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Ankunft am Atlantik

Ankunft am Atlantik

Mein Reisestart verschiebt wegen des schlechten Wetters um fast eine ganze Woche. Ursprünglich plane ich eine Tour nach Osteuropa. Das Grenzgebiet zwischen Deutschland, Tschechien, Polen und der Slowakei steht auf meiner Liste. Die Wetterprognosen bleiben jedoch hartnäckig unsicher und schlussendlich entscheide ich mich gegen diese Route.

 

Stattdessen zieht es mich erneut in die Pyrenäen. Dort erwarten mich deutlich angenehmere Temperaturen, südliches Flair und vor allem bessere Aussichten auf sonnige Fahrtage. Die Pyrenäen habe ich bereits zweimal bereist, doch die Bergwelt zwischen Spanien und Frankreich bietet noch immer genügend unbekannte Ecken. Als Einstieg wähle ich dieses Mal den Atlantik und die Grenze zwischen Frankreich und Spanien als Ausgangspunkt für meine Tour.

 

Bevor es jedoch in Richtung Atlantik geht, stehen zwei Besuche bei Motorradreisefreunden auf dem Programm. Sie habe ich auf meinen Reisen durch Südamerika und Afrika kennengelernt.

 

Bei endlich wieder strahlendem Sonnenschein starte ich am Samstagmorgen. Nach knapp fünf Stunden erreiche ich mein erstes Ziel in der Nähe von Stuttgart. Dort erwarten mich Elke und Martin sowie Stefan aus Augsburg. Gemeinsam verbringen wir einen gemütlichen Abend und tauschen Reisegeschichten aus. Später trifft noch ein weiterer Motorradreisender aus Stuttgart ein, den die drei während ihrer Reise durch Südamerika kennengelernt haben.

 

Am nächsten Tag fahre ich weiter nach Karlsruhe. Dort treffe ich Christian (Cédric). Mit ihm bin ich während meiner Südamerikareise über einen Monat lang durch Bolivien unterwegs gewesen und davor einige Tage in Argentinien.

 

Wir spazieren etwas durch die Innenstadt und dem Schlossgarten bevor wir in einem kleinen japanischen Restaurant ein leckere Rahmen Gericht verspeisen. Als Abschluss geniessen wir ein Drink in einer Roof Top Bar und bekommen vom Wetter einen schönen Sonnenuntergang geliefert. Und vor lauter Quatschen vergessen wir vollkommen, ein Foto von uns zweien zu schiessen. Beim nächsten Treffen denken wir dann hoffentlich daran.

 

Am Montag beginnt dann der eigentliche Weg zum Atlantik. Meine Route führt mich zunächst durch die Vogesen, die ich bisher noch nicht kenne. Da es ein Montag ist, herrscht erfreulich wenig Verkehr. Oft bin ich über längere Strecken ganz allein auf den kleinen Strassen unterwegs.

 

Die Landschaft gefällt mir grundsätzlich gut, allerdings verlaufen viele Strassen, auch die Passstrassen, durch ausgedehnte Waldgebiete. Dadurch bleibt der Blick auf die Umgebung häufig verborgen. Um etwas Aussicht zu bekommen, muss ich gezielt Aussichtspunkte anfahren, von denen es gar nicht so viele gibt. Erst entlang der bekannten Route des Crêtes verlässt die Strasse über längere Abschnitte die Wald Zone. Von hier bieten sich schöne Ausblicke über das grüne Elsass.

 

Anschliessend durchquere ich auf kleinen Nebenstrassen den französischen Jura, wo ich in den idyllischen Dörfern Saint-Hippolyte und Lods jeweils eine Pause einlege. Danach wähle ich bewusst eine Route abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten und fahre weiter nach Süden. Dabei durchquere ich das Weinbaugebiet Régnié-Durette und überquere den landschaftlich reizvollen Pass Croix Marchampt.

