Augrabies Nationalpark in Südafrika
28.01.2025 reiserouten >> afrika hautnah
Die Temperaturen fallen nachts nicht unter 25 Grad, aber der Wind macht es angenehmer. Dennoch muss ich die Fenster wegen der Moskitos geschlossen halten. Tagsüber klettern die Temperaturen auf knapp 40 Grad. Ich verbringe die heißen Stunden entweder im Bungalow, wo ich mich beim Blogschreiben von der Klimaanlage abkühlen lasse, oder draußen im Schatten – wenn der Wind sporadisch aufbraust.
Gestern habe ich bei der Rückfährt vom Fish River Canyon an der Tankstelle im Ort Halt gemacht, um etwas Proviant einzukaufen. Auf ein großes Abendessen habe ich bei diesen Temperaturen nicht jeden Tag Lust. Heute gibt es daher „Menü light“. Neben Lebensmitteln habe ich mich im Shop auch nach einem Deckel für meine Benzinblase umgeschaut. Zu meiner Überraschung gab es dort ein Ersatzset für Benzinkanister – mit Deckel und einem Einfüllstützen. Von Auge aus könnte das Gewinde passen, dachte ich. Tatsächlich ist es so. Jetzt hat meine Benzinblase einen neuen, gelben Deckel.
Abends mache ich einen Spaziergang in der Umgebung und entdecke dabei die Freiluftbadewanne, von der mir die Farmeigentümerin beim Einchecken erzählt hat. Lustig anzusehen, aber bei der Hitze ist mir nicht nach einem Bad. Das Wasser hier kommt recht lauwarm aus dem Hahn und bringt nicht die erhoffte Abkühlung.
Der nächste Tag verläuft ähnlich. Ich nutze die Zeit, um zu relaxen, die morgige Route zu planen und zu packen. Abends mache ich einen kleinen Spaziergang zum Hauptgebäude der Farm, um meine Rechnung zu bezahlen. Für den Rückweg kann ich beim Farmeigentümer mitzufahren, da er das Abendessen zu den Bungalows bringt. Während der Fahrt unterhalten wir uns über das Leben auf der Farm. Sie züchten vor allem Schafe, da Kühe zwar der Hitze trotzen könnten, es aber nicht das richtige Futter für sie gibt. Allein von der Schafzucht zu leben, könnten sie jedoch nicht, weshalb sie wie die meisten Farmer in der Umgebung ein zweites Standbein fürs Geldverdienen benötigen. Das scheint sie aber nicht weiter zu stressen. Weder er noch sie machen nämlich auf mich einen bekümmerten oder gestressten Eindruck.
Nach den lecken Essen spaziere ich nochmals etwas in der Umgebung herum und geniesse als Abschluss einen weiteren Sonnuntergang in der Wüste Namibias. Grandios.
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Meine Reiserichtung dreht erneut und ich fahre zurück nach Südafrika zum Augrabies-Wasserfall, den der Oranje-Fluss in der Nähe von Upington gebildet hat. Die Strecke dorthin ist über 400 Kilometer lang, weshalb ich sie auf zwei Tage aufteile. Heute geht es ausschließlich über Teerstraßen an die Grenze und weiter nach Upington. Es sind wieder Temperaturen über 40 Grad gemeldet, weshalb ich so plane, dass ich spätestens um 14:00 Uhr dort bin. Die Höchsttemperaturen werden in dieser Gegend erst gegen 16:00 Uhr erreicht.
In der einzigen Ortschaft bis zur Grenze lege ich einen Benzinstopp ein. Pausen unterwegs machen wenig Sinn, weil es einfach nirgends Schatten gibt. Einzig die kunstvollen Nester der Siedelweber bringen mich dazu, kurz zu halten. Erstaunlich, was die Vögel da an die Telefonmasten bauen – teilweise wie eine kleine Stadt.
An der Grenze ist wie schon bei Oranjemund nichts los und ich komme sofort an die Reihe. Wie für die Einreise muss ich für Ausreise aus Namibia ein Formular ausfüllen. Das ist schnell gemacht und knallt die Grenzbeamtin auch schon meinen Ausreisestempel in den Pass. Meine Honda interessiert sie nicht und meint ich könne weiterfahren. Stört mich nicht, das Carnet de Passage ist ja von Südafrika ordnungsgemäss abgestempelt und da gehe ich wieder zurück.
17 km später folgt der südafrikanische Grenzposten. Der ist luxuriöser ausgestattet, sogar mit Klimaanlage. Auch hier bin ich der Einzige und somit ist die Einreise schnell erledigt. Die mir erlaubten 90 Tage seit Ersteinreise in Kapstadt stehen mir weiterhin zu respektive darf ich weiterhin bis anfangs April im Land bleiben. Die Beamtin gibt mir einen Laufzettel mit und schickt mich drei Schalter weiter zur Polizei für die Einfuhr der Honda. Dort lege ich mein CDP auf den Tisch, was die Beamtin überhaupt nicht interessiert. Sie nimmt meinen Pass, trägt etwas in eine Liste ein, Stempelt meine Laufzettel und das wars. Schön, auch dieser Grenzübertritt lief problemlos. Ich steige auf die Honda und fahre die wenigen Meter zum Kontrollhäuschen, wo ich den Laufzettel abgeben muss. Nebst dem Beamten im Häuschen sitzen vier weitere im Schatten eines Baumes. Im Nu fangen alle an mit mir zu schwatzen, was ich eigentlich immer schätze, nur stehe ich heute in der prallen Sonne und nach fünf Minuten muss ich sie unterbrechen mit dem Hinweis, dass es mir zu heiss wird. Sie lachen alle wünschen mir gute Fahrt.
