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Botswana - das tierreichste Land Afrikas

Botswana - das tierreichste Land Afrikas

26.11.2025 routen >> afrika hautnah

Die Route durch die Mitte Botswanas ist geprägt von endlosen Weiten. Dazwischen liegen nur wenige Ortschaften mit Unterkünften. Es ist ratsam, diese im Vorfeld zu kontaktieren, damit man nicht vor ausgebuchten oder verschlossenen Guesthouses steht. Wir halten uns daran und erhalte von der Unterkunft, die ideal gelegen wäre, eine Absage. Ausgebucht. Es ist Wochenende, viele Einheimische sind unterwegs.

 

Wir kürzen die Tagesstrecke und fahre ins 200 Kilometer entfernte Letlhakane. Kurz nach der Buchung über Booking.com kommt die Nachricht, dass die Unterkunft ebenfalls ausgebucht sei und eine technische Störung die Buchung ermöglicht habe. Als Ersatz bieten sie uns eine Self-Catering-Unit an. Sie liegt etwas ausserhalb, dafür nahe einer grossen Shopping Mall.

 

Die Fahrt dorthin bietet keine besonderen Eindrücke, ausser die vielen blühenden Bäume. Es ist anfangs der Regenzeit, was mit unserem Frühling gleichzusetzen wäre. Die vielen Blüten ziehen tausende von Schmetterlingen an, die wie wild durch die Luft fliegen. Einige klatschen leider auf unsere Helme und Motorradkleider, wogegen wir nichts unternehmen können.

 

Wir erreichen die Ortschaft kurz nach Mittag, können einchecken und gehen anschliessend zur Mall. Bernhard hat anerboten etwas zu kochen, wozu ich nicht nein sage. Die Küche im Apartment ist gut ausgestattet und er will Spaghetti zubereiten. Der Einkauf dazu ist schnell erledigt, verfügt die Shopping Mall doch über einen gut ausgestatteten Supermarkt.

 

Zurück im Apartment relaxen wir. Die Sonne drückt und die Hitze zwingt uns förmlich zu einer Siesta. Später startet Bernhard mit dem Kochen und verwandelt die Küche in eine Sauna. In diesen Temperaturen essen wir die Spaghetti mit Fleisch, Karotten und Tomatensauce. Dabei kommen wir arg ins Schwitzen. Als Dessert verköstigen wir eine reife, leckere Ananas. Da viel Essen übrigbleibt, fragen wir den Wächter am Tor, ob er Hunger hat. Er nickt und wir bringen ihm einen vollen Teller rüber, den er dankend annimmt.

 

Beim Abwasch fällt der Strom aus. Nach etwa fünfzehn Minuten steht der Wächter vor der Tür und erklärt, dass der Stromausfall den ganzen Bezirk betrifft und länger dauern kann. Nun gut, dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig als den Abwasch auf morgen früh zu verschieben und schlafen zu gehen.

Irgendwann in der Nacht werde ich wach, weil in meinem Zimmer das Licht angegangen ist. Grimmig steige ich aus dem Bett, löschen das Licht und lasse mich zurück ins Bett fallen, wo das Land der Träume auf mich wartet.

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Für unser Frühstück haben wir gestern im Supermarkt eingekauft. Währenddessen checke ich meine WhatsApp Nachrichten. Leider bekommen wir wieder eine Absage von einer Unterkunft auf unserem Weg. Es gibt noch eine zweite Schlafmöglichkeit in dieser Ortschaft, die uns aber zu teuer. Wir machen deshalb einen kleinen Umweg und fahren nach Maun, dem Hauptort in der Mitte von Botswana, von wo viele Touren ins das Okavango Delta starten. Dort finden wir problemlos ein Bett für heute Abend. Mit 350km ist die Strecke einiges weiter, wie gestern, weshalb wir bald nach dem Frühstück losbrummen.

 

Auf dem Weg liegt Orapa, die flächenmässig grösste Diamantenmine der Welt, an die sich die gleichnamige Ortschaft anschliesst, die nur mit Passkontrolle und Registrierung an den streng bewachten Toren betreten werden darf und obwohl die Mine geführte Touren anbietet, habe ich gelesen, dass man wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen kaum wirkliche Einblicke in den gewaltigen Tagebau erhält, weshalb wir auf diesen Abstecher verzichten und die Ortschaft über die eigens dafür gebaute Umfahrungsstrasse passieren.