 

Einige hundert Kilometer weiter südlich warten die Pässe Col d’Entremont, Col de Serre und Pas de Peyrol auf mich. Obwohl der höchste Punkt lediglich knapp 1’500 Meter erreicht, erinnert die Landschaft stellenweise bereits an deutlich höhere Gebirge. Die Strassen schlängeln sich durch offene Hochflächen, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und der Verkehr hält sich in Grenzen. Was will ich mehr.

 

Abends in meiner zweiten Unterkunft lerne ich einen Deutschen kennen, der beruflich hier unterwegs ist. Er ist Maschineningenieur und hat sich auf Kraftwerke spezialisiert. Seine Aufgabe besteht darin, den Zustand von Maschinen und Turbinen zu beurteilen und entsprechende Gutachten zu erstellen. Als Selbstständiger erhält er Aufträge in ganz Europa und teilweise sogar in Übersee. Wieder einmal spannend von einer Arbeitswelt zu hören, mit der ich sonst kaum Berührungspunkte habe.

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Einen Tag später cruise ich durch das reizvolle Vallée du Célé an deren Ende die kleine Ortschaft Saint-Cirq-Lapopie liegt. Die Siedlung wurde spektakulär über dem Fluss Lot an den Felsen gebaut. Zu dieser Jahreszeit sind die zahlreichen Besucherparkplätze noch weitgehend leer. Dadurch kann ich problemlos anhalten, fotografieren und die Atmosphäre des Ortes in Ruhe geniessen.

 

Auf den letzten dreihundert Kilometern bis zum Atlantik liegen nochmals einige historische Dörfer entlang meiner Route. Eines davon erkunde ich etwas ausführlicher, bevor ich die letzten Kilometer unter die Räder nehme.

 

Am Atlantik angekommen, gönne ich mir nach der langen Anfahrt einen Ruhetag und nutze die Zeit, um die ersten Etappen durch die Pyrenäen zu planen. Die eigentliche Bergtour kann beginnen.

 

Im Hotel treffe ich auf einen türkischen Motorradreisenden, der innerhalb von drei Wochen von Istanbul über Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und wieder zurück nach Spanien und über Bilbao hierhergefahren ist. Während wir uns unterhalten, erzählt er mir, dass für die Region rund um den Stelvio Pass (Stilfser Joch) in den kommenden Tagen Regen vorhergesagt wird. Für ihn eine wichtige Information, denn in vier Tagen will er dort unterwegs sein. Seine Tagesetappen unterscheiden sich deutlich von meinen. Teilweise fährt er bis zu 1’000 Kilometer pro Tag. Eine völlig andere Reisewelt als meine. Trotzdem verstehen wir uns auf Anhieb und unterhalten rege. Motorradfahren verbindet, ganz unabhängig davon, wie man reist.

 

Auf der Route hierher und jetzt auch durch das Gespräch mit dem türkischen Motorradfahrer wird mir erneut bewusst, dass mein Reisestil und meine Honda nicht wirklich zu den europäischen Verhältnissen passen. Zwar plane ich möglichst viele kleine Nebenstrassen ein, doch um vernünftig vorwärtszukommen, muss ich immer wieder längere Abschnitte auf normalen Hauptstrassen zurücklegen. Dort ist die 300er CRF schlicht untermotorisiert. Die Strassen sind praktisch überall in gutem Zustand und der Verkehr bewegt sich konstant im Bereich von 90 bis 100 km/h ausserhalb der Ortschaften. Vergleich ich das mit meiner Durchschnittsgeschwindigkeit über meine letzten 100’000 km von 45 km/h, verläuft hier einfach alles viel zu schnell für mich. Umso mehr freue ich mich jetzt auf die kommenden zwei Wochen in den Pyrenäen. Dort warten schmale Bergsträsschen und unzählige Kurven auf mich. Genau das Terrain, in dem sich die Honda und ich am wohlsten fühlen.

Route und Downloads

Track & POI meiner Route

Die GPX Datei enthält den Track und die POI der Strecke „Ankunft am Atlantik“

Bild von Christian Feustle
Christian Feustle

Autor und Inhaber der Marke Motoglobe

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