Kurz vor Upington leuchtet es immer greller von der Wüste heraus. Je näher ich komme, desto mehr sieht es aus, als ob hier Außerirdische eine Station erbaut hätten. Hätte ich auf meiner Iberien Halbinsel-Motorradreise nicht ähnliche Solarkraftwerke in Andalusien gesehen, wäre ich ratlos gewesen. Gemäß meiner Internetrecherche heißt die Anlage „Khi Solar One“ und ist das erste Solarkraftwerk in Afrika. Sonne gibt es auf jeden Fall in dieser Umgebung mehr als genug.
Meine Unterkunft erreiche ich problemlos. Die Honda bekommt einen Platz im Schatten im Garten und ich ein herrlich gekühltes Zimmer. Der Vermieter zeigt mir, wie alles funktioniert und wo der Briefkasten für den Schlüssel ist, falls ich morgen abfahren sollte, ohne ihn zu sehen.
Danach relaxe ich zuerst ein wenig und fahre anschließend in die Shopping Mall, die ein paar Kilometer entfernt liegt. Dazu nehme ich nur den Helm mit. Es hat fast keinen Verkehr auf den Straßen, weshalb ich gut mit T-Shirt und kurzen Hosen die kurze Fahrt machen kann.
Der Parkplatz ist gut gesichert, und ich muss mir um die Honda und meinen daran gesicherten Helm keine Sorgen machen. Es ist Samstag, und außer der Shopping Mall hat alles in der Ortschaft bereits ab 13:00 Uhr geschlossen. Neben einem leichten Abendessen brauche ich einen neuen Sonnenhut – der ist irgendwo liegengeblieben. Zudem habe ich gestern beim Packen bemerkt, dass meine Regenunterziehjacke zu Hause geblieben ist. Das kommt davon, wenn man jahrelang mit Gore-Tex-Jacke und -Hose fährt und sich daran gewöhnt, keine Regenklamotten mitzunehmen. Macht nichts, irgendeine Regenjacke finde ich schon. Als Hose verwende ich immer noch Gore-Tex.
Den Sonnenhut habe ich schnell besorgt. Bei der Regenjacke dauert es etwas länger. In dieser Gegend regnet es eigentlich nie, und wenn doch, dann höchstens ein bis zwei Stunden. Es braucht also niemand einen Regenschutz. Im einzigen Laden mit Outdoor-Kleidung werde ich dann aber noch fündig. Danach trinke ich erst einmal einen leckeren Cappuccino und kaufe anschließend etwas Kleines zum Essen ein.
Auf dem Parkplatz spricht mich ein Mann beim Vorbeigehen an und fragt, woher ich komme. Wir plaudern ein wenig und er erzählt mir, dass es im Sommer ohne Probleme über 50 Grad heiss werden kann. Ich scherze dann zurück, dass es für ihn in dem Fall heute eher kühl sei und er meint, ja und wenn das Thermometer 30 Grad anzeige, würden sie eine Jacke anziehen.
Den Rest des Tages verbringe ich im Garten meiner Unterkunft, wo es angenehm viel Schatten gibt.
Der Augrabies Wasserfall liegt im gleichnamigen Nationalpark nahe der namibischen Grenze. Es sind die einzigen Wasserfälle, die der Fluss Oranje hervorbringt. Innerhalb des Parks gibt es, wie üblich in Südafrika, ein Camp mit verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten. Diese sind aus meiner Sicht fast immer überteuert, und zelten mag ich bei diesen heißen Temperaturen nicht. Ein Vorteil der sommerlichen Hitze ist jedoch, dass Nebensaison ist und die umliegenden Guesthouses ihre Zimmer deutlich günstiger vermieten. So leiste ich mir den Luxus eines Zimmers in einer komfortablen Lodge zum halben Preis.
Auf der Strecke zum Nationalpark habe ich mir eine Route herausgesucht, die über eine Schotterpiste durch ein Gebiet führt, in dem es viele Köcherbäume geben soll. Diese seltenen Bäume wachsen hauptsächlich in dieser Region.
Die ersten 40 Kilometer verlaufen auf einer gut ausgebauten Teerstraße. Sobald ich diese verlasse, erwartet mich eine üble Wellblechpiste. Nach etwa fünf Kilometern frage ich mich, ob es eine gute Entscheidung war, bei dieser Bruthitze auf solch einer Piste unterwegs zu sein. Zumal ich kaum etwas von den Köcherbäumen sehe, da ich mich dauernd auf die Strecke konzentrieren muss. Ich beschließe trotzdem weiterzufahren, was sich als schlechte Entscheidung erweist. Das Gerüttel durch den Wellblechbelag gibt irgendwann nach, aber nur, weil die umliegenden Farmer die Piste mit feinem Kies und Sand angehäuft haben. Das mag für die Autos der Farmer eine gute Lösung sein, für mich auf dem Motorrad ist es eine regelrechte Rutschpartie bei 40 Grad. Nach etlichen Flüchen und oh Wunder auch einigen Fotos von Köcherbäumen gelange ich zurück auf die vorherige Teerstraße, nur 40 Kilometer später.