 

Wieder zurück auf der Hauptachse nach Maun stehen wir unvermittelt vor einem riesigen Grossmuldenkipper, der am Strassenrand platziert wurde und in der Mine im Einsatz war. Die beeindruckenden Dimensionen bringen uns zum Staunen und lassen uns erahnen, wie die Grössenverhältnisse des gesamten Abbaugebiets sein muss.

Etwa hundert Kilometer weiter öffnet sich der zuvor dichte Buschgürtel und wir fahren an ersten ausgetrockneten Salzseen vorbei. Die Landschaft verändert sich darauffolgende ein weiteres Mal und die riesige Steppe gibt den Blick frei auf die scheinbar endlosen Ebenen der Central Kalahari Wüste. Diese zählt zu den grössten Wildreservaten der Welt zählt.

 

Während einer längeren Pause ziehen dunkle Wolken auf und wir entkommen dem Regen zunächst durch zügige Weiterfahrt. Als wir auf der Verkehrsachse nach Maun links abbiegen müssen, steuern wir jedoch direkt in die Gewitterfront hinein. Da kommt der folgenden Veterinary Control Point, der der Eindämmung von Tierkrankheiten dient, gerade richtig, um unsere Regenjacken überzuziehen.

 

Doch wie so oft in den grossen Ebenen, lösen sich Gewitter so schnell auf, wie sie entstehen und obwohl der Himmel vor uns düster bleibt, erreichen wir das siebzig Kilometer entfernte Maun nahezu trocken. Ja es scheint sogar wieder die Sonne als wir zum Guesthouse abbiegen und ich bin erleichtert, die Regenjacke wieder auszuziehen.

 

Den restlichen Nachmittag verbringe ich mit Ausruhen, plaudern mit der Inhaberin der Unterkunft, einem guten Abendessen und der Planung unserer morgigen Etappe.

Unsere Richtung dreht sich um 180 Grad nach Osten. Unser Ziel ist Nata, von wo wir morgen nach Norden abbiegen. Auf den dreihundert Kilometern bis dorthin gibt es ausser einer kleinen Siedlung nichts. Einzig eine Tankstelle mit Shop, die wir sicher ansteuern werden. Vielleicht begegnen wir heute den ersten Elefanten. Botswana ist bekannt dafür, dass seine Nationalparks nicht eingezäunt sind und die Tiere sich frei bewegen können. Auch über die Strassen. Wir sind gespannt.

 

Die ersten achtzig Kilometer fahren wir auf der Strecke, die wir gestern in umgekehrter Richtung gefahren sind. Beim Erreichen des Veterinary Control Points müssen wir dieses Mal absteigen. Mit unseren Stiefeln müssen wir in ein Desinfektionsbad stellen. Auch die Bereifung des Motorrads muss gereinigt werden, wofür wir eine kurze Durchfahrt durch eine grosse Desinfektionsmulde machen müssen.

 

Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir den Nxai-Pan-Nationalpark. Die Grenzen verlaufen entlang der Strasse. Der Park ist bekannt für seine riesigen Baobab-Bäume. Mit dem Motorrad dürfen wir diese leider nicht besuche.

 

Dafür werden wir anders belohnt. Kaum denke ich daran, dass vielleicht die ersten Elefanten auftauchen, steht eine Gruppe grauer Riesen am rechten Strassenrand. Es ist schon surreal, so nah mit dem Motorrad neben diesen Riesen anhalten zu können. Sie lassen sich zum Glück von uns nicht stören und wir bleiben eine Weile stehen und beobachten sie.

 

Einige Kilometer später sehen wir erneut eine kleine Gruppe Elefanten. Sie reagieren etwas nervöser auf die Geräusche unseres Motorrads. Bis auf einen verschwinden alle im Gebüsch. Später fahren wir an einem grösseren Wasserloch vorbei. Dort steht eine ganze Herde. Die Wächter der Gruppe beobachten uns genau, deshalb halten wir Abstand. Einfach unglaublich.

