsgerät finde ich das Haus problemlos. Es verfügt über eine Tiefgarage, in der ich die Honda sicher parken kann. Mit dem Lift geht es hinauf in den dritten Stock, wo meine kleine Wohnung liegt. Vom Balkon aus geniesse ich eine schöne Aussicht auf einige der grünen Quartiere der Stadt.

 

Nächsten Dienstag übernehmen meine Reisepartnerin und ich unseren gemieteten Jeep, mit dem wir einen Teil Ruandas und Ugandas erkunden werden. Während dieser Zeit kann ich die Honda gegen eine kleine Gebühr in der Garage eines Motorradtourenanbieters in Kigali sicher unterstellen. Am 7. oder 8. August wird meine Motorradreise „Afrika hautnah“ dann weitergehen. Bis dahin erscheinen weitere Reiseberichte in unregelmässigen Abständen.

Videos

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Burundi – Das Herz von Afrika“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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