An der Tankstelle im nächsten Ort finde ich einen kleinen Supermarkt mit angeschlossenem Restaurant. Ich parke die Honda gleich davor im Schatten und verziehe mich in den kühlen Innenraum für eine längere Pause.
Nach der Pause fülle ich den Tank auf. Als der Tankwart mich fragt, woher ich komme, staune ich nicht schlecht, als er etliche Fußballer und Fußballclubs aus der Schweiz aufzählt. Er kennt sie alle aus dem Fernsehen und ist Fan vom FC Basel. Wir müssen beide lachen, weil er selbst merkt, wie verrückt es eigentlich ist, dass er all diese Spieler und Clubs kennt, obwohl er selbst noch nie über die Grenzen der Region hinausgekommen ist.
Die Hitze zwingt mich, das Gespräch zu beenden und weiterzufahren. Nach etwa einer halben Stunde erreiche ich meine Lodge, die direkt am Eingang des Nationalparks liegt. Ich fahre jedoch noch ein Stück weiter, da ich gelesen habe, dass die Straße hinunter in die kleine Siedlung Riemvasmaak durch eine beeindruckende Steinlandschaft führt, ähnlich wie im Nationalpark. Überwältigend ist diese jedoch nicht, abgesehen von der Aussicht von der Brücke über den Oranje kurz vor der Ortschaft. Die Farben des Flusses und der Pflanzen ringsherum stehen in starkem Kontrast zur braunen Steinlandschaft.
Zurück bei der Lodge fahre ich die mit Palmen gesäumte Einfahrt hindurch und parke die Honda unter einem der schattenspendenden Bäume. Die Unterkunft mit ihrem Pool wirkt sehr schick, ebenso das Zimmer. Andere Gäste sehe ich keine, erst am Abend gesellt sich ein Paar aus Deutschland zu mir ins kleine Restaurant. Meine bestellten Gnocchi mit Tomaten und Spinat schmecken lecker und wüsste ich nicht, dass ich in Südafrika wäre, würde ich auf Italien tippen.
Ich frühstücke um sieben Uhr, damit ich früh in den Nationalpark zum Wasserfall komme. Ab 11.00 Uhr ist das Herumlaufen in der Bruthitze kein Spaß mehr.
Einmal mehr fahre ich nur in T-Shirt und kurzen Hosen die wenigen Kilometer. Außer mir ist um diese Zeit niemand unterwegs, weil es einfach keine Touristen hat.
Am Gate zum Park stoppt mich ein freundlicher Ranger. Ich muss mich in eine Liste eintragen. Danach gibt er mir einen Laufzettel mit, den ich beim Bezahlen an der Rezeption im Hauptgebäude abstempeln lassen muss und ihm beim Herausfahren zurückgeben soll.
Nach weiteren drei Kilometern erreiche ich das Camp mit dem Hauptgebäude. Außer mir und einigen Angestellten ist niemand da. Ich zahle die umgerechnet € 15.00 Eintritt und bekomme eine kleine Karte mit den Wegen zu den Aussichtspunkten über den Wasserfall und die Schlucht.
Über Holzstege und große Steine gelange ich zum ersten Aussichtspunkt. Ich höre das Wasser schon von weitem herunterbrausen und denke: Gut, es hat genügend Wasser, dass man den Wasserfall hören kann. Das ist anscheinend um diese Jahreszeit nicht immer der Fall. Es ist schon immer wieder erstaunlich, was die Natur alles fertigbringt. Grundsätzlich fließt der Oranje über tausende Kilometer ruhig vor sich hin. Nur hier grub er sich durch die Gesteinsmassen und bildete den Wasserfall und die kleine Schlucht auf wenigen Kilometern.
Da ich mit niemandem sonst die Aussichtsplattformen teilen muss, kann ich mir schön Zeit für meine Fotos und Videos lassen. Dabei zeigen sich mir die farbigen Männchen der örtlichen Eidechsen, genannt Broadley flache Echse, die es nur in dieser Gegend gibt.
Nach 1 1/2 Stunden Herumlaufen und Fotografieren wird es bereits heiß, und ich verziehe mich in den Schatten der Restaurantterrasse und genehmige mir einen kühlen Drink.
Zwischen dem Camp und dem Gate entdecke ich danach bei der Rückfahrt noch weitere schöne Exemplare von Köcherbäumen.
Den Rest des Tages verbringe ich im kühlen Zimmer mit Reisebericht schreiben und dem Planen meiner morgigen Route. Die könnte etwas länger werden als üblich, weil es in Richtung Süden wenig Übernachtungsmöglichkeiten auf weiten Strecken gibt.
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