 

Danach wird es an der Tierfront wieder ruhiger. Irgendwann rauscht eine grosse Reiseenduro mit einem grüssenden Fahrer an uns vorbei. Als wir später an der Tankstelle mit Shop anhalten, steht er mit seiner KTM im Schatten. Wir gesellen uns zu ihm. Er kommt aus England und verbringt die Hälfte des Jahres in Kapstadt und die andere Hälfte in London. Jetzt ist er unterwegs Richtung Kenia oder so weit, wie es für ihn passt. Bevor er weiterfährt, fragt er, ob wir heute auch bei der Elephant Sands Lodge übernachten. Wir verneinen. Wir werden in Nata bleiben. Die Lodge ist bekannt für ihr grosses Wasserloch, das oft von Elefanten besucht wird. Wegen den vielen westlichen Besuchern sind die Preise zu hoch für uns. Zudem ist jetzt zu Beginn der Regenzeit nicht sicher, ob Elefanten überhaupt kommen.

 

Kaum ist er abgefahren, steht ein deutsches Paar vor uns. Sie haben unsere Kennzeichen gesehen. Sie erzählen, dass sie schon viel mit Motorrad und Auto gereist sind. Unser Gespräch dauert entsprechend lange. Danach kaufen wir im Supermarkt ein und fahren weiter.

 

Ich hatte gehofft, auf der Strecke Baobab-Bäume zu sehen. Bis jetzt ist noch kein einziger in Sicht. Wir biegen von der Strasse ab, als wir das Schild zur Baobab Lodge sehen. Die Lodge ist anscheinend von mehreren riesigen Baobab-Bäumen umgeben. Die hohen Übernachtungspreise verhindern es aber, dass wir eingeplant haben, hier zu übernachten. Wir müssen nicht bis zur Lodge fahren, den bereits nach einigen hundert Meter taucht der erste dieser wuchtigen Bäume auf. Bisher habe ich sie nur ohne Blätter gesehen. Jetzt verschwinden ihre Äste im Blättermeer und ich erkenne den Baum nur noch am Stamm.

 

Wir drehen zurück auf die Strasse. Einige Minuten später passieren wir einen Rastplatz mit einem riesigen Baobab in der Mitte. Wir drehen um und fahren hin. Daneben steht ein 4×4-Camper mit einem asiatischen Paar. Sie stammen ursprünglich aus Japan, leben aber schon lange in den USA. Auch hier bleiben wir für ein längeres Gespräch stehen. Als ich irgendwann die Uhr schaue, merke ich, dass wir weitermüssen. Noch hundert Kilometer liegen vor uns.

 

Auf halber Strecke öffnet sich die Landschaft erneut. Riesige Salzpfannen zeigen sich. Der Regen hat kleine Seen gebildet, in denen sich kleine Pferdeherden tummeln. Ein fotogenes Bild.

 

In Nata angekommen, beziehen wir unsere Zimmer. Da es bereits 18 Uhr ist, bestellen wir gleich unser Abendessen. Ein tierreicher Tag geht zu Ende.

Wir fahren heute etwas früher los, damit wir in Kasane genügend Zeit haben, bei einem der Touranbieter vorbeizuschauen und für morgen eine Tierbeobachtungsbootstour auf dem Sambesi im Chobe-Nationalpark zu buchen.

 

Der Himmel ist erneut von dunklen Wolken bedeckt, die auf der Fahrt zur Tankstelle ihre ersten Regentropfen fallen lassen. Also ziehen wir gleich die Regenjacken an, auch wenn in unserer Richtung schon blauer Himmel wartet.

 

Auf den ersten dreißig Kilometern fahren wir durch eine lange Baustelle. Die alte Straße ist durch den LKW-Verkehr stark beschädigt, anstatt sie neu zu teeren, wird daneben einfach eine neue Straße gebaut. Danach wird es verkehrstechnisch ruhiger, und wir fahren wie gestern auf kilometerlangen, schnurgeraden Straßen nach Norden.

 

Gebremst werden wir erneut von einem Elefanten, der dieses Mal auf unserer Straßenseite steht. Er ist groß, und ich halte lieber auf der gegenüberliegenden Seite an. Er frisst seelenruhig weiter und lässt sich nicht einmal vom vorbeirasenden LKW beeindrucken.

Als Nächstes taucht ein Strauß in meinem Blickfeld auf, der sich jedoch mit schnellen Schritten ins Buschwerk zurückzieht. Dasselbe passiert mit einer kleinen Herde Antilopen, die mit wilden Sprüngen verschwindet. Einzig die Giraffen bleiben misstrauisch im Gebüsch stehen und beobachten uns, als wir anhalten.

 

Abgesehen von den Tieren ist die Landschaft bis nach Kasane wie an den Vortagen vorwiegend Buschland. Dazwischen durchqueren wir riesige, für die Landwirtschaft gerodete Gebiete, Felder, soweit das Auge reicht.

 

Kasane, das am einzigen Vierländereck der Welt auf der botswanischen Seite liegt, erreichen wir gegen 15:00 Uhr. Der von uns angesteuerte Touranbieter hat geöffnet, und wir können ohne großen Aufwand für morgen um 08:30 Uhr eine Bootstour im Chobe-Nationalpark buchen. Danach steuern wir unsere Unterkunft an, wo uns die freundliche Gastgeberin ein Zimmer-Upgrade anbietet. Wir sind für die nächsten drei Nächte die einzigen Gäste, erzählt sie, und deshalb ist sie gerne bereit, uns etwas mehr Komfort zu gönnen. Nach einer Ruhepause serviert uns danach die Hausküche ein frühes Abendessen.Formularende

Die Motorräder lassen wir heute stehen und nehmen ein Taxi zum Bootssteg. Wir sind frühzeitig dort und werden während der Wartezeit auf einen Kaffee eingeladen. Nach und nach tauchen weitere Besucher auf, die vermutlich wie wir eine Bootstour unternehmen wollen.

 

Fast pünktlich wie eine Schweizer Uhr erscheint ein Tourguide und bittet uns, ihm zu folgen. Am Steg nehmen wir zusammen mit sechs weiteren Touristen Platz in einem der kleinen Boote. Nachdem sich der Guide vorgestellt hat, tuckern wir langsam los. Unser erstes Ziel ist das Büro des Nationalparks, wo wir kurz anhalten, damit der Guide uns anmelden kann. Anschließend schippern wir weiter in den Park hinein.

 

Der Sambesi-Fluss ist hier während der Trockenzeit nicht tief, sodass die Tiere die Inseln in der Mitte erreichen, auf denen sie reichlich Nahrung finden. Der Guide erzählt uns, dass Namibia, das auf der anderen Flussseite liegt, diese Inseln ursprünglich beanspruchen wollte, um Viehzucht zu betreiben. Der internationale Gerichtshof entschied zugunsten Botswanas, weshalb die Inseln heute zum Chobe-Nationalpark gehören.

 

Es dauert nicht lange, bis die ersten Hippos im Wasser auftauchen. Büffel sind ebenfalls überall auf den Inseln zu sehen, und als der Guide etwas näher heranfährt, entdecken wir ein kleines Krokodil.

 

In den folgenden drei Stunden steuert uns der Guide sicher durch die Flussgewässer. Wir sehen viele weitere Hippos, Vögel, Büffelherden, Krokodile und sogar einen Elefanten. Und wir beobachten, wie sich ein Hippo aus dem Wasser kämpft, um auf einer Insel zu grasen.

 

Weniger gut gefällt mir, dass der Guide oft zu nah an die Tiere heranfährt. Manche Tiere werden dadurch gestört und vertrieben und bei den Hippos versucht er sogar, ein Maulaufreißen zu provozieren. Dieses Verhalten ist ein Warnsignal der Tiere, dass sie sich bedrängt fühlen, und sollte von einem guten Guide nicht absichtlich herbeigeführt werden.

 

Zurück am Steg entscheidet sich Bernhard, am Nachmittag noch an einer Jeep-Safari teilzunehmen. Mir sagt das weniger zu, weshalb ich in die Unterkunft zurückfahre. Dort stehen Wäsche waschen und die Planung der Weiterfahrt nach Angola auf dem Programm. Zudem muss ich mir überlegen, wie es mit Bernhard und mir als Reisepartner weitergeht. Die ersten gemeinsamen Tage haben bereits gezeigt, dass wir nicht gut zueinander passen. Schon im Vorfeld ist mir aufgefallen, dass er sich kein einziges Mal über die Route mit mir ausgetauscht hat und kaum Fragen gestellt hat. Die letzten vier Tage haben mir bestätigt, dass er sich kaum mit Afrika und unserer Strecke im Vorfeld beschäftigte. Dadurch konnte er zur Routenplanung und Sehenswürdigkeiten bis hierher nichts beitragen und ist mir einfach hinterhergefahren. Für mich stimmt das in keiner Weise, weshalb wir heute Abend eine Aussprache führen müssen mit unbestimmtem Ausgang.

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Botswana – das tierreichste Land Afrikas“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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